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Ackermann-Nachfolger: Jain und Fitschen - zwei Seiten einer Münze

Die Schuhe, die Josef Ackermann hinterlässt, sind groß. So groß, dass man bei der Deutschen Bank entschieden hat, sie nicht nur mit einem Paar Füße zu füllen. Jürgen Fitschen und Anshu Jain sollen künftig gemeinsam die Geschicke des Geldhauses leiten. stern.de stellt die neue Doppelspitze vor.

Nach jahrelangem Gerangel hat die Deutsche Bank die Nachfolge ihres Chefs Josef Ackermann geklärt. Top-Investmentbanker Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen sollen dem Schweizer im nächsten Jahr an die Vorstandsspitze folgen, wie das größte deutsche Geldhaus am Montagabend nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mitteilte. stern.de stellt die beiden Banker vor.

Jürgen Fitschen - der "Politiker"

Jürgen Fitschen kommt die Rolle des "Politikers" im neuen Führungsduo bei der Deutschen Bank zu. Der 62-Jährige ist in Wirtschaft und Politik bestens vernetzt und genießt als langjähriger Firmenkundenchef das Vertrauen der Unternehmen im In- und Ausland. Wegen seiner diplomatischen Qualitäten gilt Fitschen Beobachtern als gute Ergänzung zum Investmentbanker Anshu Jain. "Der Vorstandschef der Deutschen Bank ist auch immer ein politischer Vorstandsvorsitzender und nicht "nur" ein Banker" - so formuliert es Aktionärsschützer Klaus Nieding.

Der bescheiden und sachlich auftretende Fitschen ist mit der wechselvollen Geschichte des Geldhauses gut vertraut. Seit 1987 arbeitet der Wirtschaftswissenschaftler für die Deutsche Bank. Verglichen mit den Jungstars der Finanzbranche kam seine Karriere allerdings erst relativ spät in Schwung. Fast 40 Jahre alt war der Niedersachse, als er von der Citibank zur größten deutschen Privatbank wechselte. Es folgten Stationen in Thailand, Japan, Singapur und London. Fitschen war zeitweise für das Investmentbanking und das Großkundengeschäft mitverantwortlich, also den Bereich, den zuletzt Anshu Jain leitete.

2001 rückte der als loyal und beharrlich geltende Manager in den Konzernvorstand auf. Nur ein Jahr später verkleinerte der neue Vorstandschef Josef Ackermann das Führungsgremium und Fitschens Job fiel weg. Statt im Konzernvorstand saß der Manager im Group Executive Committee (GEC), das für das Tagesgeschäft verantwortlich war. Erst 2009 zog der Vater von zwei Kindern wieder in das Top-Führungsgremium ein.

Trotz seines Einsatzes rund um die Welt für das Frankfurter Geldhaus ist Fitschen Deutschland eng verbunden. In seinem Heimatort Harsefeld bei Hamburg baute er jüngst ein Haus, als Anlaufpunkt für die Familie.

Anshu Jain - der Mann für die Zahlen

Der Investmentbanker Anshu Jain ist seit Jahren der "Geldmacher" der Deutschen Bank - jetzt rückt der hochbegabte Banker an die Spitze des Vorstands. Seine Sparte verdient Milliarden für das größte deutsche Geldhaus. Seit Juli 2010 zeichnete der heute 48-Jährige alleine verantwortlich für das nach wie vor wichtigste Geschäftsfeld des Konzerns, zu dem der Handel mit Devisen, Rohstoffen und Aktien zählt. Jain ist in der internationalen Finanzbranche hoch angesehen. Doch seine Kritiker meinen, ihm fehle die Vernetzung in der Berliner Politik.

Der smarte Inder studierte Wirtschaft in Delhi und in den USA und begann bei einer kleinen Investmentbank in New York. 1988 wechselte Jain zu Merrill Lynch und kümmerte sich um Hedgefonds. 1995 kam er zur Deutschen Bank nach London. Gemeinsam mit seinem Förderer Edson Mitchell machte er die Deutsche Bank zu einer der führenden Investmentbanken weltweit. Ob er Deutsch lerne, um sich auf den Chefposten vorzubereiten, wurde Jain bei seinen seltenen öffentlichen Auftritten in Deutschland immer wieder gefragt. Die Antwort des passionierten Cricket-Spielers: Ein breites Lächeln.

Seit Jahren als Kronprinz von Josef Ackermann gehandelt, führte letztlich an Jains Erfolgen und seiner Hausmacht kein Weg vorbei: Nach inoffiziellen Angaben sind die Investmentbanker mit mehr als 20 Prozent der Aktien an dem Dax-Konzern beteiligt und stellen damit die größte Gruppe der Einzelaktionäre. Dass die jüngsten Milliardenklagen gegen die Deutsche Bank wegen windiger Immobiliengeschäfte in den USA mit Jains Geschäftsbereich zusammenhängen, schmälerten seine Chancen nicht.

Der Einkommensmillionär Jain, der 2010 mit knapp zwölf Millionen Euro etwa drei Millionen mehr als Vorstandschef Ackermann kassierte, wird in der deutschen Öffentlichkeit mit Skepsis betrachtet. Der Manager gilt vielen als Vertreter eines Kasino-Kapitalismus, dem es um Renditen um jeden Preis geht. Alt-Kanzler Helmut Schmidt (SPD) kanzelte Investmentbanker jüngst auf dem Titel der "Zeit" ab: Das Wort Investmentbanker sei "nur ein Synonym für den Typus Finanzmanager, der uns alle, fast die ganze Welt, in die Scheiße geritten hat und jetzt schon wieder dabei ist, alles wieder genauso zu machen, wie er es bis zum Jahre 2007 gemacht hat".

Bankmitarbeiter beschreiben Jain als zurückhaltend und unprätentiös. Der Vater von zwei Kindern ist Anhänger der indischen Jain-Religion, zu deren wichtigsten Prinzipien die Gewaltlosigkeit zählt.

jwi/DPA / DPA