DaimlerChrysler Ermittlungen gegen Aufsichtsratschef Kopper


Wer hat wem was wann gesagt? Hilmar Kopper soll Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann unrechtmäßig über den Rücktritt von DaimlerChrysler-Boss Jürgen Schrempp informiert und damit gegen Insiderregeln verstoßen haben.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Aufsichtsratschef von DaimlerChrysler, Hilmar Kopper, eingeleitet. "Ich kann bestätigen, dass wir Ermittlungen gegen Herrn Kopper wegen des Verdachts auf Verletzung von Vorschriften zum Insiderhandel eingeleitet haben", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart am Mittwochabend. Weitere Einzelheiten zu den Ermittlungen wollte sie nicht nennen. Kopper stehe im Verdacht, den Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, vor der offiziellen Bekanntgabe über den Führungswechsel unterrichtet zu haben. DaimlerChrysler und die Deutsche Bank wollten den Bericht nicht kommentieren.

BaFin ermittelt schon länger

Das Verfahren sei in Stuttgart eingeleitet und an die Staatsanwaltschaft Frankfurt weitergeleitet worden, zitierte die Zeitung die Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Weder dort noch bei der Staatsanwaltschaft in Frankfurt war am Mittwochabend eine Stellungnahme zu erhalten. Der Zeitung zufolge basieren die Ermittlungen auf Untersuchungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) im Zusammenhang mit der Rücktrittsankündigung Schrempps. Eine BaFin-Sprecherin sagte, die bereits bekannte Untersuchung zu Schrempps Rücktritt und dem damaligen Handelsgeschehen bei der DaimlerChrysler-Aktie dauere an. Zu laufenden Verfahren werde keine Auskunft gegeben.

Die Deutsche Bank hatte Ende Juli 2005 den Höhenflug der DaimlerChrysler-Aktie nach dem angekündigten Rücktritt Schrempps genutzt, um ihre Beteiligung an dem Konzern zu verringern. Damals platzierte Deutschlands größtes Geldhaus 35 Millionen Aktien und verringerte damit seinen Anteil an dem deutsch-amerikanischen Automobilhersteller auf 6,9 von zuvor 10,4 Prozent. Das Paket hatte einen Marktwert von mehr als 1,3 Milliarden Euro. Die DaimlerChrysler-Aktie hatte nach Schrempps Ankündigung über zehn Prozent zugelegt.

Mit dem Wissen Kasse gemacht?

Deutsche-Bank-Finanzchef Clemens Börsig hatte am gleichen Tage noch morgens in einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen erklärt, die Bank wolle sich weiter von dem Anteil trennen, sehe sich aber nicht unter Zeitdruck. "Wir haben keine Not", sagte er damals. Am Nachmittag bekräftigte die Bank damals allerdings in einer Mitteilung nochmals ihre Absicht, sich grundsätzlich von dem Aktien-Paket zu trennen. Damals hieß es zur Begründung, Medien hätten Börsigs Äußerungen falsch wiedergegeben und den Schluss gezogen, dass das Institut seine Beteiligung nun doch weiter halten wolle.

Auch in den USA steht DaimlerChrysler im Mittelpunkt von Untersuchungen: Dort ermittlet die US-Börsenaufsicht SEC gegen Mitarbeiter des DaimlerChrysler-Konzerns. Sie werden verdächtigt, Autoverkäufe nach nigeria mit Schmiergeldzahlungen angekurbelt zu haben. Nach einem Bericht im stern (Heft 04/05) sollen zwei bisher für Auslandsgeschäfte zuständige Manager bereits eingeräumt haben, dass die Schmiergelder nicht bilanziert wurden. Damit könnte der Straftatbestand der Steuerhinterziehung erfüllt sein. Der Konzern lehnte am Mittwoch einen Kommentar zu dem Bericht ab. Er verwies darauf, mit den Ermittlern der SEC und des US-Justizministeriums zusammenzuarbeiten und selbst Untersuchungen eingeleitet zu haben.

SEC-Ermittler in der Konzernzentrale

Derzeit befragten Ermittler der SEC Angestellte der Stuttgarter Konzernzentrale und prüften dubiose Konten des Konzerns. Die US-Börsenwächter haben den Verdacht, dass bei Auslandsgeschäften von DaimlerChrysler jahrelang Schmiergeld in Millionenhöhe geflossen ist. Im Blickpunkt stehen dabei Geschäfte in Asien, Afrika und dem Nahen Osten. Mindestens sechs hohe Manager sollen inzwischen beurlaubt worden sein. Die Ermittler interessierten sich auch für die Daimler-Logistik-Zentrale in Germersheim. Von dort soll das Geld nach Nigeria überwiesen geflossen sein. Diese Schmiergeldzahlungen sollen erst Mitte 2005 eingestellt und die entsprechenden Konten aufgelöst worden sein.

In Deutschland war es bis 1999 erlaubt, im Ausland Bestechungsgelder zu zahlen und dies steuerlich zu verrechnen. Seit 2002 sind auch Bestechungszahlungen an ausländische Unternehmen verboten. In dem "stern"-Bericht wird darauf verwiesen, dass nach amerikanischen Recht derartige Bestechungsgelder seit 1977 verboten sind. Deshalb könnte die SEC Bußgelder in Millionenhöhe verhängen und sogar den Verkauf von DaimlerChrysler-Aktien an den US-Börsen stoppen. Nach einem Gesetz, das nach den Bilanzskandalen um die Konzerne Enron und Worldcom erlassen wurde, könnten Vorstände sogar persönlich haftbar gemacht werden.

mit Reuters, DPA DPA

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