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Deutsche Bahn: Börsengang könnte 2010 wieder Thema sein

Der umstrittene Börsengang der Deutsche Bahn könnte bereits im nächsten Jahr wieder auf der Tagesordnung stehen, so Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube. Während er Datenüberprüfung und verdeckter PR eine klare Absage erteilte, sind Kostenstrukturen vorrangiges Thema für die Zukunft.

"Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise macht der Gang an die Börse derzeit keinen Sinn. Wenn es 2010 oder 2011 hoffentlich wieder bergauf geht, sieht das aber anders aus", sagte Grube der Zeitung "Bild am Sonntag". Der Börsengang sei kein Selbstzweck. "Für ein weltweit führendes Transport- und Logistikunternehmen brauchen wir aber Geld, und das soll nicht vom Steuerzahler kommen. Wir müssen uns den Börsengang als Option erhalten, um auch in Zukunft international investieren zu können."

Zugleich versprach der neue Bahnchef, dass sich Aktionen wie die Datenüberprüfung von Mitarbeitern oder verdeckte PR-Maßnahmen unter seiner Ägide nicht wiederholen werde. "Dies entspricht nicht meinem Verständnis von Unternehmenskultur. Hier wird lückenlos, unverzüglich und bedingungslos aufgeklärt und hier habe ich ja bereits rigoros Konsequenzen gezogen, auch personelle. Und ich verspreche: Ähnliche Aktionen wird es unter meiner Führung bei der Bahn nicht geben."

Beim Thema Pünktlichkeit sei die Deutsche Bahn weltweit die Nummer 1. "Da muss ich den Mitarbeitern ein Riesen-Kompliment machen. Die Bahn ist schon deutlich pünktlicher geworden. Wir liegen hier weltweit an der Spitze und gelten für Eisenbahnen in anderen Ländern als großes Vorbild."

Beim Güterverkehr in diesem Jahr hat die Bahn bislang ein Minus von 24 Prozent hinnehmen müssen. "Den Güterverkehr auf der Schiene trifft die Krise mit voller Wucht", sagte der neue Bahnchef im Interview. "Unsere wichtigsten Kunden kommen aus den Bereichen Auto, Stahl, Kohle und Chemie. Sie haben Auftragseinbrüche von bis zu 50 Prozent. Wir müssen in diesem Jahr im Güterverkehr bislang einen Rückgang von 24 Prozent verkraften." Auf die Frage nach einem Sparprogramm sagte Grube: "Wir setzen uns intensiv mit dem Thema Kostenstrukturen auseinander. Denn ich will, dass dieser Bereich trotz der Krise wirtschaftlich bleibt. Eines unserer Programme beschäftigt sich mit dem Abbau von Verwaltungskosten. Da geht es aber auch um Effizienz- und Produktivitätssteigerungen."

Reuters/DPA / DPA / Reuters