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Deutsche Bahn: Teilprivatisierung rückt näher

Die Bahn-Teilprivatisierung konkretisiert sich: Am 5. November soll die Transporttochter des Unternehmens an die Börse gebracht werden. Welche Banken den Börsengang begleiten, soll diese Woche bestimmt werden. Der Verkaufserlös wird dabei wohl geringer ausfallen als erwartet.

Die Transporttochter der Deutschen Bahn, DB Mobility Logistics (DB ML), soll im November an die Börse gebracht werden. Als Zeitpunkt für die Erstnotiz des Papiers sei der 5. November ins Auge gefasst worden, verlautete aus dem Umkreis des Bahn-Aufsichtsrates. Auch über die Banken, die den Börsengang begleiten sollen, werde noch Anfang dieser Woche entschieden, hieß es. Der Berliner "Tagesspiegel" berichtete, vier Fünftel der zum Verkauf stehenden Aktien der Bahn-Tochter seien für institutionelle Anleger, wie Fonds und Banken, reserviert. Für Kleinanleger bleibe nur ein kleiner Teil.

Das Blatt berichtete darüber hinaus, der Verkaufserlös des Börsenganges werde nach Schätzungen lediglich drei bis vier Milliarden Euro bringen, erheblich weniger als bislang geschätzt. Die Regierung hatte zeitweise von einer Größenordnung von bis zu acht Milliarden Euro gesprochen. Investmentbanker waren mit fünf bis sechs Milliarden Euro vorsichtiger.

Mitte Mai hatte der Bahn-Aufsichtsrat die Voraussetzungen für die Teilprivatisierung geschaffen, über die innerhalb und außerhalb der Bundesregierung über Monate gestritten worden war. Letztlich einigte man sich darauf, den Fracht- und Personenverkehr des Unternehmens in der neuen Tochter DB ML zu bündeln und einen Anteil von 24,9 Prozent daran an die Börse zu bringen. Schienennetz und Bahnhöfe bleiben komplett in Besitz des Dachkonzerns Deutsche Bahn, der wiederum weiterhin vollständig in Bundesbesitz bleiben wird.

Auch russische Staatsbahn interessiert

Dass ein Großteil des zum Verkauf stehenden Anteils an institutionelle Investoren gehen soll, war schon länger klar. Das hatten im Vorfeld führende Bahn-Vertreter ebenso wie Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) angedeutet. Eine Volksaktie, von der zwischenzeitlich die Rede gewesen war, werde die Aktie der Bahn-Tochter sicher nicht werden. Vielmehr eigne sich das Papier eher für Investoren, die weniger an einer kurzfristig hohen Rendite als an einem beständigen Engagement in einem Wachstumsmarkt interessiert seien, hieß es. Interessenten unter institutionellen Anlegern soll es bereits zahlreich geben. Auch die russische Staatsbahn hatte Interesse bekundet.

Geführt werden soll die neue Bahn-Tochter zunächst in Personalunion vom Chef des Mutterkonzerns, Hartmut Mehdorn. Allerdings soll der Spitzenmanager dieses Amt Ende nächsten Jahres und damit nach dem Börsengang abgeben. Mehdorn soll danach an die Spitze des Aufsichtsrates der DB ML wechseln.

Reuters / Reuters