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Fall Khashoggi: Luxusjachten, Hotelbesuche, Immobilien: Donald Trumps Geschäfte mit Saudi-Arabien

US-Präsident Donald Trump gerät in der Affäre um den mutmaßlich ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi unter Druck. Er beteuert "keine finanziellen Interessen in Saudi-Arabien" zu haben - doch seine geschäftlichen Verstrickungen gehen Jahrzehnte zurück.

Donald Trump bei seinem Regierungsbesuch in Saudi-Arabien im vergangenen Jahr

Donald Trump bei seinem Regierungsbesuch in Saudi-Arabien im vergangenen Jahr

Mittlerweile bezweifelt kaum noch jemand, dass Jamal Khashoggi Opfer eines saudischen Killerkommandos wurde. Der in den USA lebende Journalist war am 2. Oktober in das saudi-arabische Konsulat in Istanbul gegangen und ist seitdem verschwunden. Audioaufnahmen, die den türkischen Behörden vorliegen, sollen seine grausame Ermordung belegen. Die US-Geheimdienste sind laut "New York Times" zunehmend davon überzeugt, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman in den Skandal verwickelt ist.

Doch US-Präsident Donald Trump, sonst selten um starke Worte verlegen, fährt gegenüber Saudi-Arabien bislang einen weichen Kurs. Er verlangt zwar Aufklärung von der saudischen Regierung und droht mit "sehr schwerwiegenden Konsequenzen". Zugleich betont er aber immer wieder, wie wichtig das Land als Verbündeter der USA sei. Erst im April besiegelten die USA den Verkauf von Artilleriesystemen im Wert von 1,31 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr erklärte Trump gar, man werde den Saudis Waffen für mehr als 100 Milliarden Dollar verkaufen.

Hat Donald Trump finanzielle Interessen gegenüber Saudi-Arabien?

Unter Druck gerät Trump nun, weil die Opposition vermutet, dass der US-Präsident auch private geschäftliche Interessen in Saudi-Arabien hat. Die Demokraten fordern daher nicht nur Aufklärung über Khashoggis Verschwinden, sondern auch "über jedwede finanzielle Verbindungen zwischen der Trump-Organisation und dem Königreich Saudi-Arabien", wie es in einem Schreiben von elf Senatoren an Trump heißt. "Es ist zwingend erforderlich, dass diese Sanktionsentscheidung und die US-Politik gegenüber Saudi-Arabien im Allgemeinen nicht durch Interessenkonflikte beeinflusst werden, die aufgrund Ihrer engen finanziellen Beziehungen zu Saudi-Arabien oder der Ihrer Familie bestehen könnten." 

Donald Trump erklärte am Dienstag via Twitter: "Fürs Protokoll, ich habe keinerlei finanzielle Interessen in Saudi-Arabien." Doch wie glaubhaft ist das? Die "Washington Post" schreibt in einer aktuellen Analyse, ob Trump finanzielle Interessen "in" Saudi-Arabien habe oder nicht - gemeinsame Interessen "mit" dem Land habe er auf jeden Fall viele.

Saudische Geschäftspartner und Kunden

Darüber hat Trump noch im Präsidentschaftswahlkampf offen gesprochen. So sagte er 2015 bei einem Auftritt in Alabama: "Saudi-Arabien, ich komme mit allen von ihnen klar. Sie kaufen Wohnungen von mir. Sie geben 40 Millionen, 50 Millionen Dollar aus. Sollte ich sie etwa nicht mögen? Ich mag sie sehr."

Die geschäftlichen Verstrickungen des Trump-Imperiums mit Saudi-Arabien sind über Jahrzehnte belegt. Als großzügige Kunden und Geschäftspartner haben sie seinen Firmen schon mehr als einmal aus der Patsche geholfen, wie die "Washington Post" und andere US-Medien zusammengetragen haben. So etwa 1991 als Trump wegen eines gescheiterten Casino-Projekts äußerst knapp bei Kasse war. Um seine Verschuldung zu senken, verkaufte er für 20 Millionen Dollar eine Luxusjacht an Prinz Alwaleed bin Talal. Ein paar Jahre später sprang der saudische Prinz erneut ein, als er in Trumps Plaza Hotel investierte und versprach, einen Teil der Schuldenlast zu übernehmen.

Auch als Immobilienkunden taten sich die Saudis schon mehrfach hervor. 2001 verkaufte Trump die 45. Etage im Trump World Tower in New York für 4,5 Millionen Dollar an die saudische Regierung. Und Prinz Nawaf bin Sultan Abdulaziz al-Saud erwarb vor einiger Zeit ein Luxus-Apartment in einem Trump-Gebäude in der Manhattaner Westside, das er im Februar dieses Jahres für 36 Millionen Dollar verkaufte. 

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Als Hotelgäste nach wie vor willkommen

Die Trump-Organisation betont, dass sie seit dem Amtsantritt von Trump als US-Präsident keine Geschäfte mehr mit ausländischen Regierungen mache - was die Opposition nicht so ganz glauben mag, wie der Senatoren-Brief aus dieser Woche zeigt. Denn offiziell liegen die Geschäftsbeziehungen zwischen Saudi-Arabien und den von Trumps Söhnen geführten Trump-Firmen zwar auf Eis. Als zahlende Gäste in Trump-Hotels sind die Saudis aber auch seither immer wieder aufgefallen.

So gab eine saudische Lobbyorganisation im Frühjahr 2017 im Auftrag ihrer Regierung 270.000 Dollar in Trumps Hotel in Washington DC für Unterkunft und Verpflegung aus. Die saudische Delegation kam laut "Washington Post" pikanterweise mit dem Auftrag, gegen ein Gesetz zu lobbyieren, das es Opfern des Terroranschlags von 9/11-erlaubt hätte, die saudische Regierung zu verklagen. Nach dem Bekanntwerden des Besuchs im Juni 2017 versprach die Trump-Regierung kleinlaut, die Einnahmen in die US-Steuerkasse spenden zu wollen.

Doch auch in mindestens zwei weiteren Trump-Hotels freute man sich seither über den warmen Geldregen saudischer Gäste. So meldet das Management des Trump-Hotels in Chicago seit Trumps Amtsantritt sprunghaft gestiegene Gästezahlen aus Saudi-Arabien: Im ersten Halbjahr 2018 sorgten diese für 218 Übernachtungen nach 116 zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr und 81 im Jahr 2016.

Und das Trump-Hotel in Manhattans Central Park West meldete nach zwei wirtschaftlich mauen Jahren im März wieder gute Einnahmen dank eines "Last-Minute Besuchs des saudischen Kronprinzen", wie der Hotelmanager in einem der "Washington Post" vorliegenden Brief jubelte. Die saudische Botschaft erklärte dazu, niemand aus der offiziellen Delegation des Kronprinzen sei dort gewesen. Ob die saudische Regierung die Rechnungen für andere Gäste bezahlt habe, wisse man nicht.