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Folter-Vorwurf So grausam sollen saudische Agenten den Journalisten Khashoggi verhört haben

Folter-Vorwurf: So grausam sollen saudische Agenten den Journalisten Khashoggi verhört haben
Seit dem 2. Oktober 2018 ist der saudi-arabische Journalist Jamal Khashoggi verschwunden. Er wurde zuletzt gesehen, als er das saudi-arabische Konsulat in Istanbul betrat. Vieles deutet darauf hin, dass er dort ermordet wurde. Aber warum? Khashoggi stammt aus einer namhaften Familie in Medina. Sein Großvater war Arzt und behandelte den König, sein Onkel Adnan war ein bekannter Waffenhändler. Jamal Khashoggi studierte in den USA. Neben westlichen Werten schätzte er auch islamistische und stand der Muslimbrüderschaft nahe. Erste Bekanntheit als Reporter erlangte Khashoggi, als er in den 1980er Jahren Osama bin Laden begleitete, der afghanische Rebellen im Kampf gegen die sowjetischen Besatzer anführte. Khashoggi galt als konservativ, unterstützte aber nicht die Radikalisierung bin Ladens und sagte sich von ihm los. In Saudi-Arabien machte er bei unterschiedlichen Medien und als Korrespondent in mehreren Ländern Karriere. Trotz familiärer Nähe zum Königshaus brachte ihm Kritik an der autokratischen Herrscherfamilie immer wieder Probleme ein. Seine Kolumnen wurden eingestellt, bei der Zeitung "Al-Watan" wurde er als Chefredakteur gleich zwei Mal gefeuert: 2003 und 2010. Gefährlich wurde es für Khashoggi aber erst ab 2015: mit dem Aufstieg von Mohammed bin Salman zum Thronfolger und mächtigsten Mann in Saudi-Arabien. Kronprinz Mohammed vereinte immer mehr Macht auf sich und duldete immer weniger Widerspruch. Obwohl Khashoggi seine Kritik sachlich vorbrachte, sah er sich 2017 genötigt, ins Exil zu gehen. Von den USA aus kritisierte er als Kolumnist der "Washington Post" den politischen Kurs Riads deutlich. Auf Twitter folgen dem Kritiker des saudischen Königs mehr als 1,7 Millionen Menschen. Haben seine Kritik und sein Einfluss Jamal Khashoggi das Leben gekostet? Die Wahrheit wird hoffentlich bald ans Licht kommen.
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Immer mehr Informationen zu den angeblichen Todesumständen von Jamal Khashoggi werden durchgestochen. Eine türkische Zeitung behauptet nun, sie hätte auf Audioaufnahmen gehört, wie der Journalist gefoltert und ermordet worden sei.

Sollten diese Informationen stimmen, dann hat Jamal Khashoggi ein Martyrium durchlitten. Kurz nachdem der Journalist am 2. Oktober das saudi-arabische Konsulat in Istanbul betreten habe, sollen Agenten ihn in Gewahrsam genommen haben, berichtet die türkische Zeitung "Yeni Safak". Die 15 Männer hätten ihn befragt, gefoltert und anschließend geköpft. Zuvor hätten sie Khashoggi auch Finger amputiert.

Die Zeitung beruft sich auf Audioaufnahmen, die während des Verhörs aufgezeichnet worden sein sollen, und nun in den Händen türkischer Nachrichtendienste lägen. "Yeni Safak"  berichtet weiter, der saudische Konsul habe sich bei dem Killer-Kommando beschwert, sie sollten ihr Verhör nicht in den Räumen des Konsulats durchführen. Doch die hätten ihm nur gesagt, er solle jetzt den Mund halten, wenn ihm sein Leben lieb sei. Gegenüber der "New York Times" soll ein hoher Regierungsbeamter diese Schilderung des Verhörs bestätigt haben.

Ein Arzt soll anwesend gewesen sein

Der Regierungsbeamte berichtet laut "New York Times" ebenso wie die Zeitung "Yeni Safak", dass die Männer einen Arzt hinzu gerufen hätten, als sie den Journalist enthauptet hätten. Der Mediziner habe sie angeleitet, den Körper des Toten zu zerlegen und zu entsorgen. Der Mediziner habe den Agenten auch empfohlen, bei der Zerstückelung Kopfhörer zu tragen und Musik zu hören. Dies würde die Spannung bei der Arbeit lösen.

Die "Yeni Safak" steht zwar der türkischen Regierung nahe und könnte daher Zugang zu Ermittlerkreisen haben, allerdings ist das Blatt auch für reißerische oder sogar hetzerische Artikel bekannt. Die Informationen sind daher mit Vorsicht zu genießen. Die regierungsnahe Zeitung berief sich zwar auf eine Tonaufzeichnung des Verhörs - erklärte aber nicht, wie sie an die angebliche Aufnahme kam.

Jamal Khashoggi ist seit 15 Tagen verschollen

Das "Wall Street Journal" wiederum berichtete unter Berufung auf türkische Regierungsvertreter, die Aufnahmen belegten, dass Khashoggi nicht verhört, sondern sofort zusammengeschlagen, betäubt und getötet worden sei. Der Fall besteht vor allem aus Mutmaßungen und Gerüchten. Öffentlich belastbare Informationen oder gar Beweise fehlen bislang.

Khashoggi war am 2. Oktober in das saudi-arabische Konsulat in Istanbul gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Seitdem ist der Journalist und Regierungskritiker, der zuletzt im US-Exil gelebt hatte, verschwunden. Die türkischen Behörden gehen nach Medienberichten davon aus, dass Khashoggi im Konsulat von einem aus Saudi-Arabien angereisten Spezialkommando getötet wurde. Das saudische Königshaus beteuert dagegen seine Unschuld und bestreitet jede Mitverantwortung.

Folter-Vorwurf: So grausam sollen saudische Agenten den Journalisten Khashoggi verhört haben

Im Video: "Verschleppt oder ermordet? Warum Saudi-Arabien Jamal Kashaggi fürchtet" 

sos DPA

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