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EADS/Airbus: "Keine Gewinner, keine Verlierer"

Während in Hamburg still und leise die neue Landebahn für den A380 eingeweiht wird, stellen Angela Merkel und Nicholas Sarkozy in Toulouse die neue Führung für EADS und Airbus vor. Die Doppelspitze ist nun Geschichte, und alle Beteiligten atmen auf.

Jahrelang hat Airbus darum gerungen und gekämpft, nun ist das Projekt abgeschlossen: Der Flugzeughersteller hat die verlängerte Startbahn auf dem Firmenflughafen in Hamburg-Finkenwerder offiziell übernommen. "Mit dieser Start- und Landebahn ist eine Entwicklungsperspektive für das Wachstum der A380-Familie und die Zukunftsfähigkeit des Standortes gesichert", sagte der Chef von Airbus Deutschland, Gerhard Puttfarcken. Die feierliche Inbetriebnahme aber geriet ziemlich in den Hintergrund, angesichts der großen Personalentscheidungen, die nun auf höchster Regierungsebene getroffen wurden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy persönlich haben nun die Doppelspitze beim deutsch-französischen Konzern EADS und Airbus abgeschafft und die Führung aufgeteilt: Der Franzose Louis Gallois wird alleiniger Vorstandschef des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns. Dafür übernimmt der Deutsche Thomas Enders, bisher Co-Chef, die alleinige Führung beim krisengeschüttelten Flugzeughersteller Airbus. Außerdem wird der Daimler-Chrysler-Manager Rüdiger Grube alleiniger EADS-Verwaltungsratschef, wie der Konzern bekannt gab.

"Ich weiß, es kommt überraschend, aber es ist eine gute Entscheidung", sagte Enders am Airbusstandort Toulouse. Die Zukunft von EADS entscheide sich an der Zukunftsfähigkeit von Airbus. Das ganze Unternehmen macht einen großen Schritt nach vorn. "Es gibt keine Gewinner und keine Verlierer", so Enders. "Ich werde zukünftig an Gallois berichten. Die Zusammenarbeit ist erprobt", sagte der neue Airbus-Chef.

Bisher war Gallois alleiniger Airbus-Chef und hatte zusammen mit Enders den Mutterkonzern EADS geführt. Gallois sagte: "Ich bin sehr glücklich über meine zukünftige Arbeit. Sie ist meiner jetzigen Aufgabe sehr ähnlich." Sarkozy sprach nach seiner Ankunft in Toulouse mit französischen Airbus-Angestellten und wurde von ihnen mit dem Satz zitiert: "Es ist eine gute Vereinbarung."

EADS war seit seiner Gründung vor sieben Jahren von einer deutsch-französischen Doppelspitze geführt worden. Das war immer wieder als schwerfällig kritisiert worden. Aber erst die Pannen beim Großflugzeug A380 und dem Langstreckenflugzeug A350, die zu hohen Verlusten und einem harten Sanierungsprogramm mit Werksverkäufen und dem Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen führten, machten jetzt den Weg für eine Entflechtung an der Spitze frei.

Die industriellen Großaktionäre Daimler-Chrysler and Lagardère sowie die Regierungen von Frankreich, Deutschland und Spanien blieben EADS voll verpflichtet, so EADS. Das Management werde künftig aber nach dem Prinzip "Der beste Mann für den Job" berufen, auch wenn die Balance der Gründerstaaten und -Aktionäre erhalten bleibe. Großaktionär Arnaud Lagardère zieht sich als Co-Vorsitzender des Verwaltungsrates zurück und überlässt Grube die alleinige Führung. Airbus-Chef Enders soll vom bisherigen Eurocopter-Chef Fabrice Brégier als neuem Airbus-Vorstand für das Tagesgeschäft (COO) unterstützt werden.

"Wir haben eine effiziente, ausbalancierte und gerechte Führungsstruktur"

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Neuausrichtung des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns und seiner Tochter begrüßt. "Wir haben eine effiziente, ausbalancierte und gerechte Führungsstruktur gefunden. Dafür haben wir hart gearbeitet. Wir sind auch im Namen von Daimler-Chrysler sehr zufrieden", sagte sie ebenfalls in Toulouse. Merkel erklärte, damit jeder zum Zuge komme, sei ein Rotationsprinzip ins Auge gefasst worden, so dass in fünf Jahren ein neuer Wechsel bei EADS bevorstehen könnte.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy sagte: "Es gibt jetzt einen Verantwortlichen auf jeder Ebene. Seit Jahren hat man das versucht, jetzt ist es geschafft, heute ist ein großer Tag für EADS und für die deutsch-französische Achse. Die Mitarbeiter sollen wissen, dass sie sich auf das totale Engagement der Aktionäre im Wettbewerb gegenüber Boeing verlassen können."

DPA/Reuters/AP / AP / DPA / Reuters