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EADS: Justiz ermittelt wegen Insiderhandels

Bevor die Lieferschwierigkeiten beim Airbus A380 an die Öffentlichkeit gelangten, sollen Manager des Luftfahrtkonzerns EADS ihre Aktienpakete teilweise verkauft haben. Wegen des Insiderhandels wurde nun die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Spekulationen um Insiderhandel beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS haben neue Nahrung erhalten. Die französische Börsenaufsicht AMF übergab der Staatsanwaltschaft einen Zwischenbericht zu ihren Untersuchungen. Aus Justizkreisen verlautete, der Bericht führe "gleichzeitige und massive" Aktienverkäufe von 21 Managern bei EADS und der Flugzeugtochter Airbus zwischen November 2005 und März 2006 an. Auch die beiden Großaktionäre Lagardere und Daimler Chrysler würden in dem Bericht genannt. Eine formelle Anschuldigung des Insiderhandels habe die Börsenaufsicht aber nicht erhoben.

Der französische Medienkonzern und EADS-Anteilseigner Lagardere bestritt, in irgendeiner Form in Insiderhandel verwickelt zu sein. EADS äußerte sich "sehr überrascht" über die Medienberichte zu dem angeblichen Insiderhandel. Daimler Chrysler wollte nicht Stellung nehmen. Die AMF äußerte sich nicht zum Inhalt ihres Berichts. Die Aufsichtsbehörde kündigte aber einen Abschluss ihrer Untersuchungen bis Anfang kommenden Jahres an.

Behörden untersuchen Aktienverkäufe

Die Ermittlungen hatten im November 2006 begonnen. Die Behörden untersuchen dabei Aktienverkäufe von EADS-Managern in den Wochen vor der Bekanntgabe der massiven Lieferverzögerungen beim Airbus-Großraumflieger A380. Die Schwierigkeiten bei dem Prestigeobjekt hatten einen Kurssturz ausgelöst und Airbus im vergangenen Jahr rote Zahlen beschert.

Die Staatsanwaltschaft reichte den AMF-Bericht, der den Justizkreisen zufolge insgesamt Aktienverkäufe von 1200 Personen anführt, an den zuständigen Ermittlungsrichter weiter. Die Kreise bestätigten damit weitgehend einen Bericht der Zeitung "Le Figaro". Dem Blatt zufolge sollen unter den 21 genannten Managern auch der frühere EADS-Co-Chef und Ex-Airbuschef Noel Forgeard und der ehemalige Co-Verwaltungsratschef von EADS, Arnaud Lagardere, sein. Beide haben ebenfalls ein Fehlverhalten bestritten. Der jetzige EADS-Chef Louis Gallois wollte keine Stellungnahme zu dem AMF-Bericht abgeben. Er habe ihn nicht gelesen, sagte Gallois. Zudem handele es sich um einen vorläufigen Bericht.

Die Lagardere-Aktien rutschten mehr als sechs Prozent ins Minus. Investoren befürchteten, Lagarderes Verkauf eines EADS-Anteils von 7,5 Prozent im vergangenen Jahr könnte im Falle einer formellen Anklage rückgängig gemacht werden. Die EADS-Aktie gab in Paris 1,2 Prozent nach. Lagardere kündigte rechtliche Schritte im Zusammenhang mit den Medienberichten über den AMF-Bericht an. Das Unternehmen strebe Schadensersatz auch für den erlittenen Kursverlust an, sagte ein Firmensprecher.

Reuters / Reuters