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EFSF-Herabstufung Zahlt Deutschland jetzt die Zeche?


Nach der Herabstufung des Rettungsschirms EFSF wächst die Sorge vor den Folgen für Deutschland. Gerät das Land in den Strudel der klammen Eurostaaten? stern.de beanwortet die wichtigsten Fragen.
Von Friederike Ott

Nach der Herabstufung von neun Euroländern durch die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) folgte am Montagabend die logische Konsequenz: Der Rettungsschirm EFSF wurde herabgestuft. Statt mit der Top-Note AAA wird er nun mit AA+ bewertet. Ausschlaggebend für den Schritt war vor allem, dass auch Euro-Schwergewicht Frankreich sein Toprating verloren hatte. stern.de beantwortet die sechs wichtigsten Fragen zu den Folgen der Herabstufung.

Wozu ist der Rettungsschirm überhaupt da?

Der EFSF wurde im Mai 2010 ins Leben gerufen und soll Euroländer mit Krediten versorgen, die vom Kapitalmarkt abgeschnitten sind oder nur zu horrenden Konditionen Geld bekommen. Er besteht aus Garantien der Euroländer, die entsprechend ihrer Einlagen bei der Europäischen Zentralbank prozentual gewichtet sind. Deutschland garantiert den größten Anteil von fast einem Drittel.

Wird es nun schwieriger, neue Investoren zu finden?

Dagegen spricht, dass der Schritt der Ratingagentur die Märkte kaum beeindruckt hat. Die erste Anleiheauktion nach der Herabstufung am Dienstag lief gut. Der EFSF sammelte problemlos Geld zu günstigen Konditionen ein. Die Versteigerung von Wertpapieren mit einer Laufzeit von sechs Monaten spülte 1,5 Milliarden Euro in die Kassen. Dabei gingen sogar die durchschnittlichen Zinsen gegenüber der letzten vergleichbaren Auktion zurück. Die Nachfrage war so stark, dass die Auktion mehr als dreifach überzeichnet war. So reagierte auch die EU-Kommission gelassen auf die Maßnahme von S&P. "Dieser Schritt ist eine technische Folge der Herabstufung mehrerer Euro-Länder und belegt keineswegs einen Vertrauensmangel", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn.

Warum wird überhaupt die Bonität des Rettungsschirms bewertet?

Auch der EFSF nimmt Kredite am Markt auf, um sie dann mit einem Aufschlag an klamme Eurostaaten wie Irland und Portugal weiterzureichen. Deshalb ist es für Investoren nötig, dass auch die Kreditwürdigkeit der von den 17 Eurostaaten getragenen Institution bewertet wird. Von diesen 17 gibt die Ratingagentur S&P nur noch vier, nämlich Deutschland, Finnland, den Niederlanden und Luxemburg, die Bestnote "AAA". Die vier Staaten stehen für 270 der 440 Milliarden Euro, die dem Fonds zur Verfügung stehen.

Müssen Länder, die Geld aus dem EFSF bekommen, nun höhere Zinsen bezahlen?

Das ist möglich, denn das Risiko eines Zahlungsausfalls wird durch die Herabstufung der beteiligten Euroländer leicht höher eingeschätzt. Nach Ansicht von Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) sind die Auswirkungen jedoch minimal. "Die Zinsen könnten sich in der Nachkommastelle erhöhen", so der Konjunkturexperte. Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, rechnet mit einem Aufschlag von 0,25 Prozent. Die Zinserhöhung würde Portugal und Irland treffen, denn das sind die beiden einzigen Länder, die bisher Geld aus dem Fonds bekommen haben. Außerdem soll möglicherweise ein weiteres Hilfsprogramm für Griechenland aus dem EFSF finanziert werden. Das Land wäre dann auch von höheren Zinsen betroffen.

Mit welchen Folgen muss Deutschland nun rechnen?

Nach Ansicht von RWI-Experte Döhrn hat die Herabstufung einen leicht zinssenkenden Effekt. "Deutsche Anleihen verbessern sich so im Vergleich zu anderen Ländern, weil insgesamt weniger das beste Rating AAA haben." Wenn allerdings Deutschland als Bürge für klamme Euroländer einspringen müsse, könnte das die Zinsen für deutsche Staatsanleihen steigen lassen und auch das Top-Rating gefährden, so Döhrn. Letzten Endes müssten natürlich die Steuerzahler die Zeche zahlen, wenn kriselnde Eurostaaten ihre Kredite nicht zurückzahlen. Dann wären große Geberländer wie Deutschland mehr als andere betroffen.

Muss Deutschland nun stärker für klamme Euroländer haften?

Zunächst war befürchtet worden, dass Deutschland möglicherweise seine Garantien erhöhen muss, um die Kapazität des Rettungsschirms von 440 Milliarden Euro zu erhalten. Das scheint zunächst einmal nicht nötig zu sein. Sowohl Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker als auch EU-Währungskommissar Olli Rehn betonten nach der Herabstufung, der EFSF verfüge über ausreichend Mittel für die laufenden und geplanten Hilfsprogramme. Eine Aufstockung des Fonds sei daher kein Thema. Zudem ist Standard & Poor’s bislang die einzige der drei großen US-Ratingagenturen, die den Rettungschirm herabgestuft haben. Fitch und Moody’s geben dem Rettungsfonds weiterhin die Bestnote. Ohnehin ist der EFSF eine vorübergehende Maßnahme. Ab Mitte 2012 soll er durch den ESM abgelöst werden. Im Unterschied zum EFSF ist der ESM mit echtem Kapital unterlegt. Der EFSF stützt sich auf Garantien der Euroländer. Deshalb haben die Ratings der Länder auch Auswirkungen auf das Rating des EFSF. Die Bonität des ESM wird hingegen unabhängiger von den Ratings der Länder sein. Konjunkturexperte Döhrn vom RWI sieht allerdings langfristig ein solches Konstrukt, in dem kreditwürdige Länder für die klammen haften, als Gefahr. "Für Frankreich ist ein Rating AA+ sicher kein Beinbruch. Aber wenn das Land erneut herabgestuft wird, dann wachsen irgendwann die Belastungen für die, die besser bewertet sind."

mit Agenturen

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