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Ehec-Epidemie: Bauern auf den Barrikaden

Die deutschen Agrarproduzenten wehren sich gegen die pauschale Warnung vor Salat, Gurken und Tomaten. Die Verzehrempfehlungen der Behörden hätten bereits zu enormen wirtschaftlichen Schäden geführt, kritisieren Verbände. Die EU hat ihre geplante Entschädigung aufgestockt.

Wegen der gravierenden Umsatzeinbußen durch die Ehec-Epidemie haben Gemüsebauern die Aufhebung der pauschalen Warnung vor Gurken, Tomaten und Salat gefordert. Das Bundesverbraucherministerium und die zuständigen Bundesbehörden hätten bisher kein Indiz dafür präsentiert, dass von den betreffenden Gemüsesorten eine generelle Gesundheitsgefährdung ausgehe, erklärte die Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO) am Mittwoch in Bonn. "Eine differenzierte Verzehrsempfehlung der zuständigen Stellen würde dazu beitragen, die enormen wirtschaftlichen Schäden zu begrenzen", hieß es.

Der Verband verwies darauf, dass das von den deutschen Erzeugerorganisationen freiwillig untersuchte Gemüse in allen Fällen Ehec-frei war. Bislang seien über 1000 Proben von 144 verschiedenen Gemüsearten auf eine mögliche Kontamination mit dem Darmkeim untersucht worden. Zudem seien Kühlhallen, Verpackungen, Waschwasser und Bodenproben analysiert worden. Diese Proben seien ebenso wie die amtlichen Proben durch die Behörden Ehec-frei gewesen, erklärte die BVEO. Bei allem Verständnis für die vorsorgliche Verzehrsempfehlung der Bundesbehörden sei eine "undifferenzierte Aufrechterhaltung der pauschalen Warnung" für solche Waren, die nachweislich frei von dem Erreger sind, "nicht länger nachvollziehbar", kritisierte der Gemüsebauern-Verband.

Umsatzverluste von 50 Millionen Euro

Auch der Deutsche Fruchthandelsverband drängte auf eine Rücknahme der Verzehrsempfehlung. Der Handel mit Gurken, Tomaten und Salat sei "nahezu vollständig zusammengebrochen", erklärte Geschäftsführer Andreas Brügger in Bonn. Es sei zu befürchten, dass es lange dauern werde, bis die Verbraucher wieder Vertrauen in diese Produkte fassen. Das Gesundheits- und Verbraucherministerium bekräftigten hingegen am Mittwoch, dass die Empfehlung, auf rohe Gurken, Tomaten, Salat und Sprossen zu verzichten, weiterhin gelte, weil die Infektionsquelle nach wie vor nicht gefunden sei.

Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes (DBV) belaufen sich die durch Ehec entstandenen Umsatzverluste für die deutschen Gemüsebauern bislang auf 50 Millionen Euro. Produzenten im Inland, aber auch im Ausland müssen einen erheblichen Teil ihrer Ernten vernichten, weil es für die Waren keine Abnehmer gibt. Auch der Einzelhandel verbucht gravierende Einbußen. Der Sprecher des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Kai Falk, sagte der "Bild"-Zeitung vom Mittwoch, es gebe Umsatzeinbrüche "von 30 bis 40 Prozent bei Obst und Gemüse".

Spanische Bauern verschenken ihr Gemüse

Unterdessen konnten sich Spaniens Agrarproduzenten am Mittwoch erstmals seit Tagen nicht über mangelnden Absatz beklagen: Um auf ihre von der Ehec-Krise verursachten Verluste aufmerksam zu machen, verschenkten sie im Zentrum von Madrid 40.000 Kilogramm Obst und Gemüse. Mit durchschlagendem Erfolg: Schon nach kurzer Zeit waren ihre mit Gurken, Tomaten, Salatköpfen, Melonen und Nektarinen dekorierten Stände umringt, und es bildete sich eine rund hundert Meter lange Warteschlange. Spruchbänder auf Spanisch, Deutsch und Englisch versicherten derweil, dass die spanischen Produkte: "Gesund, sicher und schmackhaft" seien.

Miguel Lopez, Generalsekretär des Bauernverbands, zeigte sich mit dem Echo auf die Aktion zufrieden. "Das ist ein weiterer Appell an die spanischen Verbraucher und die internationale Gemeinschaft" sagte er. Nach seinen Angaben mussten die Agrarproduzenten seit Beginn der Ehec-Krise in Spanien rund 350 Millionen Euro Verluste hinnehmen. Die Hamburger Gesundheitsbehörden hatten zunächst spanische Gurken als Quelle für die Epidemie in Deutschland genannt, dies später aber zurückgenommen.

Die EU-Kommission will derweil zur Entschädigung der Gemüsebauern für Verluste durch die Ehec-Krise einen höheren Betrag als ursprünglich geplant bereitstellen. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos schlug am Mittwoch in Brüssel vor, insgesamt 210 Millionen Euro auszuzahlen. Nach seinem ersten Vorschlag waren es 150 Millionen. Doch neun EU-Staaten, darunter auch Deutschland, hatten mehr Mittel gefordert.

mlr/DPA/AFP / DPA