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Klaus Bepler: Der Mann, der Bahn und GDL an einen Tisch brachte

Es ist die Nachricht des Tages: Der Lokführerstreik ist beendet; Bahn und GDL haben sich endlich geeinigt, ihren Tarifstreit schlichten zu lassen. Vollbracht hat das der Arbeitsrechtler Klaus Bepler.

Durchschlug den gordischen Knoten im Streit zwischen Bahn und GDL: Arbeitsrechtler Klaus Bepler bleibt lieber im Hintergrund

Durchschlug den gordischen Knoten im Streit zwischen Bahn und GDL: Arbeitsrechtler Klaus Bepler bleibt lieber im Hintergrund

Wie muss einer geschnitzt sein, der es schafft, wieder Bewegung in einen seit Monaten festgefahrenen Streit zu bringen? Ganz wichtig dürfte sein, dass es ihm um die Sache geht, und er sich nicht selbst in den Mittelpunkt stellt. So gesehen hätten die Deutsche Bahn und die Lokführergesellschaft GDL keinen besseren finden können als Klaus Bepler, um den gordischen Knoten zu zerschlagen. In Vorgesprächen am vergangenen Dienstag war es dem renommierten Arbeitsrechtler und früheren Richter am Bundesarbeitsgericht gelungen, den Weg zu bahnen für die Einigung der Streithähne auf eine Schlichtung, zu der sich Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber und GDL-Gewerkschaftsboss Claus Weselsky nun gemeinsam durchringen konnten. Schlichtung bedeutet: bis auf Weiteres keine Streiks!

Nicht einmal dieser Erfolg ist für Klaus Bepler Anlass genug, sich öffentlich zu zeigen. Der 68-Jährige tut sogar alles dafür, dass möglichst wenige Fotos seiner Person kursieren. Stattdessen lässt der heutige Honorarprofessor an der Universität Halle-Wittenberg lieber Taten sprechen. Wie es von Seiten der GDL heißt, brachte den Durchburch, dass Tarifverträge mit anderen Gewerkschaften - im konkreten Fall also mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG - für die Annahme eines Schlichterspruchs und den neuen GDL-Tarifvertrag keine Rolle spielen.

Kippte als Richter Grundsatz der Tarifeinheit

Dass gerade Klaus Bepler die Vermittlung gelang, dürfte für Fachleute keine Überraschung sein. Der gebürtige Frankfurter hat während seiner Zeit beim Bundesarbeitsgericht das Tarifrecht in Deutschland entscheidend geprägt und verändert. Der Jurist war im Mai 1993 zum Richter am obersten deutschen Arbeitsgericht ernannt worden. Ab Januar 2005 leitete Bepler dann den für das Tarifvertragsrecht zuständigen Vierten Senat. Fünf Jahre später brachte dieser Senat unter seinem Vorsitz den Grundsatz der Tarifeinheit ("Ein Betrieb, ein Tarifvertrag") zu Fall - was Bepler geradezu zum Experten des Bahn-Zwists macht.

Denn der Richterspruch von 2010 stärkte die Position von Spartengewerkschaften, in denen etwa Ärzte, Piloten, Flugbegleiter und eben auch die Lokführer organisiert sind. Der Senat - den Bepler bis zu seinem Ruhestand im Mai 2012 führte - hatte seine damalige Entscheidung mit der Koalitionsfreiheit begründet, also dem grundgesetzlich garantierten Recht zur Gründung und Betätigung von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden. Wegweisende Urteile gab es unter Beplers Ägide unter anderem auch zur Zulässigkeit von tariflichen Differenzierungsklauseln.

Klaus Bepler studierte Rechtswissenschaften, Geschichte und Psychologie in Marburg an der Lahn und in Frankfurt am Main. Während seiner beruflichen Laufbahn verfasste er zahlreiche Publikationen und arbeitsrechtliche Schriften. Zuletzt war sein Sachverstand im September 2014 als Gutachter beim Deutschen Juristentag in Hannover gefragt. Seine Kenntnisse und Erfahrungen gibt er seit 2009 auch als Honorarprofessor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg an junge Juristen weiter. Unter Arbeitsrechtlern genießt Bepler hohes Ansehen.

Unter Bahnkunden seit heute sicherlich auch. Die Schlichtung selbst übernimmt der von Kollegen als liebenswürdig und freundlich beschriebene Bepler allerdings nicht. Das überlässt er Personen, die den Gang in die Öffentlichkeit nicht scheuen: Brandenburgs früherer Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und Thüringens aktuellem Landesvater Bodo Ramelow (Linke).

dho/mit DPA