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Energie: Russland verspricht Gas-Lieferungen

Im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine ist der Weg für eine Wiederaufnahme der Lieferungen frei. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte, es gebe keine politischen Hindernisse mehr. Fraglich ist aber, wann das Gas wieder in Westeuropa ankommt.

Die russischen Gaslieferungen über die Ukraine nach Europa werden wieder aufgenommen, sobald die EU-Beobachter mit russischen und ukrainischen Kollegen in beiden Ländern vor Ort sind. Das teilte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Freitag nach einem Telefonat mit Russlands Regierungschef Wladimir Putin mit. "Russland wird Gas schicken, die Ukraine wird nicht blockieren", sagte Barroso. "Es gibt kein politisches Hindernis mehr."

Allerdings wollte sich Barroso nicht auf einen genauen Zeitpunkt festlegen. Es gebe noch technische Probleme mit den Pipelines. Derweil hat das Düsseldorfer Unternehmen Eon Ruhrgas im Auftrag der EU-Kommission die Leitung übernommen. Die ersten Experten seien inzwischen in Kiew eingetroffen, hieß es. Die Beobachter sollen klären, ob in der Ukraine für Europa bestimmtes Gas illegal abgezapft wird.

Russisches Gas könnte daher noch am Freitag wieder in Richtung Europa strömen. Gazprom-Chef Alexej Miller rechnet damit, dass dies noch im Tagesverlauf gelingt. Allerdings hieß es von russischer Seite, unter anderem wegen des nötigen Druckaufbaus in der Pipeline und der großen Entfernung könne es Stunden oder Tage dauern, bis das Gas wieder in Europa ankomme.

Der tschechische Ministerpräsident Mirek Topolanek wollte noch im Tagesverlauf nach Kiew reisen, um die Vereinbarung über den Beobachtereinsatz endgültig zu besiegeln, wie aus Regierungskreisen in Prag verlautete. Der rund 20-köpfigen Expertengruppe gehören Mitarbeiter europäischer Gasversorger wie Ruhrgas, Eni und GDF Suez sowie der EU-Kommission an.

Russland und die Ukraine hatten sich am Donnerstag bei einem Krisentreffen mit der EU auf eine Beobachterkommission verständigt, der auch Vertreter der beiden Konfliktparteien angehören sollen. Ungeachtet dessen bleibt das Kernproblem des Disputs zwischen Russland und der Ukraine ungelöst. Seit Wochen streiten sich beide Seiten über Schulden, höhere Preise und Transitgebühren für Gaslieferungen. Gazprom hatte der Ukraine deswegen zu Jahresbeginn den Gashahn zugedreht und deren Versorger Naftogaz vorgeworfen, für Westeuropa bestimmten Brennstoff aus den Transit-Pipelines zu stehlen. Gazprom hatte daraufhin kein Gas mehr in die Leitung eingespeist.

Dies bezeichnete Eu-Kommissionspräsident Barroso als "unakzeptabel". Es sei nicht hinnehmbar, dass Länder wie die Slowakei, Bulgarien oder Rumänien unter dem Streit zu leiden hätten und "nicht das Gas bekommen, für das sie bezahlen".

Reuters/DPA/AP / AP / DPA / Reuters