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Energieversorger: EWE hebt Gaspreise um 17 Prozent an

Deutschlands fünftgrößter Versorger EWE erhöht die Gaspreise ab August um mehr als 17 Prozent. Damit befindet sich der Konzern in guter Gesellschaft: Seit 2005 sind die Gaspreise in Deutschland bereits um knapp ein Drittel gestiegen.

Deutschlands fünftgrößter Versorger EWE hebt die Gaspreise zum 1. August um 17,4 Prozent an. Für einen durchschnittlichen Haushalt ergeben sich dadurch Mehrkosten von rund 20 Euro im Monat, teilte das Unternehmen in Oldenburg mit. Der Konzern begründete die Erhöhung mit der Verteuerung des Rohstoffs auf dem Weltmarkt. "Die gestiegenen Erdgasbezugspreise resultieren aus den Preisvereinbarungen der Importgesellschaften und den wenigen Produzenten, zum Beispiel in Norwegen, Russland und den Niederlanden", sagte EWE-Manager Thomas Arnhold. In den langfristigen Verträgen seien die Preise an die Entwicklung des Ölpreises gebunden.

EWE setzt damit eine für die Verbraucher unliebsame Tradition fort: Dem unabhängigen Verbraucherportal Verivox.de zufolge stieg der Gaspreis in Deutschland für die Endverbraucher seit Januar 2005 um 31 Prozent. Dabei gebe es deutliche regionale Unterschiede. Am günstigsten ist Erdgas demnach zurzeit bei den Stadtwerken im niedersächsischen Stade. Dort zahle ein Musterhaushalt 1086 Euro pro Jahr.

Über vergleichsweise niedrige Preise könnten sich auch die Kunden der Stadtwerke Pforzheim (1150 Euro), Kempten (1163 Euro) und Buxtehude (1180 Euro) freuen. Am tiefsten in die Tasche greifen müssten Gasbezieher der Stadtwerke Wismar mit durchschnittlichen Kosten von 1672 Euro pro Jahr. Ebenfalls als teuer eingestuft wurden die Stadtwerke Saarlouis (1665 Euro), die Pasewalk (1648 Euro) und Weißwasser (1640 Euro).

Weitere Preiserhöhung im Herbst erwartet

Zum Juni und Juli haben Verivox zufolge über 100 Gasversorger Preiserhöhungen angekündigt, die durchschnittlich 7,6 Prozent betragen. Eine weitere Preisrunde werde zu Beginn der Heizperiode im Herbst erwartet. Als Grund der erwarteten Steigerungen wird explizit die Kopplung an den explodierenden Rohölpreis genannt. Allerdings erwartet das Verbraucherportal für den Herbst Steigerungen von durchschnittlich etwa 10 Prozent, wie Sprecherin Dagmar Ginzel sagte.

Umweltsstaatssekretär Müller hatte dagegen am Wochenende von bis zu 40 Prozent gesprochen. Die Energieexperten von Verivox.de rieten zum Preisvergleich. Die Zahl der überregionalen Gasanbieter sei zwar im Vergleich zum Strommarkt noch relativ gering. Dennoch könnten in vielen Fällen durch einen Anbieterwechsel mehrere hundert Euro jährlich eingespart werden.

Sozialtarife stoßen auf wenig Gegenliebe

Die Idee von Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), bei der Energieversorgung wegen drohender Gaspreis-Erhöhungen Sozialtarife für Arme einzuführen, stößt in der Union und der Wirtschaft auf Kritik. Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Peter Ramsauer, sagte der "Frankfurter Rundschau online": "Diese Idee entspringt einem zutiefst staatsinterventionistischen Denken, das Grundlage von totalitären Staaten wie der DDR war." Nach dieser Logik müsse man die ersten 100 Liter Milch pro Jahr an bedürftige kinderreiche Familien zum Sozialtarif abgeben. "Das hat auch mit sozialer Marktwirtschaft nichts zu tun."

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erklärte, Sozialtarife seien keine ehrliche und nachhaltige Antwort auf die Preissteigerungen im Energiebereich. "Solche Diskussionen führen nur in neue Subventionsirrgärten, aus denen es kein vernünftiges Entrinnen gibt", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Gabriels Staatssekretär Michael Müller (SPD) sagte den "Ruhr Nachrichten" aus Dortmund, eine Möglichkeit der Ausgestaltung sei, dass die Versorger eine stärker verbrauchsabhängige Tarifstruktur schüfen und weniger auf pauschale Grundbeträge setzten.

DPA/AP / AP / DPA