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Expertenanhörung: Bis zu 125 Milliarden Dollar für US-Autobauer

Vor dem amerikanischen Kongress betteln die amerikanischen Autobauer derzeit um staatliche Hilfen - doch Experten schenken ihren Beteuerungen wenig Glauben. Im Gegenteil. Ein Banker geht davon aus, dass zwischen 75 und 125 Milliarden Dollar nötig sind, um die Autohersteller zu stützen.

Die US-Autobauer General Motors (GM), Ford und Chrysler benötigen nach Ansicht eines Experten deutlich mehr Geld als beim Kongress beantragt. Angesichts der vorhergesagten Verkaufsrückgänge bräuchte die Autobranche 75 bis 125 Milliarden Dollar, sagte Moody’s Chefvolkswirt Mark Zandi in der möglicherweise entscheidenden Kongressanhörung am Donnerstag. Es gebe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Hersteller zu einem späteren Zeitpunkt um weitere Hilfen bitten würden, erklärte der Experte.

Gleichwohl hätte das Aus eines Herstellers aus Detroit "katastrophale Auswirkungen für die Wirtschaft", erklärte Zandi. "Sollte einer der ’Großen Drei’ aus Detroit untergehen, würde eine große Zahl an Zulieferern mit untergehen", warnte auch Keith Wandell, der Chef der Zulieferers Johnson Controls, in der Anhörung.

Sanierungsprogramme geplant

In der Anhörung versuchten die drei großen Hersteller, mit einschneidenden Sanierungsprogrammen den Kongress erneut von neuen Milliardenhilfen zu überzeugen. Die Chefs der Opel-Mutter General Motors sowie von Ford und Chrysler versprachen am Donnerstag vor dem Bankenausschuss des Senats, für Staatsdarlehen in Höhe von insgesamt 34 Milliarden Dollar Kosteneinsparungen und die verstärkte Entwicklung kleinerer umweltfreundlicher Autos.

Ausschussmitglieder reagierten jedoch weiter skeptisch. "Ich bin dagegen, die drei großen Autohersteller freizukaufen", sagte der führende Republikaner in dem Gremium, Richard Shelby. "Die Autofirmen müssen demonstrieren, dass sie zu Reformen entschlossen sind", sagte der demokratische Ausschussvorsitzende Chris Dodd. "Gutes Geld darf nicht schlechtem hinterhergeworfen werden." Untätigkeit der Politik bedeute jedoch, mit der Wirtschaft "russisches Roulette" zu spielen.

GM-Chef räumt "Fehler" ein

GM-Chef Rick Wagoner räumte ein, sein Unternehmen habe "Fehler" begangen. General Motors habe nicht rasch genug in spritsparende Modelle investiert. Als Schlüsselelemente des Sanierungsplans nannte Wagoner unter anderem verstärkte Investitionen in umweltfreundliche Modelle wie den Chevy Volt, eine Verringerung von Marken, Modellen und Verkaufsfilialen sowie mit Blick auf die Arbeitskosten "volle Wettbewerbsfähigkeit" mit ausländischen Konkurrenten bis 2012. Dieser Plan "positioniert GM für den langfristigen Erfolg", sagte er. Das Darlehen solle bis zum Jahr 2012 zurückgezahlt werden.

Chrysler-Chef Robert Nardelli kündigte ebenfalls umweltfreundliche Modelle und Kosteneinsparungen an. "Chryslers langfristiger Produktplan ist robust, realistisch und grün", sagte er. Werde der Staatskredit gewährt, solle er ebenfalls von 2012 an zurückgezahlt werden. Der Vorstandsvorsitzende von Ford, Alan Mulally, will über die nächsten sieben Jahre 14 Milliarden Dollar investieren, um den Benzinverbrauch der Ford-Flotte zu senken. Zudem sei die Schließung von mehreren Fabriken und andere Kostensenkungen geplant "Wir wollen schlank und profitabel werden", betone Mulally.

Besorgnis bei den Demokraten

Zuvor war bekanntgeworden, dass die Krise schlimmer ist als bislang bekannt. Statt wie bislang 25 Milliarden Dollar fordern die drei Unternehmen nun 34 Milliarden Dollar an neuen Krediten. Ungeachtet der am Dienstag vorgelegten Sanierungsprogramme gilt es allerdings weiter als fraglich, ob der Kongress die Milliardenhilfe schnell gewährt. In der Führung der Demokraten gebe es "wachsende Besorgnis", dass sie keine ausreichende Mehrheiten für die Verabschiedung eines Rettungspakets bereits in der nächsten Woche finden, berichtete die "New York Times" am Donnerstag.

Politische Streitigkeiten über die Finanzierung verhinderten bislang eine schnelle Lösung: Die Demokraten möchten die für eine Stabilisierung der Finanzbranche vorgesehenen 700 Milliarden Dollar anzapfen. Die Republikaner wollen dagegen auf ein bereits bewilligtes Kreditpaket von 25 Milliarden Dollar zurückgreifen, das eigentlich für die Entwicklung sparsamerer Autos gedacht ist.

Der größte US-Autobauer GM ersucht den US-Kongress insgesamt um neue Kredite von bis zu 18 Milliarden Dollar bis Ende 2009, vier Milliarden davon will die Opel-Mutter noch im Dezember haben. Der Konkurrent Ford braucht bis zu neun Milliarden, hofft aber, auf das Geld nicht unbedingt zugreifen zu müssen. Chrysler will die angefragten sieben Milliarden Dollar bis Jahresende.

Bei einer ersten Anhörung hatten sie noch 25 Milliarden an Krediten gefordert und waren im Kongress auf große Skepsis gestoßen. Führende Politiker hatten als Vorbedingung detaillierte Sanierungspläne verlangt.

Reuters / Reuters