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Gründerpreis für Schüler: Die besten Geschäftsideen deutscher Teenager

Ein Anti-Zitter-Besteck für Parkinson-Kranke, ein Navi für Gehbehinderte oder ein Kochbuch für Allergiker: Beim Gründerpreis für Schüler überzeugten die Gewinner vor allem mit sozialen Ideen.

Von Katharina Grimm

Bei einer Familienfeier bemerkte Franziska das Zittern. Wenn ihr Opa die Gabel zum Mund führte, schüttelte sich seine Hand - und egal, ob Kuchen oder Braten, alles fiel zurück auf den Teller, auf sein Hemd und in seinen Schoß. Medikamente konnten diesen Tremor, also das Schütteln und Zittern, nicht stoppen. Franziska wollte ihrem Opa helfen - und so kam sie zu einer Geschäftsidee.

Das Schüler-Team Aequo hat ein Geschäftsmodell für einen Besteckaufsatz für Parkinson-Patienten entwickelt und damit den Deutschen Gründerpreis für Schüler gewonnen.

Das Schüler-Team Aequo hat ein Geschäftsmodell für einen Besteckaufsatz für Parkinson-Patienten entwickelt und damit den Deutschen Gründerpreis für Schüler gewonnen.

Gemeinsam mit fünf Mitschülern des Heilig-Geist-Gymnasiums in Würselen bei Aachen entwickelte sie ihren Einfall weiter: Wenn ein Sensor das Zittern in der Hand messen würde, könnten Elektromagnete dies doch ausgleichen. Und Franziskas Opa könnte schüttelfrei essen.

Ihre Geschäftsidee war geboren: Der Besteckaufsatz "Q". Gemeinsam mit Experten entwickelten die Schüler ein Unternehmenskonzept samt Businessplan und Marketingstrategie. Ihrem Unternehmen gaben sie den Namen Aequo, lateinisch für "Ausgleich".

Allerdings: Einen voll funktionierenden Prototyp gibt es nicht. Denn der Schülerwettbewerb, der im Rahmen des von stern, Sparkassen, ZDF und Porsche ausgerufenen Deutschen Gründerpreises stattfindet, ist kein Erfindercontest oder Bastelkurs. Durch den seit 1999 jährlich verliehenen Preis sollen Schüler das unternehmerische Handeln erlernen. Unterstützt werden sie dabei von Lehrern und Unternehmern, die gemeinsam mit den Jugendlichen, die zwischen 16- und 19 Jahren alt sind, aus einer Idee ein zwar fiktives, aber in der Theorie tragfähiges Geschäftsmodell erarbeiten.

Dabei spielen ganz reale Unternehmensfragen eine Rolle: Wo kann das Produkt gefertigt werden? Was darf es kosten? Und wie finanzieren wir das Projekt? Die Jury war vom Geschäftsplan des Aequo-Teams überzeugt: Der Businessplan hätte auch im realen Wirtschaftsleben gute Aussichten auf Erfolg.

Baby-Phones, Handtaschen und Apps

Das Anti-Zitter-Besteck ist nicht die einzige Geschäftsidee, die einen sozialen, alltagsnahen Anspruch hat: Der zweite Platz geht an ein Schülerteam aus Hessen, das ein Kochbuch für Allergiker und Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten anbieten möchte. Platz drei belegt eine Gruppe aus Bayern, die ein Navigationssystem für gehbehinderte Menschen auf den Markt bringen würde. Ebenfalls prämiert wurde ein Ortungssystem für Gegenstände, die man immer wieder verliert - wie Haustürschlüssel. Ein weiteres Team entwickelte ein Geschäftsmodell für ein cleveres Baby-Phone.

Mit einem Kochbuch, das auch auf Allergien und Unverträglichkeiten Rücksicht nimmt, konnte die Schüler-Gruppe CuCo die Jury überzeugen und landete auf dem zweiten Platz.

Mit einem Kochbuch, das auch auf Allergien und Unverträglichkeiten Rücksicht nimmt, konnte die Schüler-Gruppe CuCo die Jury überzeugen und landete auf dem zweiten Platz.

Aber nicht nur soziale Themen waren Inspiration, auch kreative Design-Ideen und Praktisches für den Alltag landeten unter den Top-Ten des Wettbewerbs: Ausgezeichnet wurden Recycling-Möbel, ein themenspezifisches Restaurant, ein Strohhalm, der K.O.Tropfen im Getränk erkennt, ein virtueller Kleiderschrank und eine Damenhandtasche, in der Frau alles schnell wiederfindet.

Der dritte Platz ging an das Team Turtle Safty Group, die mit einem Navigationssystem den Alltag von gebehinderten Menschen vereinfachen wollen.

Der dritte Platz ging an das Team Turtle Safty Group, die mit einem Navigationssystem den Alltag von gebehinderten Menschen vereinfachen wollen.

Seit 15 Jahren haben mehr als 65.000 Jugendliche von allgemein- oder berufsbildenden Schulen an Deutschlands größtem Existenzgründer-Planspiel teilgenommen. Allein in diesem Jahr gingen über 1000 Teams mit 4433 Schülern an den Start. Zwischen Januar und Mai hatten die Teams Zeit, ihre Geschäftsidee zu entwickeln. Die zehn besten Teams wurden nun im Hamburger Verlagshaus von G+J ausgezeichnet. Die ersten fünf Gruppen bekommen ein viertägiges Managementtraining, auf die anderen Schüler warten Praktikumsplätze in Unternehmen, die beim Deutschen Gründerpreis in den Kategorien Start-up, Aufsteiger und Lebenswerk ausgezeichnet wurden.