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HARTZ-KONZEPT: Rätsel um Finanzierung der Personal-Service-Agenturen

Die Agenturen gelten als Herzstück der Arbeitsmarkt-Reform. Trotzdem ist unklar, wie viel Geld das neue arbeitsmarktpolitische Instrument die Bundesanstalt kosten wird.

Sie gelten als der Kernpunkt der Arbeitsmarkt-Reform. Mit Hilfe der so genannten Personal-Service-Agenturen (PSA) will die rot-grüne Bundesregierung vor allem schwer vermittelbaren Arbeitslosen Brücken in die Arbeitswelt bauen. Doch noch immer begleiten zahllose Fragen die Pläne für die PSA, die nach dem Willen der Bundesregierung schon zum 1. Januar 2003 in den ersten Arbeitsamtsamtsbezirken an den Start gehen sollen. Unklar ist vor allem: Wie viel Geld wird das neue arbeitsmarktpolitische Instrument die Bundesanstalt kosten ?

Ein Null-Summen-Spiel ...

Ginge es nach den Vorstellungen der rot-grünen Bundesregierung, dann sollte das Instrument der Personal-Service-Agenturen ein Null-Summenspiel sein: Die Einnahmen aus dem Verleih von Arbeitslosen sollten die Ausgaben decken. Doch zumindest im Arbeitsministerium geht man eher von einem Zuschussbedarf aus. Schließlich bekämen die PSA »vor allem Personen zugewiesen, die ein bestimmtes Coaching (Training) brauchen«, gab die zuständige Referatleiterin Rose Langer bei einer Fachveranstaltung in der Bundesanstalt für Arbeit zu bedenken. Und das koste schließlich Geld - womöglich mehr als die Leiharbeit einbringe.

... und kein Verlustbringer

Doch vermittlungsorientierte Zeitarbeit, wie Fachleute die sozialpädagogisch betreute Leiharbeit auch nennen, muss nicht zwangsläufig ein Verlustbringer sein. Das hat zumindest das nordrhein-westfälische Unternehmen Start Zeitarbeit GmbH NRW bewiesen. Obwohl rund 70 Prozent der von Start Zeitarbeit Betreuten zur Gruppe der schwer Vermittelbaren zählen, macht das Unternehmen seit Jahren Millionen-Gewinne. »Wir haben bewiesen: Das Unternehmen ist ohne öffentliche Zuschüsse tragfähig«, berichtet Geschäftsführer Wilhelm Oberste-Beulmann.

Chance Zeitarbeit

Dabei kann sich auch die Vermittlungsquote von Start Zeitarbeit - einem vom Land, kommunalen Spitzenverbänden, Kirchen und Gewerkschaften getragenen Unternehmen - durchaus sehen lassen: Zuletzt wurden 47 Prozent der verliehenen Start-Beschäftigten von den Leih-Arbeitgebern übernommen. In den Jahren davor hatte die Quote sogar noch höher gelegen.

Anderswo kaum kostendeckend

Andere Erfahrungen mit PSA-Vorläufer-Projekten liegen in Sachen Finanzierung hingegen aus Bayern und Hessen vor, wo solche Projekte als »Gemeinnützige Arbeitgeber-Überlassung« (AGÜ) firmieren. An den insgesamt 54 zumeist von Berufsbildungszentren der Wirtschaft betrieben Projekten - 36 in Bayern und 18 in Hessen - hätten sich seit 1993 mehr als 8.900 Arbeitslose beteiligt. Die Vermittlungsquote liegt dabei ähnlich hoch wie bei Start in NRW. Die Einnahmen aus dem Verleih von Arbeitskräften deckt bei diesen Projekten allerdings nur etwa 70 Prozent der Kosten. Die übrigen 30 Prozent müssen Staat und Arbeitsämter zuschießen.

Guter Mix ist hilfreich

Es ist die Zusammensetzung der zu vermittelnden Arbeitslosen, die die Rentabilität beider PSA-Vorläufer-Projekte unterscheidet: Die Start Zeitarbeit in NRW hält in ihrem Mitarbeiter-Pool neben schwer vermittelbaren Arbeitslosen auch einen kleinen Teil konventioneller, leichter vermittelbarer Arbeitskräfte bereit - anders als die AGÜ-Projekte in Hessen und Bayern. Dieser »Kräftemix«, so betont Start-Chef Oberste-Beulmann, erhöhe deutlich die Rentabilität. Außerdem stelle Start »arbeitsplatzbezogen« ein: Hier werden Mitarbeiter für bestimmte Arbeitsplätze gesucht und nicht umgekehrt, wie es nach bisherigen Erkenntnissen bei den Personal- Service-Agenturen der Arbeitsämter geplant ist.