Ifo-Index Trübe Aussichten für deutsche Firmen

In der deutschen Wirtschaft wird die Stimmung immer schlechter. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im September überraschend stark gefallen. Der wichtige Frühindikator für die Konjunkturentwicklung sank damit bereits zum vierten Mal in Folge.

Nach dem vierten Rückgang des ifo-Geschäftsklimas in Folge im September schlittert die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung von Volkswirten immer mehr in eine Rezession. "Der ifo-Geschäftsklimaindex setzt seinen Abwärtstrend mit Riesenschritten fort", sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Mittwoch in München. Der Index war von 94,8 Punkten im Vormonat auf 92,9 Punkte gesunken. Der Rückgang fiel damit auch stärker als erwartet aus: Volkswirte hatten im Durchschnitt einen Rückgang auf 94,1 Punkte vorhergesagt. Das ifo-Geschäftsklima basiert auf rund 7000 monatlichen Unternehmensmeldungen.

"Die Unternehmen sind mit ihrer derzeitigen Geschäftslage sehr viel unzufriedener als im Vormonat", sagte Sinn. "Ihre Perspektiven für das kommende halbe Jahr schätzen sie ebenfalls etwas schlechter ein." Die Geschäftserwartungen fielen von 87,0 Punkten im Vormonat auf 86,5 Punkte. Volkswirte hatten diesen Rückgang prognostiziert. Die Beurteilung der aktuellen Lage trübte sich hingegen deutlich stärker als erwartet ein. Die Beurteilung sank von 103,2 Punkten im Vormonat auf 99,8 Punkte im September. Hier hatten die Volkswirte einen Rückgang auf 102,0 Punkte erwartet.

"Sehr reales Rezessionsrisiko"

Das Rezessionsrisiko in Deutschland sei "sehr real", schrieb Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, in einer Studie. "Im dritten Quartal dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem zweiten geschrumpft sein." Die deutsche Wirtschaft war bereits im zweiten Quartal um 0,5 Prozent zum Vormonat geschrumpft, nachdem sie im ersten Quartal noch um 1,3 Prozent gewachsen war. Die "sehr wettbewerbsfähige deutsche Wirtschaft" könne sich nicht von den Problemen ihrer Handelspartner abkoppeln. Die meisten Volkswirte seien noch zu optimistisch für das Wachstum im nächsten Jahr.

"Der Abschwung ist eindeutig im Gange", sagte auch ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb. Positiv hervorzuheben sei allerdings die Tatsache, dass sich die Erwartungen der Unternehmen nur leicht eingetrübt hätten. "Wir könnten uns vorstellen, dass sie sich in den nächsten Monaten stabilisieren." Hinzu komme, dass Deutschland im Abschwung noch vergleichsweise gut dastehe. "Anders als viele andere Länder wie Italien oder Spanien kommen wir von einem hohen Niveau."

Außerdem sei nach einer langen Phase des Aufschwungs ohnehin mit einem Dämpfer zu rechnen gewesen, sagte Nerb. Dieser sei nun nur etwas schneller gekommen. "Der Konjunkturzyklus als solcher ist ja nicht tot." Wichtig sei im Augenblick nur, dass es zu keiner Kreditklemme kommt. Derzeit sehe er dafür aber keine Anzeichen. "Die Kreditbereitschaft ist weitgehend normal."

Eine Belastung für das Geschäftsklima ist nach Einschätzung der DekaBank das Wegbrechen der deutschen Exportmärkte. Die aktuelle Zuspitzung der Finanzmarktkrise habe dagegen keine große Rolle gespielt, da ein Großteil der befragten Unternehmen schon vorher ihre Bewertungen abgegeben habe, sagte Volkswirt Andreas Scheuerle. "Vor allem die starke Abschwächung der Konjunktur in Europa und den USA belaste die Nachfrage nach deutschen Produkten." Die Folgen der Konjunkturabschwächung dürften sich auch bald auf dem Arbeitsmarkt zeigen. Die Investitionen seien bereits rückläufig.

DPA/Reuters DPA Reuters

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