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Nach Pilotprojekt: Warum Ikea jetzt alte Möbel zurückkauft - ohne Geld zu zahlen

Der schwedische Möbelriese Ikea kauft ab dem 15. Juli deutschlandweit alte Möbel zurück. Zunächst war das Projekt "Zweite Chance" in fünf Filialen getestet worden. Jetzt geht das in allen 53 Einrichtungshäusern. Doch Bargeld zahlt Ikea dafür nicht.

Eine Ikea-Filiale mit Parkplatz

Ikea kauft nun bundesweit alte Möbel zurück.

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Im Jahr 2018 kauften Ikea-Kunden in Deutschland rund 3,5 Millionen Produkte in der sogenannten Fundgrube, in der Ausstellungsstücke und Produkte mit kleinen Macken für günstige Preise verhökert werden. Was viele Kunden nicht wissen: Dort landen inzwischen auch Möbel, die Ikea gezielt wieder angekauft hat und dort weiterverkauft. Der schwedische Möbelriese nennt das "Circular Ikea" - eine interne Kreislaufwirtschaft. Die "Zweite Chance", wie das Rückkaufprogramm von Ikea in Deutschland heißt, war zunächst ab September 2018 in den fünf Pilotfilialen Berlin Lichtenberg, Kaarst, Siegen, Hannover Expo Park und Würzburg getestet worden. Nun rollt das Unternehmen das Geschäftsmodell deutschlandweit aus.

Lange Zeit stand Ikea für günstige Möbel, die nicht ewig halten. Wegschmeißen und neu kaufen - so schien das Geschäftsmodell zu funktionieren. Doch Ikea will sich verändern. Denn das alte Ikea verbraucht Unmengen an Ressourcen, das passt nicht zum modernen Zeitgeist."Wir sehen nicht, dass wir als Unternehmen so weitermachen können, wenn wir uns nicht mit dem Thema Ressourcenknappheit befassen", sagte Pia Heidenmark Cook, Nachhaltigkeitschef der Ingka Group, dem größten Ikea-Franchisenehmer, zu "Fast Company". "Es geht im Wesentlichen darum, das Geschäftsmodell zu ändern und ein völlig anderes Angebot für unsere Kunden zu bieten."

Lesen Sie hierzu: Ikea will sich radikal verändern 

In Deutschland kurbelt Ikea nun den Verkauf von gebrauchten Möbeln an. Dafür können Ikea-Kunden online ihre alten Möbel anbieten. Allerdings müssen sie einige Hürden nehmen: Es muss sich um ein Original-Ikea-Produkt handeln, das vollständig funktioniert, komplett zusammengebaut ist, sich im Original-Zustand befindet und keine starken Gebrauchsspuren aufweist. "Bitte beachte, dass wir dein Produkt leider nicht zurückkaufen können, wenn es starke, deutlich sichtbare Gebrauchsspuren aufweist, und dass wir nur haushaltsübliche Mengen entgegennehmen", lässt Ikea die Kunden wissen. Dann wählt der Kunde das entsprechende Einrichtungshaus in der Nähe aus.

Doch die Schweden nehmen nicht alle Ikea-Produkte zurück. Wer Schlafzimmermöbel abgeben will, kann nur Kleiderschränke oder Kommoden auswählen. Im Wohnzimmer sind Sofas ausgeklammert und nur TV-Bänke, Tische und Aufbewahrungslösungen werden vorgeschlagen. "Wir haben zunächst Produkte definiert, die für einen Rückkauf in Frage kommen. Hier konzentrieren wir uns auf besonders beliebte Produktgruppen wie Kallax, Malm oder Hemnes", so Ikea. Der Couchtisch "Arkelstorp" kostet neu 149 Euro. Gebraucht zahlt Ikea den Kunden bei leichten Gebrauchsspuren 45 Euro dafür. Für einen neuwertigen zweitürigen "Brimnes"-Kleiderschrank zahlen Kunden neu im Geschäft 69,99 Euro. Ikea nimmt den Kleiderschrank, wenn er quasi wie neu aussieht, ebenfalls für 45 Euro zurück.

Ikea zahlt kein Bargeld aus

Allerdings erhält man kein Bargeld. Kunden sollen mit dem Preisvorschlag direkt zu Ikea gehen: "Stimmen alle Angaben mit dem tatsächlichen Zustand des Produkts überein, erhält der Kunde eine Guthabenkarte in Höhe des Vorschlags", so Cornelia Obitz, zuständige Projektleiterin im Bereich Nachhaltigkeit bei Ikea Deutschland.

"Der Preisvorschlag liegt bei 30 Prozent des Neupreises für ein Produkt in mindestens gutem Zustand und bei 50 Prozent für ein Produkt, das wie neu ist", so Obitz weiter. "Wir bieten es in der Fundgrube zu maximal demselben Preis zuzüglich der Mehrwertsteuer an. Ikea verdient an dieser Stelle also kein Geld", so die Projektleiterin.

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kg