Insolventer Porzellanhersteller Italiener retten Rosenthal

Der Porzellanhersteller Rosenthal ist nach monatelanger Hängepartie gerettet. Der italienische Besteckhersteller Sambonet Paderno übernimmt das insolvente Unternehmen. Eine weitere gute Nachricht: Alle Rosenthal-Standorte sollen erhalten bleiben.

Der renommierte Porzellanhersteller Rosenthal ist gerettet. Der italienische Besteckhersteller Sambonet Paderno übernehme den gesamten Geschäftsbetrieb mit allen Mitarbeitern, Markenrechten und Patenten, teilte Insolvenzverwalter Volker Böhm am Montag in Selb mit. Sambonet wolle alle Produktionsstandorte erhalten und in den nächsten Jahren in beträchtlicher Höhe in Rosenthal investieren.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Dem Vernehmen nach zahlten die Italiener für Rosenthal mehr als 20 Millionen Euro. Der Freistaat Bayern hat mit einer Bürgschaft der LfA Förderbank Kredite von rund 20 Millionen Euro abgesichert. Zudem werden Investitionen mit fünf Millionen Euro aus Mittel der Regionalförderung unterstützt.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach von einem "Musterbeispiel für geräuschlose und erfolgreiche aktive Wirtschaftspolitik." Mit dem Einstieg von Sambonet, den hoch qualifizierten Mitarbeitern und ihren Qualitätsprodukten habe die weltbekannte Marke die Chance für eine erfolgreiche Zukunft, erklärte Seehofer.

Rosenthal beschäftigt derzeit weltweit noch rund 1200 Menschen, davon gut 1000 in Deutschland. Vor und während der Insolvenz waren insgesamt 600 Arbeitsplätze abgebaut und die Produktpalette um rund 20 Prozent verringert worden. Nach einem Verlust von 23 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2007/08 hatte der hoch verschuldete Porzellanhersteller Anfang Januar wenige Tage nach der Muttergesellschaft Waterford Wedgwood Insolvenzantrag gestellt. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Böhm wieder mit einem ausgeglichenen Ergebnis. In einigen Geschäftsfeldern sei sogar ein leichtes Wachstum zu verzeichnen.

Beide Unternehmen ergänzen sich

Mit Sambonet habe ein Investor den Zuschlag erhalten, der sich mit Rosenthal perfekt ergänze, betonte Böhm. Sambonet sei ein erfolgreiches, internationales Unternehmen, das Marktnähe mit Innovationskraft verbinde und für Rosenthal die Chance für einen echten Neuanfang biete. Mit der Übernahme durch den international führenden Hersteller von hochwertigen Bestecken und Küchenzubehör für Restaurants und Hotels böten sich für beide Unternehmen eine Reihe strategischer Perspektiven.

Sambonet will nicht nur die Rosenthal Studio-Häuser nutzen, sondern auch vom gut ausgebauten Vertriebsnetz von Rosenthal profitieren. "Für den Turnaround und die Integration von Rosenthal ist aber noch viel Arbeit nötig, aber wir sind zuversichtlich und stolz, den Neuanfang von Rosenthal zu gestalten", erklärte Sambonet-Chef Pierluigi Coppo.

Der Hauptgläubiger von Rosenthal, die Bank of America, hatte Mitte Juni grünes Licht für die Übernahme gegeben. Der Kaufvertrag wurde bereits am 10. Juli unterzeichnet. Er wurde allerdings erst wirksam, nachdem die Bank of America am Wochenende vereinbarungsgemäß alle Sicherheiten einschließlich der Markenrechte freigegeben habe, betonte Böhm.

Gewerkschafter begrüßen Kauf

Seinen Angaben zufolge gestalteten sich die Verhandlungen mit Sambonet Paderno schwierig und langwierig. Zu den vier Interessenten an Rosenthal zählte auch der türkische Porzellanhersteller Kütahya, der jedoch entgegen seiner Ankündigung kein neues Angebot vorgelegt hat.

Arbeitnehmervertreter und die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (BCE) begrüßten die Übernahme. "Die Beschäftigten können wieder mit Optimismus in die Zukunft schauen", erklärte Gesamtbetriebsratsvorsitzende Marianne Wopperer. Hartmuth Baumann von der BCE Nordostbayern wies jedoch darauf hin, dass die Belegschaft viele Opfer bringen musste. Der Verlust von Arbeitsplätzen sei zum Teil auch auf schwere Fehler des Unternehmens zurückzuführen.

DPA DPA

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