Interessenkonflikt bei Schaeffler Gericht bremst Conti-Übernahme


Weiterer Rückschlag für Maria-Elisabeth Schaeffler: Das Landgericht Hannover hat der geplanten Continental-Übernahme einen Riegel vorgeschoben. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" darf der juristische Chefberater des Familienkonzerns, Rolf Koerfer, vorerst nicht den Aufsichtsratsvorsitz des Autozulieferers übernehmen.
Von Sven Clausen und Angela Maier

Das Landgericht Hannover hat die Machtübernahme Schaefflers im Aufsichtsrat von Continental vorerst gestoppt. Rolf Koerfer, juristischer Chefberater des Familienkonzerns und Conti-Großaktionärs, wird nicht wie geplant den Aufsichtsratsvorsitz von Hubertus von Grünberg übernehmen. "Er darf auch nicht an der Sitzung teilnehmen", sagte ein Sprecher des Gerichts der "Financial Times Deutschland". Auf dem Treffen werden die Optionen für die Conti-Sparten und den Gesamtkonzern diskutiert.

Anlass ist eine Beschwerde von Christian Strenger, Mitglied in der Regierungskommission Corporate Governance. Strenger, der in diesem Fall ausdrücklich als Conti-Aktionär auftritt, sieht einen Interessenkonflikt Koerfers. "Herr Koerfer ist Chefberater der Schaeffler Gruppe. Er müsste aber laut Gesetz allein die Interessen der Continental AG vertreten. Dieser Interessenkonflikt wird aufgrund der Finanzsituation von Schaeffler von juristischen Experten als so gravierend angesehen, dass eine Ausübung des Aufsichtsratsvorsitzes von vornherein ausscheidet", sagte Strenger.

Das Amtsgericht hatte Koerfers Bestellung in den Aufsichtsrat Anfang Februar durchgewunken. Das Landgericht stoppte dies durch seine vorläufige Entscheidung (Aktenzeichen 21T/09). Es hat den Conti-Aufsichtsräten eine Frist zur Stellungnahme bis Dienstag, den 10. März, gegeben. "Spätestens dann wird entschieden, ob ein Interessenkonflikt vorliegt", sagte der Sprecher des Landgerichts. Der Ausgang sei völlig offen.

"Absurde Vorwürfe"

Koerfer sieht den Vorgang gelassen: "Die Vorwürfe von Herrn Strenger sind nachgerade absurd. Sämtliche Aufsichtsräte haben vor wenigen Wochen meine Bestellung zum Aufsichtsrat und zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats mitgetragen. Natürlich bin ich auch Berater der Schaeffler Gruppe. Ich habe aber als Anwalt ein professionelles Selbstverständnis, das gewährleistet, zwischen den einzelnen Interessen sehr wohl zu trennen."

Aus dem Kreis der Gläubigerbanken war zuletzt ohnehin der Druck auf Schaeffler gewachsen, auf den Aufsichtsratsvorsitz bei Conti zu verzichten. Faktisch gehört die mit 12 Mrd. Euro hoch verschuldete Gruppe - und damit auch Conti - den Banken, da das Schaeffler-Eigenkapital deutlich negativ ist.

FTD

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