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Alteste Tochter des US-Präsidenten: An der Seite von Merkel, Trudeau und Abe: die zentrale Rolle von Ivanka Trump

Schon in Donald Trumps Wahlkampf war seine Tochter Ivanka ständig präsent. Seit der Amtsübernahme sieht man sie immer häufiger im Weißen Haus. Werden Staatsgäste empfangen, sitzt Ivanka Trump direkt an deren Seite. Dabei hat sie gar kein offizielles Amt.

Ivanka Trump und Angela Merkel

"Was macht eine Handtaschendesignerin auf diesem Meeting?" Dieser zynische Satz wurde Bundeskanzlerin Merkel mit Blick auf Ivanka Trump in den sozialen Medien zu diesem Schnappschuss in den Mund gelegt.

Ivanka Trump neben Justin Trudeau, neben Shinzō Abe, neben Angela Merkel: Wann immer ein Staatsoberhaupt im Weißen Haus zu Gast ist, sitzt die Tochter des US-amerikanischen Präsidenten dabei. Fotos der Treffen gingen schnell viral, vor allem die vermeintlich schmachtenden Blicke, die Ivanka Trump dem kanadischen Ministerpräsidenten Trudeau zuwarf, gefielen vielen Nutzern in sozialen Medien. Viele Menschen fragten sich aber gleichzeitig: Wieso saß die Tochter des Präsidenten, die gar kein Amt innehat, überhaupt neben dem hohen Gast aus Kanada? Und wieso saß sie auch neben Merkel. Was macht Ivanka eigentlich?

Freitagabend. Merkel blickt in die Runde, ihr Blick fällt auch auf Ivanka. Die Fotografen halten drauf. Schießen ein Foto, das um die Welt geht. Menschen bei Twitter toben sich erneut aus, schreiben Dinge dazu wie: "Merkel denkt sich: Was macht eine Handtaschendesignerin auf diesem Meeting". Es ist vor allem Spott, der grassiert. 

Dabei wird relativ schnell ersichtlich, was Ivanka Trump macht. Sie beteiligt sich an der Diskussion in einem Beitrag. Sie wirkt überschwänglich, erzählt über die Arbeitsplätze, die ihr Vater in den USA schaffen will. Ivanka ist bei weitem eloquenter als der flapsig gestimmte US-Präsident. Der scherzte mit den Umsitzenden und fühlte sich als alter Geschäftsmann zwischen den Wirtschaftsgrößen sichtbar wohl. Trump und Merkel saßen in der Mitte des Runden Tischs einander gegenüber, Ivanka gleich daneben.

Ivanka Trump ist weder Beraterin noch First Lady - und doch alles

Ivanka Trump ist in Donald Trumps Welt ganz offensichtlich eine zentrale Figur. Doch weshalb sie wirklich bei einer solchen Besprechung anwesend ist, ist schwerlich zu erklären. Im Falle des Wirtschaftsmeetings mit Angela Merkel könnte man noch argumentieren, dass Ivanka Trump schließlich selbst eine erfolgreiche Unternehmerin ist - wenn auch nicht auf einer Stufe mit Siemens oder BMW. 

Dennoch: Einen offiziellen Posten im Weißen Haus hat sie nicht. Offizieller Berater im Weißen Haus ist ihr Ehemann Jared Kushner. Trotzdem deutet vieles darauf hin, dass die 35-Jährige auch in Zukunft als politische Beraterin ihres Vaters auftreten wird. Die "Washington Post" hatte bereits im November 2016 über die Präsidententochter geschrieben: "Wir werden das Gefühl nicht los, dass sie der Schlüssel zu allem ist." Schon im Wahlkampf wurde deutlich: Diese Frau wird eine wichtige Rolle spielen während Trumps Präsidentschaft.

Schon vor dem Amtsantritt wurde prophezeiht, dass Ivanka Trump praktisch die Rolle der First Lady übernehmen wird. Denn Melania Trump, die Ehefrau des Präsidenten, verzichtet zunächst auf diese Aufgabe und lebt lieber weiter in New York im Trump-Tower. Dort kümmert sie sich um Sohn Barron; der Elfjährige geht in New York zur Schule.

Ivanka Trump: Mutter, Ehefrau, Geschäftsführerin

Zum unbezahlten Job einer First Lady gehört es traditionell, die Gastgeberin im Weißen Haus zu spielen, sich um die Familie und auch um Wohltätigkeitsveranstaltungen zu kümmern. Anders als früher mischt die First Lady heutzutage häufiger mal auf politischem Gebiet mit. Auch Michelle Obama war politisch sehr aktiv. Die First Lady neben Barack Obama engagierte sich unter anderem für die Bildungschancen von Kindern in afrikanischen Ländern, ermutigte Mädchen, auf die Universität zu gehen und setzte sich für ein schärferes Waffenrecht ein. Doch mit Staatschefs saß Michelle Obama nie am Ovalen Tisch. Da hat selbst eine First Lady eben nichts zu suchen. Ivanka Trump ist bestenfalls eine Ersatz-First-Lady - und trotzdem immer mit dabei.

Das hat die US-Presse freilich bereits beobachtet und nun schon in mehreren Artikeln betont, dass Ivanka Trump ja "kein Dummchen" ist, obwohl blondiert, ehemaliges Model und Designerin - so, als müsste das betont oder überhaupt erwähnt werden. Dass eine Wirtschaftswissenschaftlerin ihr eigenes Unternehmen aufbaut, ist jedoch wohl kaum verwunderlich, auch dann nicht, wenn es sich dabei um Handtaschen und Damenkleidung handelt.

Ivanka Trump hat Wirtschaftswissenschaften studiert an der Georgetown University und anschließend an der Wharton School, einer renommierten Handelsschule in Philadelphia, an der schon ihr Vater in den 1960er-Jahren studiert hatte. Über Jahre hatte sie anschließend innerhalb des Konzerns ihres Vaters die Verantwortung für das alles entscheidende Immobiliengeschäft. Seiner ältesten Tochter vertraut Donald Trump mehr als sonst jemandem.

Ivanka Trump lässt ihr eigenes Unternehmen zurück

Dass Ivanka Trump für ihren Vater auch für dessen Rolle als US-Präsident zunehmend wichtig wird, zeigt schon ihr Umzug aus dem hippen New York ins schnöde Washington D.C., wo um 18 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden. Zunächst hatte Ivanka Trump sich aus dem Unternehmensimperium ihres Vaters zurückgezogen. Im Januar hatte sie dann angekündigt, sogar im eigenen Unternehmen kürzer zu treten.


Seither finden sich auf ihrem Twitter-Account hauptsächlich politische Beiträge - selbst Fotos von ihr selbst im schicken Abendkleid an der Seite von Kushner haben eine politische Botschaft, geht sie doch immerhin mit dem offiziellen Präsidentenberater zum Gouverneursball oder zu einem Staatsempfang. In den restlichen Tweets präsentiert sie sich als Mutter: Drei Kinder hat die 35-Jährige. Trotzdem ist sie statt Melania Trump nun plötzlich inoffiziell First Lady und statt Jared Kushner nun zudem inoffiziell Beraterin des Präsidentin. Oder ist Kushner bislang merklich in Erscheinung getreten? Vielleicht ist die Frage also doch nicht, was Ivanka Trump bei Treffen mit Merkel, Trudeau und Abe zu suchen hat. Sondern ob Kushner eventuell bloß deshalb zum offiziellen Berater ernannt wurde, damit Ivanka Trump einen Anlass hat, immer vorn mit dabei sein.

Ivanka Trump, Tochter des künftigen US-Präsidenten Donald Trump, steht in einem ärmellosen, lachsfarbenen Kleid auf einer Bühne.