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Italien EU-Kernland rückt ins Schuldenvisier


In der Schuldenentwicklung nimmt Italien neben anderen EU-Ländern eine Spitzenposition ein. Die Europäische Zentralbank ist über die weitere Entwicklung der drittgrößten europäischen Volkswirtschaft besorgt. Wie steht es um die Wirtschaft des großen EU-Sorgenkindes im Detail? Ein Überblick.

Die Schuldenkrise schlägt bis jetzt in zahlreichen Euro-Ländern ein und es könnten neue folgen: Vor mehr als einem Jahr begann es mit Griechenland, dann folgten Irland und Portugal. All diese Länder waren auf Finanzhilfen ihrer Partner im europäischen Währungsraum angewiesen. Auch Spanien drohte in den Strudel gezogen zu werden.

Mit Italien gerät nun ein Gründungsland der Europäischen Union ins Visier der Finanzmärkte. Wird Italien zum Krisenfall, dann reicht nach einhelliger Meinung der Experten der aktuelle Rettungsschirm mit 750 Milliarden Euro bei weitem nicht aus. Es wären ganz andere Dimensionen an Finanzhilfen nötig. Ein Überblick über die Wirtschaftssituation der drittgrößten Volkswirtschaft Europas:

Wachstum

Italien hat wie andere Industriestaaten heftig unter der weltweiten Finanzkrise gelitten. Die Wirtschaftsleistung sackte 2008 um 1,3 Prozent ab, 2009 mit fünf Prozent noch stärker als in Deutschland. 2010 ist das Land mit 1,3 Prozent Plus auf den Wachstumspfad zurückgekehrt und rechnet in diesem Jahr mit einer nur leicht schwächeren Entwicklung. Im ersten Quartal gab es allerdings nur ein Mini-Plus von 0,1 Prozent - in Deutschland waren es 1,5 Prozent.

Ähnlich wie in Deutschland zog auch in Italien der Export mit einem Zuwachs von fast einem Viertel 2010 aus dem Tief. Die Teuerung erscheint für das inflationserfahrene Italien mit gut zwei Prozent derzeit unter Kontrolle.

Schulden

In der Schuldenentwicklung nimmt Italien seit Jahrzehnten in Europa eine Position in der absoluten Spitzengruppe ein. Schon in die Finanzkrise ging das Land mit Staatsschulden von über 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung - inzwischen sind es knapp 120 Prozent. Das ist zwar deutlich weniger als Griechenland das inzwischen auf über 160 Prozent zusteuert, aber andererseits fast 40 Prozentpunkte mehr als Deutschland. Den europäischen Grenzwert von 60 Prozent, den inzwischen die Mehrheit der Mitgliedsländer reißen, übertrifft Italien um das Doppelte. Wie andere Staaten reagiert Italien auf diese Entwicklung mit Einsparungen. Aktuell geht es um weitere rund 40 Milliarden Euro für die kommenden drei Jahre. Dennoch übertraf das Etatdefizit des Staates mit 5,3 Prozent 2009 und 5,0 Prozent 2010 die europäische Grenzmarke von drei Prozent drastisch. 2011 und 2012 sollte die Neuverschuldungsquote nach Schätzungen der EU-Kommission auf 4,0 und 3,2 Prozent sinken. 2014 soll das Minus dann wieder unter der Drei-Prozent-Marke liegen - was ursprünglich schon 2012 erreicht werden sollte.

Wirtschaftsentwicklung

Mit Forschungs- und Entwicklungsausgaben von lediglich 1,3 Prozent liegt Italien noch unter der, gemessen an anderen aufstrebenden Ländern der Welt, schon niedrigen Quote in den meisten anderen europäischen Ländern. Der Arbeitsmarkt verharrt trotz der wieder besseren Wachstumsentwicklung im Tief, auch wenn die Quote mit unter acht Prozent 2009 und 8,6 Prozent Mitte 2010 deutlich unter Höchstständen in anderen Euro-Ländern blieb. Auch für das laufende und das nächste Land wird eine Quote zwischen acht und neun Prozent erwartet. Wie in anderen südeuropäischen Ländern ist die Rate der arbeitslosen Jugendlichen hoch.

Aussenhandel in Deutschland

Nicht ganz 60 Prozent der italienischen Ausfuhren gingen zuletzt in die Partnerländer der EU, davon gut zwei Drittel in die Länder der Euro-Zone. Ähnlich sieht das Verhältnis bei den Importen aus. Stark gewachsen sind in jüngster Zeit die Ausfuhren nach Russland und den Mercosur-Raum, aber auch nach Deutschland und in die Türkei. Bei den Importen sticht das drastische Plus in China und den mittleren Osten ins Auge. Wichtigster Handelspartner Italiens ist Deutschland, gefolgt von Frankreich. Knapp 13 Prozent der Exporte gingen zuletzt nach Deutschland, fast 17 Prozent der Einfuhren kamen von dort. Bei den Importen wie den Exporten Deutschlands rangierte Italien zuletzt auf Rang fünf.

Reuters Reuters

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