HOME

IWF-Studie: Finanzmärkte sehen besseren Zeiten entgegen

Weniger Verluste als befürchtet, bessere Aussichten als erhofft: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seiner aktuellen Prognose Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung der Finanzmärkte gemacht. Grund zur Entwarnung gebe es aber nicht. Außerdem mache die Selbstzufriedenheit der Banker Sorgen.

Die globale Finanzbranche kommt glimpflicher davon als befürchtet: Dank der jüngsten Erholung der Weltwirtschaft kann die Branche auf deutlich geringere Verluste hoffen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) korrigierte seine Prognose über die weltweiten Einbußen durch Ramschpapiere und faule Kredite um 600 Milliarden auf 3,4 Billionen Dollar (2,3 Billionen Euro) nach unten. Auch für die deutsche Wirtschaft sieht der IWF eine günstigere Entwicklung als noch vor einigen Monaten.

Grund für die Korrektur seien inzwischen gestiegene Preise für problematische Vermögenswerte, heißt es in einer am Mittwoch in Istanbul veröffentlichten IWF-Studie zur Stabilität der internationalen Finanzmärkte. Entwarnung für die Branche will der IWF allerdings noch nicht geben.

814 Milliarden Dollar Verlust für Europas Banken

Der IWF hatte im Verlauf der Krise seine Schätzungen über die erwarteten Verluste von Banken und anderen Finanzinstituten immer weiter nach oben geschraubt. Zuerst war der Fonds von 1,4 Billionen Dollar an Einbußen ausgegangen. Wenig später sprach er angesichts des immer dramatischeren Ausmaßes der Krise von rund vier Billionen Dollar.

Allein für die Banken der Eurozone rechnet der Weltwährungsfonds zwischen 2007 und 2010 nun mit Abschreibungen und Verlusten bei Krediten sowie Giftpapieren in Höhe von 814 Milliarden Dollar. US-Banken liegen demnach mit rund einer Billion Dollar Einbußen nur knapp darüber. Amerikanische Geldinstitute hätten derweil bereits mehr als die Hälfte der erwarteten Verluste verbucht, berichtete der IWF. Sie seien somit den europäischen Geldhäusern voraus.

"Wir sind auf dem Wege der Erholung, was aber nicht bedeutet, dass die Risiken verschwunden sind", sagte der Chef der IWF-Kapitalmarktabteilung, José Viñals. Noch immer hätten die Banken nicht ausreichend Kapital, um genügend Kredite zur Verfügung zu stellen, damit die Konjunkturerholung vorankomme. Es gebe weiter Engpässe bei der Kreditvergabe, die Gesundung der Wirtschaft werde voraussichtlich nur schleppend verlaufen, warnt der Bericht.

Selbstzufriedenheit der Banken macht Sorge

Der Ökonom bemängelte überdies, dass die Bankbilanzen nicht zügig genug von Ramschpapieren gesäubert werden: "Hier sind die Fortschritte nicht ausreichend." Der Fonds warnte davor, angesichts der besseren Lage bei den angestrebten Finanzreformen zurückzurudern. "Selbstzufriedenheit mit Blick auf die Neuordnung des Bankenwesens gibt Anlass zur Sorge", heißt es in dem Bericht. "Wenn wir die nach wie vor bestehenden Herausforderungen für das Finanzsystem in der derzeitigen Krise nicht meistern, riskieren wir, dass die Risiken für das System wiederkehren", sagte Viñals.

Für Deutschland erwartet der IWF in seinem neuen Weltwirtschaftsausblick in diesem Jahr noch ein sattes Minus von 5,3 Prozent der Wirtschaftsleistung, im nächsten Jahr aber schon ein kleines Plus von 0,3 oder 0,4 Prozent. Das verlautete aus Regierungskreisen. Im Juli hatte der Fonds Deutschland noch eine Schrumpfung für dieses Jahr um 6,2 Prozent und für nächstes Jahr ein Minus von 0,6 Prozent vorausgesagt. Das "Handelsblatt" hatte ebenfalls aus IWF-Kreisen ebenfalls von einer Prognose von minus 5,3 Prozent in diesem und plus 0,3 Prozent im nächsten Jahr berichtet.

DPA/Reuters / DPA / Reuters
Themen in diesem Artikel