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KIRCHGRUPPE: Schulden und kein Ende

Die Bemühungen um den angeschlagenen Kirch-Konzern laufen auf Hochtouren. Wieder mittendrin: Medien-Mogul Rupert Murdoch.

Die Bemühungen um den angeschlagenen Kirch- Konzern laufen auf Hochtouren. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins »Focus« hat der amerikanische Medien-Mogul Rupert Murdoch ein Angebot unterbreitet, der KirchGruppe gegen Erlass einer drohenden Milliarden-Forderung die Beteiligung an der Formel 1-Betreibergesellschaft SLEC abzunehmen. An diesem Sonntag wollen die Kirch-Krisenmanager und die Gläubigerbanken ihre Verhandlungen über einen Ausweg aus der Krise fortsetzen. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins »Der Spiegel« soll der frühere Bundesbank- Präsident Hans Tietmeyer möglicherweise die Moderation und Koordination der Gläubigerbanken übernehmen.

Endlich Vermittler gefunden?

Die Banken suchen bereits seit Wochen nach einem gemeinsamen Vermittler, konnten sich aber bisher nicht auf einen Kandidaten einigen. Für Tietmeyer hätten sich hochrangige Frankfurter Banker ausgesprochen, schreibt »Focus« nun. »Tietmeyer hat in der Asien- und in der Russland-Krise sowie beim Zusammenbruch des Hedge-Fonds LTCM bewiesen, dass er der Aufgabe gewachsen ist«, sagte demnach der Vorstand einer Gläubigerbank. Es werde aber noch der Name eines weiteren Frankfurter Bankers gehandelt.

1,7 Milliarden Schulden für Formel-1-Beteiligung

Mit dem angeblichen Angebot von Murdoch zur Übernahme der Formel 1-Beteiligung wäre Kirch zumindest die im Oktober anstehende Fälligkeit von 1,7 Milliarden Euro los. Diese Summe muss Kirch aufbringen, wenn Murdoch im Herbst aus dem Bezahlfernsehen Premiere World aussteigt und seinen Anteil von 22 Prozent zurückgibt. In diesem Fall müsste die KirchGruppe den Sender nach Einschätzung von Experten schließen.

Ein Kirch-Sprecher wollte die angeblichen Verhandlungen mit Murdoch über die Formel-1 Beteiligung nicht kommentieren. Der Konzern habe bereits früher betont, dass er für weitere Gesellschafter offen sei, sagte er nur. In Branchen-Kreisen gilt ein Tausch von Murdochs Premiere-Anteilen gegen Kirchs Formel 1-Mehrheit derzeit als eher unwahrscheinlich.

Noch mehr Schulden?

Wie der »Focus« weiter schreibt, sollen die Schulden der KirchGruppe mit 6,9 Milliarden Euro höher sein als bisher angenommen. Bisher war von 6,5 Milliarden Euro die Rede. Der Kirch-Sprecher sagte dazu lediglich, man habe den Banken bereits Transparenz über die Höhe der Kredite verschafft.

500 Millionen bei Premiere sparen

Bei den Krisenverhandlungen am Sonntag dürfte auch die Zukunft des hochdefizitären Bezahlsenders Premiere eine Rolle spielen. Premiere-Chef Georg Kofler wird dem Aufsichtsrat des Kirch-Bezahlsenders am Dienstag sein Sanierungskonzept vorlegen. Laut »Focus« will Kofler mit dem Konzept unter anderem 500 Millionen Euro jährlich sparen. Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« berichtete am Samstag, zur Restrukturierung sei ein hoher dreistelliger Millionenbetrag erforderlich.

Fußball-WM 2006 komplett im Free-TV

Nach Informationen der »Süddeutschen Zeitung« erwägt die KirchGruppe ferner, mit der ARD über den Verkauf der Fernsehrechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu verhandeln. Die ARD wolle alle 64 Spiele kaufen und dafür etwa 250 Millionen Euro zahlen, die Hälfte davon bereits in den nächsten Wochen, schreibt die Zeitung. Einige Spiele sollen an das ZDF weitergegeben werden. Sollte das spektakuläre Fußballgeschäft über die Bühne gehen, könnten die deutschen TV-Zuschauer in vier Jahren alle WM-Spiele live im Free TV sehen und nicht im Bezahlfernsehen.

Die KirchGruppe und die beiden TV-Sender dementierten allerdings Meldungen, es habe bereits Geheimverhandlungen zwischen Kirch und ARD gegeben. »Wir sind natürlich an den WM-Rechten interessiert und wollen sie gemeinsam mit dem ZDF erwerben. Darüber gibt es eine Option in dem bestehenden WM-Vertrag mit Kirch«, sagte ARD-Sprecherin Gudrun Hindersinn der Deutschen Presse Agentur (dpa).