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Klaus Zumwinkel: "Es trifft ihn genau da, wo es weh tut"

Das Urteil gegen den ehemaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel ist gefallen: Eine zweijährige Bewährungsstrafe sowie eine Million Euro Geldbuße. Die stern.de-Leser diskutieren das Urteil kontrovers. Hat Zumwinkel einen "Promi-Bonus" erhalten oder handelt es sich um ein faires Urteil? Was die stern.de-Leser sagen.

"Geldstrafe = keine Strafe. Als ob man diesen Menschen wirklich mit einer Geldstrafe treffen würde", argumentiert User insLot gegen das Urteil der Bochumer Richter und bringt damit die Stimmung vieler Leser auf den Punkt. Diese sind der Meinung, dass Zumwinkel nicht hart genug bestraft worden sei und der Rechtsstaat versagt habe. User Frecher hätte sich zumindest "eine höhere Strafe gewünscht, damit alle anderen Steuerbetrüger endlich mal aufwachen", denn "für mich ist das alles nicht mehr gerecht".

Höhe der Strafe gerecht?

Sedanon hätte nach eigenem Bekunden auch lieber gesehen, dass die Richter eine Haftstrafe ohne Bewährung verhängen, hat aber eher Probleme mit der Höhe der Geldstrafe: "Lediglich 1 Million Euro als Strafe zu verabreichen ist geradezu albern. Wo soll denn da der abschreckende Effekt zu erkennen sein? Ab einem 'Aufschlag' von 200% wird es langsam interessant und schmerzhaft für den Steuerbetrüger." Gleichzeitig kann er die Art der Strafe aber anerkennen, denn "wirklich schmerzen tut solche Leute sowieso nur der Verlust von Geld und somit von Macht."

Entgegen dem allgemein herrschenden Gefühl der Ungerechtigkeit argumentiert ThomasA, dass Zumwinkel zwar einen Fehler begangen habe, fragt aber gleichzeitig: "Wer ist hier ohne (Steuer)-Sünde? Jeder versucht doch im Rahmen seiner Möglichkeiten das Finanzamt auszutricksen. Sei es bei der Angabe der gefahrenen Kilometer, pauschal angesetzten abzugsfähigen Positionen. Daher sollte man hier die Entscheidung des Gerichts akzeptieren." Mehr als nur Akzeptanz fordert Laura-Sch von den Mit-Kommentatoren: "Die scheinheiligen Kommentare hier erinnern mich an die Massenhysterien im Mittelalter, wenn das stumpfe Volk vor den Galgen tobte und euphorisch den Henker feierte, wenn er zuschlug. Jetzt hat er sogar zugeschlagen, nur ist es dem Mob nicht genug. 1 Million Euro und 2 Jahre auf Bewährung IST eine schwere Strafe, für Steuerhinterziehung, bei der nun mal kein Mensch zu Schaden gekommen ist. Mit einer Bewährungsstrafe hat auch ein Zumwinkel keine berufliche Zukunft mehr." Und ThomasA ergänzt "Die wirkliche Strafe ist doch die Ächtung durch die Gesellschaft die Herrn Zumwinkel widerfährt."

"Eine Million kann der Staat gut gebrauchen"

Dass der Rechtsstaat mit diesem Urteil seine Handlungsfähigkeit bewiesen hat, sieht Halodri73: "Hier hat ein Mensch mit juristisch bislang weißer Weste eine Bewährungsstrafe bekommen. Er ist also rechtskräftig verurteilt." Zudem empfindet er die Höhe der Geldbuße angemessen: "Er zahlt eine Geldstrafe, damit trifft es ihn GENAU da, wo es ihm weh tut. Sonst hätte er auch nicht versucht, die Kohle ins Ausland zu schaffen. Und neben der Strafe muss er ja auch den Steuerausfall begleichen, incl. Zinsen. Da kommt schon ein nettes Sümmchen zusammen." Dass das Zumwinkel-Urteil auch eine gesamtgesellschaftliche Auswirkung hat, ist SirDidimus wichtig zu betonen: "Auch wir wollen milde Strafen haben wenn wir denn mal Mist bauen. Und das ist schnell passiert. Muss einem ja nur mal ein Mensch vors Auto laufen" Albatros111 freut sich vor allem, dass die zu zahlende Million der Allgemeinheit zugute kommt: "Mir doch egal, ob der Typ im Gefängnis sitzt oder nicht. Aber die 1 Million Euro Geldbuße, die er jetzt bezahlen muss, die freuen mich. Die kann der Staat bestimmt gut gebrauchen."

Keine Reue?

Dennoch lassen sich nicht alle User von solchen Argumenten überzeugen. Malt etwa wittert hinter den angeblichen Absprachen "Mauschelei" und findet es "unmöglich, dass ein bereits überführter Straftäter durch ein Geständnis eine 'mildere Strafe' bekommt - wenn er sowieso schon überführt wurde. Denn von Reue kann da keine Rede mehr sein, sondern schlichtweg von Berechnung."

kra