HOME

Kommunikation im Beruf: Wie unsere Körpersprache die Karriere beeinflusst

Unser Gang verrät mehr über uns, als wir denken. Denn der Körper ist niemals stumm und sendet ständig Signale. Im Job ist das nicht immer förderlich.

Von Susanne Wächter

Unsere Art zu gehen, verrät eine Menge über unseren Charakter - und das hat auch Auswirkungen auf den Karriereweg.

Unsere Art zu gehen, verrät eine Menge über unseren Charakter - und das hat auch Auswirkungen auf den Karriereweg.

Die Schultern sind eingefallen, schlurfend werden die Füße voreinander gesetzt, die Körpermitte bleibt starr und die Arme baumeln herab: Ein Mensch, der so geht, wirkt auf uns traurig oder niedergeschlagen. Das muss er uns nicht sagen – wir alle können es sehen. Denn unser Körper spricht ununterbrochen und teilt unsere Stimmung mit.  Ob bei einem wichtigen Meeting oder bei einem Vorstellungsgespräch: Der richtige Gang kann die Karriere in Schwung bringen.

Der erste Eindruck hat nichts mit unserem Intellekt oder unseren Ansichten zu tun – oder zumindest fast nicht. Ob jemand sympathisch wirkt, hängt zu 95 Prozent von seiner Kleidung, Haltung, sowie der Mimik und Gestik ab. Auch der Gang beeinflusst unser Gegenüber. Der ideale Gang ist locker, leicht federn, der Kopf ist erhoben und auch das Tempo ist nicht zu schnell. Der Gehende signalisiert Selbstbewusstsein und Ausgeglichenheit. Doch die wenigstens gehen so. "Menschen, die sehr beschäftigt sind, gehen schwerpunktmäßig auf ihren Vorderfüßen. In der Folge neigen sich Oberkörper und Kopf ein wenig nach vorn. So hetzen sie durchs  Leben ohne nach rechts und links zu schauen", sagt Haltungsexpertin Andrea Latritsch-Karlbauer.

Körpersprache und Stresssituation

Stresssituationen würden uns dazu verleiten, die Haltung zu verändern, die Luft anzuhalten. Der Körper sende so permanent ans Gehirn, noch mehr leisten zu müssen. Der gesamte Körper sei verkrampft. Die Stresshaltung mache uns müde. "All dies wirkt sich nicht nur auf unser Potenzial und unsere Ausstrahlung aus, auch unsere Kreativität wird eingeschränkt", so die Expertin.

Latritsch-Karlbauer bietet spezielle Seminare an, in denen auch das Gehen reflektiert werden kann. Wer zu tippelndem Gang neigt, wirkt schnell affektiert. Wer hingegen tänzelt, signalisiert Verspieltheit und Naivität. Wackelnde Geher erscheinen schwach. Unser Gang verrät nicht nur unsere Laune – richtig eingesetzt, kann Gehen uns auch beruhigen und die Aufregung mildern.

Bewusstes Gehen und Atmen

Vor wichtigen Terminen rät Latritsch-Karlbauer Menschen, die sich unsicher fühlen, im wahrsten Sinne des Wortes durchzuatmen. "Erden Sie sich, indem Sie mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehen, bevor Sie den ersten Schritt tun", rät Latritsch-Karlbauer. Aber auch im Joballtag kann es helfen, seine Arbeit für zehn Minuten zu unterbrechen, aufzustehen und durch den Raum zu schlendern. Dabei sei es wichtig, das Gehen bewusst zu vollziehen, sich auf das Abrollen des Fußes zu konzentrieren und die Atmung darauf abzustimmen. "Atmen Sie drei Schritte ein und drei Schritte aus", so die Haltungsexpertin. Gibt der Arbeitsplatz dies nicht her, weil er entweder zu klein ist oder es sich um ein Großraumbüro handelt, könne die Übung auch auf den Flur verlegt werden, idealerweise jedoch an die frische Luft.

Wer sich um einen neuen Job bemüht, sollte auch auf seinen Gang achten. "Erst mal sollten Sie zeigen: Hier bin ich!", sagt Sabine Mühlisch, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung, in einem Interview mit dem "Tagesspiegel". "Bitte nicht vor dem Gesprächspartner ducken, sondern ihm auf Augenhöhe begegnen. Das heißt: aufrechter, nicht zu schneller Gang, Kopf hoch und lächeln!" Aber die Expertin geht noch weiter – denn nicht nur die Art und Weise wie wir uns fortbewegen sei in solchen Situationen wichtig. Auch das Umfeld bezieht sie mit ein. "Sie sollten das Territorium des anderen akzeptieren: Anklopfen und im Türrahmen stehen bleiben, bis Sie hereingebeten werden. Wenn man schnell hereinplatzt, geht der andere sofort in die innere Abwehrhaltung, weil er unterbewusst wahrnimmt, dass sein Territorium nicht respektiert wird", sagt Mühlisch. 

Aufregung ist gut

Wer sich mit dem eigenen Gang und Auftreten auseinandersetzen will, sollte ordentlich Zeit einplanen. Denn die nonverbale Kommunikation über die Körpersprache zu ändern, sich einen anderen Auftritt zuzulegen, ist aufwendig. "Das Thema ist so komplex, dass es sich nicht nebenbei abhandeln lässt. Und noch etwas ist wichtig: Wenn man sich zu sehr auf die Körpersprache kapriziert, dann geht das oft nach hinten los – dann wirkt man erst recht verkrampft", sagt Karin Lindemann, Karrierecoach gegenüber der "Welt". Doch aufgeregtes Fummeln an den Klamotten vor einem Vorstellungsgespräch und der hektische Gang bei einer Präsentation haben auch gute Seiten: Aufregung sei gut und wichtig, sagt Sabine Mühlisch. Diese leichte, innere Panik abtrainieren zu wollen, sei der falsche Weg. Denn gibt man beispielsweise in einem wichtigen Job-Gespräch die eigene Unruhe ganz offen zu, wirkt man ehrlich und aufrichtig. 

Themen in diesem Artikel