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KONJUNKTUR: G 7 beraten über Weltkonjunktur und Schuldenkrisen

Der lahmende Aufschwung der Weltwirtschaft und die Schuldenkrisen in Argentinien und Brasilien stehen am Freitag im Mittelpunkt der Tagung der G 7-Finanzminister.

Die Vertreter der sieben wichtigsten Industrieländer kommen in Washington vor der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank zusammen. Globalisierungsgegner haben umfangreiche Proteste angekündigt. Die Polizei stellt sich auf 20.000 Teilnehmer ein.

Kriegsszenario soll angesprochen werden

Die Finanzminister aus den USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan wollen die Auswirkungen des lahmenden Aufschwungs sowohl für die Schwellenländer als auch für die Entwicklungsländer erörtern. Der IWF erwartet im kommenden Jahr ein Weltwirtschaftswachstum von 3,7 Prozent, 0,3 Prozentpunkte weniger als noch im Frühjahr. Ein Kriegsszenario mit Ölpreisschock und die möglichen Folgen dürfte ebenfalls zur Sprache kommen. An den Beratungen soll zeitweise auch der russische Finanzminister Alexej Kudrin teilnehmen, insbesondere bei den Themen Kampf gegen die Geldströme zur Finanzierung von Terrorismus.

Argentinien wirbt für Umschuldung

Der argentinische Wirtschaftsminister Roberto Lavagna will am Rande des G 7-Treffens bei den Ministern für eine Umschuldung der Verbindlichkeiten bei IWF und Weltbank werben. Bislang zeigt sich der IWF unwillig und dringt auf weitere Strukturreformen und Sparmaßnahmen. Noch im September werden Zahlungen in Höhe von fast 230 Millionen Dollar an den IWF, die Weltbank und die Interamerikanische Entwicklungsbank (IADB) fällig.

Insolvenzverfahren für Länder

Die G 7-Minister wollen weitere Vorschläge zur Verbesserung der Krisenbewältigung erörtern. Dabei will Deutschland auf Fortschritte bei der Einführung eines internationalen Insolvenzverfahrens für zahlungsunfähige Länder dringen. Nach dem Willen Berlins soll das Konzept bis Frühjahr in Umrissen vorliegen. Dies wird auch zentrales Thema der IWF-Jahrestagung, die wegen massiver Proteste in früheren Jahren auf zwei Tage (Samstag und Sonntag) verkürzt worden ist.

Störaktionen geplant

Protestgruppen haben für Freitag massive Störaktionen in Washington angekündigt. Sie wollen den Verkehr in der Innenstadt lahm legen. Die Demonstranten kritisieren das Verhalten der reichen Länder und die Politik von IWF und Weltbank, die ihrer Ansicht nach arme Länder weiter ins Elend treibt. Die Polizei hat das Gelände von IWF und Weltbank und das Gästehaus der Regierung gegenüber dem Weißen Haus, wo die G 7-Minister tagen, weiträumig abgesperrt. »Anarchie bringt keinen Wohlstand«, sagte der Chefökonom des IWF, Kenneth Rogoff, vorher. »Der Globalisierungsprozess muss gestärkt und ausgeweitet, aber nicht rückgängig gemacht werden.«