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Konzernumbau Joe Kaeser krempelt Siemens um


Der größte Siemens-Umbau seit Jahren steckt in den Startlöchern: Die Hörgeräte sollen an die Börse und es gibt wieder eine Frau im Vorstand. Kaeser will die Pläne am Mittwoch erläutern.

Jetzt ist die tiefgreifende Neuordnung von Siemens beschlossene Sache. Nach der entscheidenden Aufsichtsratssitzung am Dienstag will Konzernchef Joe Kaeser den Mitarbeitern und der Öffentlichkeit am Mittwoch in Berlin seine Zukunftspläne für den Elektrokonzern vorstellen. Die Struktur mit vier Sektoren gehört ab Herbst der Vergangenheit an, Vorstand Michael Süß muss gehen und zwei weitere Top-Manager tauschen ihre Posten. Und ganz nebenher legt Kaeser auch noch die Geschäftszahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2013/14 (30. September) vor.

Gleich zwei Änderungen kündigte das Unternehmen für die Medizintechnik an: Das Geschäft für Hörgeräte will Siemens ausgliedern und an die Börse bringen. Der Rest der Sparte bleibt zwar im Konzern - soll aber von Oktober an eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Damit soll das Geschäft, das inhaltlich ohnehin Überschneidungen mit den übrigen Feldern hatte, flexibler werden.

Amerikanerin neu im Vorstand

Vorstandsmitglied Süß scheidet nach Siemens-Angaben mit sofortiger Wirkung aus persönlichen Gründen und einvernehmlich aus dem Vorstand aus. Zu seiner Nachfolgerin wurde zum 1. August die Shell-Managerin Lisa Davis ernannt. Nach dem Ausscheiden von Brigitte Ederer und Barbara Kux kommt damit wieder eine Frau in die Führungsriege des Dax-Konzerns. Bis Davis das Ressort übernimmt, werde die Sektorleitung kommissarisch von Randy Zwirn übernommen und im Vorstand von dem bisher für Technik und Personal zuständigen Klaus Helmrich vertreten, erklärte das Unternehmen.

Auch für die Geschäftsverteilung im Vorstand wurden Änderungen beschlossen. So sollen Helmrich und der bisher für den Industriesektor zuständige Vorstand Siegfried Russwurm ihre Ressortzuständigkeiten tauschen: Russwurm werde neuer Chief Technology Officer und Arbeitsdirektor des Konzerns und Helmrich übernehme Themen der Prozessindustrie wie beispielsweise Antriebstechnologie und Automatisierung sowie Software-Lösungen in der digitalen Fertigung. Diese Bereiche hat Kaeser als Zukunftstechnologien definiert.

Die Quartalszahlen dürften bei so vielen Neuigkeiten ziemlich im Hintergrund stehen. Zu weitreichend ist die Neuaufstellung von Europas größtem Elektrokonzern, die sich in den vergangenen Wochen schon abgezeichnet hatte. Denn neben der neuen Struktur kauft Siemens Europas größtem Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce auch noch das Geschäft für Gasturbinen und Kompressoren für fast eine Milliarde Euro ab.

Muss Siemens weitere Stellen streichen?

Wichtige Fragen sind unterdessen ungeklärt: Muss Siemens weitere Stellen streichen, um wie angepeilt die Kosten um zusätzlich eine Milliarde Euro zu drücken? So viel soll die verschlankte Struktur sparen, weil etwa das Personalwesen oder die Kommunikation dann zentraler aufgestellt werden können.

Dabei ist Sparen auch ein Stichwort für die Zahlenvorlage. Zwischen Januar und März kletterte der Gewinn zwar im Jahresvergleich um zwölf Prozent auf 1,15 Milliarden Euro, wie Siemens am Mittwoch in Berlin mitteilte. Währungseinflüsse drückten aber auf den Auftragseingang und die Umsätze. Ein weiterer Grund: Vergangenes Jahr belasteten allein hohe Kosten für verspätete Zuglieferungen etwa an die Deutsche Bahn und für Probleme beim Anschluss von Windparks auf hoher See den Gewinn um rund 245 Millionen Euro. Insgesamnt lagen die Projektbelastungen bei mehr als 430 Millionen Euro. Solche Sonderkosten will Kaeser nicht wieder verbuchen müssen. Der Umsatz dürfte leicht über dem Vorjahreswert liegen.

Für Nachfragen dürfte aber auch der Übernahmepoker um den französischen Industriekonzern Alstom sorgen. Siemens und der US-Rivale General Electric (GE) sind an dem Franzosen interessiert. Zuletzt hatte GE die Nase vorn, nachdem der Alstom-Aufsichtsrat den Aktionären eine bindende Offerte der Amerikaner empfahl. Doch entschieden ist das Rennen damit noch nicht. Der deutsche Elektrokonzern hatte ein eigenes Angebot für Alstom unter der Bedingung angekündigt, dass er vier Wochen lang Einblick in die Bücher der Franzosen erhält. Zum aktuellen Stand machte Siemens am Dienstag keine Angaben.

awö/DPA DPA

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