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Krise in der Eurozone: EU rüstet sich für Spanien-Pleite

Erst Griechenland, dann Spanien: Die Länder der Eurozone stellen sich auf die nächste finanzielle Nothilfe ein. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" soll der iberische Staat im Ernstfall Kredite aus dem milliardenschweren Rettungsschirm für die Europäische Union erhalten.

Die Euro-Staaten stellen sich auf finanzielle Nothilfe für Spanien ein. Wenn sich die Probleme im Bankensektor des Landes verschärfen, soll der iberische Staat nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) Kredite aus dem 750 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) erhalten. Mit dem Geld sollen von der Pleite bedrohte spanische Sparkassen und Banken gestützt werden, falls das Land die Schieflage nicht allein in den Griff bekommt.

Die Pläne der europäischen Finanzministerien und Notenbanken unterstreichen die Sorge, dass die Euro-Krise trotz aller milliardenschwerer Sicherungs- und Sparpakete nicht entschärft ist. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy befeuerte Spekulationen, dass die Rettung der europäischen Gemeinschaftswährung mehr kosten wird als bisher angesetzt. Man könne sich "natürlich auch vorstellen, über die 750 Milliarden Euro hinauszugehen", sagte der Belgier am Donnerstag in Berlin nach einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Für diese Notwendigkeit gebe es aktuell aber keine Anzeichen.

Beim Beschluss über den Rettungsschirm Anfang Mai hatte vor allem Portugal als erster Kandidat gegolten, der nach Griechenland auf Kredite aus dem Rettungsfonds angewiesen sein könnte. Inzwischen bereitet Spanien mehr Sorgen. Seit Tagen ist der Interbankenhandel in Südeuropa praktisch blockiert. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sprach "von anhaltenden Spannungen in einigen Segmenten des Finanzmarkts".

Spanien leidet - anders als Griechenland - nicht unter einem gigantischen Staatsdefizit, sondern unter einer Überschuldung seiner Bürger. In dem Land war es zu extremen Preisübertreibungen am Immobilienmarkt gekommen. Als die Blase platzte, mussten die Banken - insbesondere die Sparkassen - enorme Kreditausfälle verkraften. Ein Ende der Misere ist nicht absehbar. Mehrere Geldhäuser mussten schon gerettet werden. Ein Flächenbrand könnte den nationalen Rettungsfonds und damit den spanischen Staatshaushalt überfordern.

EZB setzt kauf von Staatsanleihen fort

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, es gebe "derzeit" keine Anzeichen für einen spanischen Hilfsantrag. Nach FTD-Informationen geht es eher um ein Szenario für die nächsten Monate. Madrid selbst soll EU-intern die Dramatik bestritten haben. Am Donnerstag nahm Spanien über eine dreijährige Staatsanleihe 3,9 Milliarden Euro ein.

Die Platzierung war überzeichnet. Der Durchschnittszinssatz lag mit 3,317 Prozent allerdings um einen Prozentpunkt höher als im April. Marktteilnehmer mutmaßten, dass die Europäische Zentralbank ihre Finger im Spiel hatte. Sie kauft zurzeit Bonds von finanzschwachen Ländern der Euro-Zone. Die Rendite zehnjähriger Spanien-Titel befand sich am Donnerstag mit 4,47 Prozent nur noch leicht über dem Niveau aus den Tagen kurz vor der EU-Einigung auf den Rettungsschirm.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann versuchte, Ängste vor einem Übergreifen der spanischen Probleme auf Banken anderer Länder zu nehmen. Für eine gewisse Beruhigung an den Märkten sorgte auch die EZB. Trichet kündigte an, die Notenbank setze den - intern heftig umstrittenen - Kauf von Staatsanleihen fort. Als Hilfe für den Geldmarkt leiht die EZB den Banken jeweils Ende Juli, August und September für drei Monate so viel Geld, wie sie möchten. Ursprünglich hatte die Bank vor, eine festgelegte Summe zu versteigern.

Von Peter Ehrlich, Mark Schrörs und Doris Grass / FTD