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Lebensmittelpreise: Die Milch macht's teurer

Ob Jogurt, Käse oder Quark: Für Milchprodukte sollen Verbraucher mehr bezahlen. Doch während der Lebensmitteleinzelhandel nicht davon ausgeht, dass die Kosten explodieren, sieht der Bauernverband das anders.

Der Lebensmitteleinzelhandel geht trotz steigender Kosten nicht von einem drastischen Anstieg der Milchpreise aus. "Dass sich die Preise nach oben bewegen ist wahrscheinlich auf Grund der Kostensteigerungen, aber sie werden nicht in dem Ausmaß steigen wie von einigen propagiert", sagte der Geschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr. Die genaue Höhe sei noch unklar. Ein großer Teil der Kostensteigerungen werde wohl wegen des scharfen Wettbewerbs nicht an die Verbraucher weitergegeben werden.

Bauernverband rechnet mit weiterem Preisanstieg

Milchverarbeitende Unternehmen nennen als Gründe für den erwarteten Preisanstieg auch eine Rohstoffknappheit auf dem Weltmarkt durch Dürreperioden in Australien und eine weltweit wachsende Nachfrage, vor allem aus dem asiatischen Raum und aus Russland. Der Deutsche Bauernverband geht nicht von einem schnellen Ende des Milchpreisanstiegs aus. "Im langfristigen Trend werden sich die Milchpreise nach oben bewegen", sagte Generalsekretär Helmut Born in Berlin. "Der Sog bei Nahrungsmitteln vor allem aus dem asiatischen Raum ist jetzt der unmittelbare Treibsatz für die Milchpreisentwicklung." Langfristig werde der Anbau nachwachsender Rohstoffe stärker zum Preisanstieg beitragen, weil unter anderem Futtermittel teurer werde.

Die Bundesregierung hält den drohenden rasanten Anstieg der Milchpreise nicht für nachvollziehbar. "Wenn aus fünf Cent Anstieg für den Bauern 50 Prozent Milchpreisanstieg im Handel gemacht werden, ist das unverschämt", sagte der Parlamentarische Agrarstaatssekretär Gerd Müller (CSU) der Deutschen Presse- Agentur dpa in Berlin. "Das ist nicht begründbar mit der Erhöhung der Erzeugerkosten." Der Handel beziehe die Milch zu einem Lieferpreis wie 1975. Die Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) rechnet mit einem Anstieg der Preise für Milchprodukte um bis zu 50 Prozent.

Milch war zu billig

Die stellvertretende Grünen-Fraktionschefin Bärbel Höhn warnte vor drastischen Preissteigerungen bei Milch. "Die Milchbauern kriegen nur ein paar Cent mehr pro Liter, den Rest kassiert der Handel", sagte Höhn. "Milch war in den letzen Jahren sehr billig. Das hat viele Milchbauern an den Rand ihrer Existenz gebracht." Deshalb sei eine maßvolle Steigerung nachvollziehbar. Das Agrarministerium führt die steigenden Milchpreise unter anderem auf die steigende weltweite Nachfrage nach Trockenmilch und Käse zurück.

DPA / DPA