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Manroland-Pleite: Rettung kostet 2200 Arbeitsplätze in Deutschland

Die IG Metall hatte die Beschäftigten der insolventen Manroland bereits auf eine "grausame Woche" eingestimmt. Der Gläubigerausschuss stimmte nun einem Rettungskonzept zu, dass bei dem Druckmaschinenbauer unerwartet massive Stellenkürzungen vorsieht.

Der insolvente Druckmaschinenhersteller Manroland wird zerschlagen, und rund 2200 Arbeitsplätze in Deutschland fallen weg. Das hat der Gläubigerausschuss am Mittwoch in Augsburg beschlossen. Am härtesten trifft es den Standort Offenbach, wo nach Angaben von Insolvenzverwalter Werner Schneider rund 1000 Stellen gestrichen werden. Erst am Dienstag hatte der Konkurrent und Weltmarktführer Heidelberger Druck angekündigt, 2000 Stellen abzubauen. Die Landesregierung in Hessen zeigte sich prinzipiell offen für eine Landesbürgschaft zur Rettung des Offenbacher Werkes.

Zwei Monate nach der Pleite von Manroland verkündete Schneider am Mittwoch ein Konzept für den Erhalt aller drei deutschen Standorte - allerdings mit nur noch 2500 statt bisher 4700 Beschäftigten: Der Gläubigerausschuss votierte für die Zerschlagung des Konzerns und den Verkauf des größten Werks Augsburg an die Lübecker Possehl-Gruppe. Das Familienunternehmen sicherte zugleich langfristige Lieferbeziehungen mit dem Werk im sächsischen Plauen zu, das vorerst vom Management und vom Insolvenzverwalter als neuen Eigentümern fortgeführt wird. Diese Lösung stelle eine Auslastung sicher, und eine spätere Beteiligung von Possehl am Plauener Werk sei in Aussicht, erklärte Schneider.

Das Werk in Offenbach soll ebenfalls vom Management zusammen mit dem Insolvenzverwalter übernommen und saniert werden. Sobald ein anderer Investor gefunden ist - im Gespräch sind Chinesen - will Schneider aussteigen. Diese Lösung habe eine solide wirtschaftliche Basis und gute Zukunftsaussichten, brauche zur Finanzierung aber eine Bürgschaft der hessischen Landesregierung, sagte Schneider. "Im Grunde genommen beginnt jetzt für Offenbach die zweite Runde", sagte er. "Wir haben nicht alle Zeit der Welt, aber eine gewisse Basis."

Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) sagte am Mittwochabend der dpa in Frankfurt, "die Landesregierung ist gesprächsbereit, alle Möglichkeiten zu untersuchen und zu unterstützten, um Arbeitsplätze am Standort Offenbach zu erhalten." Er fügte hinzu: "Wir führen Gespräche mit dem Insolvenzverwalter. Uns ist zugesagt worden, uns das Konzept vorzulegen, das heute im Gläubigerbeirat diskutiert wurde. Daraufhin werden wir überprüfen und Gespräche führen, ob die Möglichkeit besteht, eine Landesbürgschaft zu gewähren. Dazu brauchen wir jetzt aber nähere Unterlagen."

"Die Hängepartie geht weiter", sagte die örtliche IG Metall-Bevollmächtigte Marita Weber. "Die Beschäftigten bei Manroland in Offenbach sind enttäuscht, dass die Rettung von Manroland nicht ihren Standort umfasst".

In Augsburg sollen von rund 2200 nur noch 1500 Stellen übrig bleiben, in Offenbach von 1760 noch 750 und in Plauen von 680 noch 290. Die bisherigen Manroland-Eigentümer Allianz und MAN haben bereits 24 Millionen Euro für Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften zugesagt.

Die IG Metall trägt die Lösung im Kern mit. Vorstandsmitglied Jürgen Kerner, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef von Manroland ist, sagte: "Damit ist ein Standort durch einen breit aufgestellten Mittelständler gesichert. Jetzt müssen sich alle Anstrengungen darauf richten, auch für die anderen Standorte tragfähige Lösungen für eine langfristige Fortführung zu finden." Für die vor der Entlassung stehenden Mitarbeiter müssten Brücken in eine neue Beschäftigung gebaut werden. Hier seien die Politik und die regionalen Unternehmen gefordert.

Manroland schreibt seit Jahren rote Zahlen und hatte Ende November Insolvenz angemeldet. Wie die gesamte Branche leidet das Unternehmen unter dem Internetboom und dem zunehmenden Preiskampf.

Possehl setzte sich im Gläubigerausschuss gegen den US-Investor Platinum Equity durch, der Manroland komplett kaufen wollte. Platinum habe aber kein Beschäftigungskonzept gehabt, sagte Schneider. Auch die IG Metall hatte eine langfristige Lösung mit dem US-Finanzinvestor bezweifelt. Bei Possehl setzen die Gewerkschafter auf ein langfristiges industrielles Interesse.

Die Possehl-Gruppe ist ein Mischkonzern mit neun unabhängigen Geschäftsbereichen. Sie machte im vergangenen Jahr rund rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt rund 9300 Mitarbeiter, die Hälfte davon in Deutschland.

mad/DPA / DPA