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Martin Kannegiesser im stern "Höhere Löhne kann es nur für höhere Leistung geben"


Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser zeigt sich im stern-Interview nicht in Geberlaune: Wer höhere Löhne fordere, müsse auch mehr leisten.

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser hat die IG Metall davor gewarnt, in den gerade begonnenen Tarifverhandlungen die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zu gefährden. In einem Gespräch mit dem stern bemühte er einen Vergleich aus dem Tierreich: "Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis tanzen." Die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten sei ein ständiger Prozess und kein "einmal erreichter Zustand wie die Besoldungsstufe von Beamten". Kannegiesser warnte: "Höhere Löhne kann es nur für höhere Leistung geben und nicht weil, wir uns in Deutschland mehr Gerechtigkeit wünschen". Die IG Metall fordert unter anderem eine Tariferhöhung von 6,5 Prozent und eine stärkere Mitbestimmung der Betriebsräte bei der Beschäftigung von Zeitarbeitern.

Branchenzuschläge für Zeitarbeiter sind verhandelbar

Kannegiesser verteidigte Zeitarbeit als "Instrument der Flexibilisierung", aber wandte sich gegen "Missbrauch": "Ganze Belegschaften auszutauschen, wie das etwa Schlecker getan hat, das geht nicht." Dank des "Bohrens" der IG Metall sei inzwischen auch akzeptiert, dass "Zeitarbeit nicht gleich Zeitarbeit ist und differenzierte Löhne sinnvoll wären". Zurzeit verhandele die IG Metall ja auch mit den Zeitarbeitgebern über Branchenzuschläge. Für die Kundenunternehmen bedeute das: "Zeitarbeit wird teurer". Kannegiesser warnte aber die IG Metall vor weitergehenden Forderungen: "Wenn die Gewerkschaft zu sehr überzieht, kostet da letztlich Stellen, auch in der Stammbelegschaft."

Der Gesamtmetall-Chef bekannte sich vor dem Hintergrund des jüngsten Streiks der Vorfeldbeschäftigen auf dem Frankfurter Flughafen zum "deutschen Modell": "ein Betrieb, eine Gewerkschaft". Kannegiesser wandte sich gegen eine weitere Zersplitterung der Tarifverhandlungen. Falls etwa in der Metallbranche Gewerkschaften für Ingenieure oder Maschinenführer entstünden, so kündigte der Waschtechnik-Hersteller an, "würde ich mein Unternehmen nicht weiterführen. Das hätte keinen Zweck mehr." Er sehe etwa in Spanien die "Würgerei" mit drei oder vier Gewerkschaften in einem Betrieb.

Mit dem "Soli" die Staatskasse ausbessern

Der Chef des größten Arbeitgeberverbandes kritisierte die jüngsten Vorstöße von Top-Managern für eine höhere Besteuerung von Spitzenverdienern und Vermögen. "Aus der Sicht eines angestellten Managers mit gut abgesicherten Verträgen mag dies einleuchtend sein", sagte Kannegiesser, aber nicht für mittelständische Unternehmer. Der Gesamtmetall-Chef brachte als Alternative eine Umwidmung des Solidarzuschlages ins Gespräch, der in einigen Jahren auslaufe. "Wenn es sein muss, kann man ihn unter einem andren Etikett fortführen, um die Staatsschulden zu senken oder öffentliche Investitionen zu finanzieren". Auch eine Finanztransaktionssteuer wäre "logisch": "Die Abkoppelung der Finanzmärkte von der realen Wirtschaft war und ist unser größtes Problem." Dass die Banken mit reinen Finanzgeschäften mehr verdienen könnten als mit Krediten an Unternehmen sei "nicht in Ordnung".

Lorenz Wolf-Doettinchem

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