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Michael Rogowski: Der Mann der leisen Töne

Michael Rogowski machte nie einen Hehl aus seiner Abneigung gegen eine rot-grüne Koalition. Streit gab es seitdem immer mal wieder mit den Mächtigen im Regierungsviertel, aber der Ton blieb grundsätzlich freundlich.

Als Michael Rogowski im Januar 2001 Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie wurde, hatte er es alles andere als leicht. Denn sein Vorgänger Hans-Olaf Henkel, der mit mancher Äußerung die Republik in Aufruhr versetzte, hinterließ große Fußstapfen, in die der neue BDI-Chef erst einmal hineinwachsen musste. Der Unterschied zwischen beiden konnte kaum größer sein: Hatte Henkel das Image eines Raubeins, gilt Rogowski als Mann der leisen Töne.

Der BDI-Chef lernte schnell

Doch es dauerte nur wenige Monate, bis der Baden-Württemberger nicht mehr an dem Hamburger gemessen wurde. Rogowski, der gerade 65 Jahre alt wurde, ist längst genauso anerkannt wie Henkel - und das nicht nur im Verband. Natürlich setzt sich Rogowski vehement für die Interessen der Verbandsunternehmen ein. "Dafür bin ich schließlich da", sagt er. Doch gilt er trotzdem nicht als knallharter Lobbyist, sondern als jemand, der Gegenargumente nicht sofort in den Wind schlägt. Die Mitglieder des BDI honorierten Rogowskis Einsatz im November 2002, indem sie ihn einstimmig für weitere zwei Jahre im Amt bestätigten.

Wünsche gingen auseinander

Dabei hat er es nicht leicht, Präsident aller Industrieunternehmen zu sein. Denn oftmals gehen die Wünsche der Firmen auseinander. Zu spüren bekam dies der 1939 in Stuttgart geborene Rogowski gleich im ersten Jahr des Amtsantritts, als die rot-grüne Steuerreform in Kraft trat. Denn während die finanzielle Belastung der großen Konzerne, die Körperschaftsteuer zahlen, sank, wurden die mittelständischen Betriebe, die Einkommensteuer zahlen, auf kommende Jahre vertröstet. Der BDI-Spitze war damals vorgeworfen worden, nur die Interessen der Großunternehmen vertreten und den Druck auf Rot-Grün zu früh eingestellt zu haben.

"Solidarisches Angebot" entzweite

Rogowski wird in der Regierung als Gesprächspartner geschätzt - seit einiger Zeit auch wieder vom Bundeskanzler. Im Sommer 2002 überraschte der BDI-Chef mit dem Vorschlag, angesichts der millionenschweren Hochwasserschäden die Wirtschaft kurzzeitig stärker zu belasten als von Gerhard Schröder geplant. Der Kanzler nahm das "sehr solidarische Angebot" an und erhöhte den Körperschaftsteuersatz 2003 für ein Jahr von 25 auf 26,5 Prozent. Rogowski nahm Schröder die "Überinterpretation" der Aussage sehr übel, eine Weile herrschte Funkstille zwischen beiden.

Nähe zur FDP

Inzwischen hat sich dies geändert. Rogowski wird nunmehr ein gutes Verhältnis zu Schröder und zu Wirtschaftsminister Wolfgang Clement nachgesagt, den er mehrfach öffentlich lobte. Der Industriepräsident, der seine Nähe zur FDP durchblicken lässt, schont aber auch nicht die Opposition. Im Streit um Schröders Reformvorhaben hatte er die Union mehrfach vor Blockade gewarnt. Rogowskis politische Reformwünsche gehen weit über die von der Regierung geplanten Maßnahmen hinaus. Seine Vorschläge formulierte er unter dem Titel "Freiheit wagen - Fesseln sprengen". Bei den Gewerkschaften brachte ihm das den Ruf eines sozialen Kahlschlägers ein.

Auch als Manager erfolgreich

Auch als Manager kann Rogowski auf eine steile Karriere zurückblicken. Er war Vorstandschef des Maschinen- und Anlagenbauers J.M.Voith AG, bevor er im April 2000 Vorsitzender des Aufsichtsrates wurde. Voith zählt international zu den führenden Herstellern von Papiermaschinen.

Thomas Schmoll / DPA