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Mindestlohn: Springer gibt Rettung von Pin auf

Springer sieht keine Chance für eine Fortführung des Geschäfts beim Post-Konkurrenten Pin und schreibt mehr als 600 Millionen Euro ab. Ein Sanierer übernimmer das Ruder, die operativen Geschäfte laufen vorerst weiter wie bisher.

Die Verhandlungen über die künftige Finanzierung des Postdienstleisters Pin Group sind vorerst gescheitert. Der Pin-Hauptgesellschafter Axel Springer teilte mit, im Rahmen einer Pin- Verwaltungsratssitzung am Mittwoch sei deutlich geworden, "dass die Gesellschafter kein gemeinsames tragfähiges Finanzierungskonzept für die Fortführung des Geschäfts der Pin Group gefunden haben".

Über eine halbe Millarde Abschreibungsbedarf

Die Axel Springer AG teilte weiter mit, dass sich "in dieser Situation" voraussichtlich ein Abschreibungsbedarf von bis zu 620 Millionen Euro für die eigene Bilanz ergeben werde. Dies werde sich negativ auf den Konzernjahresüberschuss auswirken, nicht jedoch auf das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen. Weiter hieß es: "Im Konzernabschluss wird die Pin Group AG als nicht fortgeführte Geschäftstätigkeit und damit separat ausgewiesen."

Springer hatte nach eigenen Angaben in den vergangenen beiden Jahren rund 620 Millionen Euro in die Pin Group investiert. Das Medienhaus hält einen Anteil von 63,7 Prozent.

Kritik an der Entscheidung kam aus der SPD: "Man hat den Eindruck, dass das ohnehin missglückte Geschäftsmodell zu Lasten der Politik - und insbesondere der SPD - beerdigt werden soll", sagte der wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD im Bundestag, Rainer Wend, im Interview mit stern.de. "Dieser Versuch der Erpressung ist schon bitter."

Nach Informationen des stern hat Springer die Finanzlage der Pin Group offenbar nur lückenhaft geprüft, bevor Mitte des Jahres die Mehrheit an dem privaten Briefdienstleister für mehr als eine halbe Milliarde Euro erworben wurde.

Nicht ausreichend geprüft

Wie der stern in berichtet, hat das Medienunternehmen Springer-Kreisen zufolge zwar die Pin-Bücher der Luxemburger Zentrale geprüft, nicht jedoch durchgehend jedes der über 100 lokalen Einzelunternehmen, aus denen die Pin Group besteht. Viele dieser einzelnen Zustellfirmen gelten unter Branchenexperten als Verlustbringer.

Jetzt soll Pin unter der Regie des erfahrenen Sanierungsexperten Horst Piepenburg weiter arbeiten. Zwar stellte der Verwaltungsrat am Mittwoch in einer Pressemitteilung fest, "dass die Verhandlungen über eine neue Gesellschafterstruktur der Pin Group AG gescheitert sind". Der "Sanierungsmanager Piepenburg", werde aber "alle Optionen einer Fortführung der Unternehmensgruppe prüfen". Derzeit liefen alle operativen Geschäfte der Gruppe weiter. Pin beschäftigt in Deutschland rund 9000 Menschen. Der bisherige Pin-Chef Günter Thiel hatte am Dienstag seinen Rücktritt bekannt gegeben.

Piepenburg wird Unternehmensangaben zufolge auch dem auf drei Personen verkleinerten Verwaltungsrat der Pin Group AG angehören und dessen Vorsitz übernehmen. Wegen des Firmensitzes unterliegt die Pin Group AG als Mutter luxemburgischen Recht. "Die bisher im Gremium vertretenen Verlage stellen ihre Sitze zur Verfügung", teilte Pin weiter mit. "Damit kann der ursprünglich 14-köpfige Verwaltungsrat künftig unabhängig von den unterschiedlichen Interessenlagen der Gesellschafter handeln."

stern.de/DPA / DPA