Smart USA Schnuckelchen vs Monstertrucks


Kein Ferrari, nicht mal ein Rolls Royce erregt auf Beverly Hills’ Rodeo Drive mehr Aufsehen als der klitzekleine Smart. Geht es nach den Reaktionen der Reichen & Schönen in der Glitzerstadt wird der flotte Kleine der Renner der Saison, wenn er dann endlich in die USA exportiert wird.
Von Helmut Werb/Los Angeles

"Ich hatte den Smart auf dem Parkplatz meines Golfplatzes gesehen und wollte einen auf der Stelle!" David Aroesty, Chirurg in Pasadena, gehört zu den ersten Amerikanern, die einen Smart bestellt haben, und will dafür seinen Porsche, seinen BMW und seinen AMG Mercedes in der Garage lassen. "Wir alle müssen unser Denken in Sachen Umwelt umstellen, und einen Smart zu fahren, macht heutzutage eben mehr Sinn." Auch Beege Barkett hat sich in den Smart verknallt, allerdings aus anderen Gründen. "Gott, ist der schnuckelig", begeisterte sich die Filmschauspielerin, als sie den Smart auf Hollywoods Strassen sah, "Wann gibt’s den hier zu kaufen?"

Warte, warte noch ein Weilchen

Miss Barkett wird sich noch ein wenig gedulden müssen, wie auch der umweltbewusste David. Erst im Januar 2008 soll der Smart in dreihundert ausgesuchte Verkaufsräume in den USA kommen. Dann erhoffen sich DaimlerChrysler und United Auto Group, die Händlergruppe, die den für US-Verhältnisse reichlich unkonventionellen Wettbewerber importiert, ähnlich positive Reaktionen bei möglichst vielen amerikanischen Autokäufern. Zwar werden vorsichtigerweise keine Verkaufsprognosen veröffentlicht, aber Insider wissen, dass alles unter 20.000 verkauften Smarts pro Jahr als Nicht-Erfolg angesehen werden würde. Die Frage allerdings, ob amerikanische SUV-Junkies auf ein Fahrzeug umsteigen werden, das leicht und locker auf die Ladefläche ihres Cadillac Esplanade passt, bewegt nicht nur die Herzen von im Vaterland Leidgeplagten (und deshalb ausländische Märkte suchenden) Smart Managern im Süden Deutschlands, sondern auch David Schembri, Präsident der United Auto Group. "Wir sind sehr zuversichtlich", sagte mir der tapfere Mann und erklärt seinen Optimismus gerne. "Wir haben keine wirkliche Konkurrenz auf dem amerikanischen Markt. Und wir sprechen mit dem Smart nicht nur die Emotionen unserer Käufer an, sondern überzeugen auch durch rationale Argumente, dieses Auto zu kaufen. Absolut."

Fährt der auch auf dem Highway?

Diese rationalen Gründe zu vermitteln, dürfte nicht allzu leicht sein, denn zwischen den bewundernden "Ooohs!" und "Aaahs!" von Smart-Bewunderern auf Beverly Hills teurem Rodeo Drive und dem Punkt, wenn dieselben den Beutel zücken, um ihre Benzinvernichtenden SUVs in der heimischen Garage gegen die Schmalspur-Konkurrenz einzutauschen, bleibt gehörige Überzeugungsarbeit zu tun für Schembris Mannen. Von "Darf man den auf den Freeways fahren?" über "Fährt der mit Benzin?" bis hin zum alles entscheidenden "Ist der denn sicher?" reichten die Fragen, als ich einen Smart ein paar Tage durch Beverly Hills und die Freeways von Los Angeles kutschierte. Erschwerend kam hinzu, dass einige Wochen zuvor das amerikanische Insurance Institute (so etwas wie eine Versicherungskammer in den USA) die Ergebnisse ihrer jährlichen Crash-Tests bei Kleinwagen wie dem Toyota Yaris, dem Honda Fit und dem Mini veröffentlichte. Die gelinde gesagt unterdurchschnittlichen Resultate jagten einen Schock durch jene Käuferschicht, die sich auf Grund immens gestiegener Benzinpreise bei gleichzeitigem Erwachen des Umweltbewusstseins den Kauf eines ökologisch korrekten Kleingefährts in Erwägung gezogen hatte – die Sicherheit der Kleinen bei Seitenaufprall und Auffahrunfällen mit den ganz Grossen wies deutliche Mängel auf (wobei der Yaris und der Mini noch am glimpflichsten davonkamen).

Mehr Sicherheit als mancher Riese

Mr Schembri macht sich keine großen Sorgen, jedenfalls nicht öffentlich, und ist überzeugt "dass wir die Leute schnell von der Sicherheit des Smarts überzeugen können." Dabei dürfte helfen, dass in der US-Ausführung des Smarts so schicke Sachen wie ESP (in den USA immer noch exotisches Extra), ASB Bremsen und vier Airbags serienmäßig angeboten werden. Als der neue Smart auf der Detroiter Automesse im Januar gezeigt wurde, stand deshalb auch die enorm verstärkte Fahrgastzelle des ForTwo im Mittelpunkt.

Bezahlte Gastrollen

Das Interesse am Smart ist jedenfalls groß. Der Winzling spielte in Filmen mit wie dem "Da Vinci Code", in dem Tom Hanks im Smart durch Paris brauste, im "Pink Panther", als sich Steve Martin von Jean Reno im Smart chauffieren ließ, oder die neue TV-Werbung für die Wii Spielekonsole, in denen zwei extrem coole Japaner Smart-mäßig durch die Gegend kutschieren, verleihten dem Knuffelzwerg schon mal ansatzweisen Kult-Status. Und es noch gar nicht so lange her, dass sich Michel Jackson - in seinen besseren Tagen - gleich eine ganze Handvoll Smarts für seine Ranch in Kalifornien kommen ließ, was die amerikanische Regenbogenpresse natürlich gehörig zu würdigen wusste. "Als wir den Smart am 28. Juni in den USA vorstellten", sagt David Schrembi stolz, "hatten wir innerhalb kurzer Zeit eine halbe Million Besucher auf unserer Website, 20.000 davon blieben länger als fünf Minuten."

Aufmerksamkeit garantiert

Die müssten jetzt nur noch die Brieftasche öffnen und DaimlerChryslers Abenteuer ordern. Knapp unter 15.000 Dollar soll der Preis in den USA liegen, inklusive aller Sicherheits-Extras, womit der Smart doch sehr deutlich über dem Preis des japanischen Mitbewerbers Yaris liegt, jedoch deutlich unter dem der Euro-Konkurrenz des Mini. Die Reaktionen auf den Strassen lassen hoffen – Touristen auf Beverly Hills’ Rodeo Drive zückten die Kameras, als säße Brad im Smart und nicht ein deutscher Journalist, selbst auf den Freeways fahren SUV-Fahrer Konvoi-mäßig neben dem Winzling einher, um zustimmend die Daumen zu recken. Es könnte klappen.


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