VG-Wort Pixel

Smarte Geräte Thread - diese Technologie wird unser Zuhause für immer verändern

Lampen mit smarten Glühbirnen kommunizieren nun auf einem neuen Weg miteinander
Lampen mit smarten Glühbirnen kommunizieren nun auf einem neuen Weg miteinander
© Getty Images
Das Smart Home war bislang kompliziert und unzuverlässig. Mit Thread soll das clevere Zuhause nun endlich Realität werden. Das müssen Sie zu dem neuen Standard wissen.

In der Werbung sieht alles immer ganz einfach aus: Man schließt die Wohnungstür auf und das Licht geht automatisch an. Das Fenster wird zum Lüften geöffnet und die Heizung schaltet sich automatisch ab. Möglich machen soll es das Smart Home - ein Zuhause, in dem alle Geräte intelligent miteinander vernetzt sind. Doch in der Realität ist das Smart Home vor allem eines: kompliziert. Wer einmal versucht hat, die Geräte von mehreren unterschiedlichen Herstellern miteinander zu koppeln, kann ein Lied davon singen.

Thread verschlankt das Smart Home

Nach zehn Jahren des Herumgefrickels, der inkompatiblen Geräte und Dutzender Geräte, die am Router hängen, ist die Lösung nun endlich da: Mit Thread gibt es eine neue Technologie, die speziell für die Vernetzung von Geräten im eigenen Zuhause entwickelt wurde und mit der Geräte unterschiedlicher Hersteller direkt untereinander kommunizieren können.

Um diesen Vorteil schätzen zu lernen, muss man zunächst verstehen, wie die meisten bislang erhältlichen Smart-Home-Lösungen funktionieren. Beispiel Philips Hue: Man dreht die smarte Glühbirne in die Fassung, schließt die Bridge an den Router an und verbindet das Smartphone mit dem Wlan. Möchte man nun die Lampe anschalten, öffnet man die App und sendet den Befehl vom Smartphone erst an den Router, dann an die Bridge und von dort schließlich weiter an die Glühbirne. Ziemlich umständlich, oder?

Bei Thread ist dagegen keine Bridge nötig, die Geräte kommunizieren direkt miteinander. Das geht schneller und spart auch noch Energie, was wiederum zu einer längeren Batterielebensdauer führt.

HomePod Mini als Basis für Thread

Ganz ohne Steuerungszentrale geht es jedoch auch bei Thread nicht. Damit alle Thread-Geräte mit dem Internet verbunden sind, benötigt man einen sogenannten Border-Router. Der ist jedoch kein hässlicher, blinkender Kasten, der allmählich am Router zustaubt, sondern in ein eigenes Gerät integriert - etwa Apples Sprachlautsprecher HomePod Mini oder die neue StreamingBox Apple TV 4K (2021). Diese verbinden die Thread-Geräte zugleich mit Apples eigenem HomeKit-Standard. Es wird erwartet, dass auch Amazon und Google demnächst ihre Geräte im großen Stil zu Thread-Routern umfunktionieren werden.

Ist die Steuerzentrale aufgestellt, sucht diese in ihrer Umgebung nach kompatiblen Geräten. Die wiederum verbinden sich untereinander. Jede Glühbirne, jede smarte Steckdose wird so zum Knotenpunkt, der das Netzwerk erweitert. Im Router-Bereich kennt man dieses Prinzip als Mesh. Vereinfacht gesagt spannt sich dann ein unsichtbares Datengeflecht zwischen Sprachlautsprechern, Glühbirnen, Fenstersensoren und Steckdosen durch die Wohnung.

Auch das ist eine Besonderheit: Während ein klassisches Wlan-Netzwerk umso schwergängiger wird, je mehr Geräte damit verbunden sind, ist bei Thread das Gegenteil der Fall. Je mehr Thread-fähige Geräte sich in der Wohnung befinden, desto stabiler und schneller ist das Netz. Denn sollte einmal eines kaputt gehen oder ausgeschaltet werden, verteilt sich die Last auf die übrigen.

Die Reichweite der einzelnen Geräte ist mit Bluetooth vergleichbar und damit limitiert. Es lohnt sich daher, bei mehrgeschossigen Häusern Thread-fähige Geräte an taktischen Positionen zu platzieren.

Thread ist der neue Industriestandard

Hinter Thread steckt das Who is Who der Technikwelt: Gegründet wurde die "Thread Group" von Google Nest, Osram und Samsung, seit 2018 ist auch Apple Teil der Initiative. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche weitere Hersteller wie Tado, Eve und Legrand (Netatmo) dazugestoßen.

Die breite Unterstützung hat zwei wesentliche Vorteile: Zum einen dürfte der Standard zukunftssicher sein, zum anderen stellt er sicher, dass man bequem Produkte verschiedener Hersteller miteinander koppeln kann. Dadurch wiederum werden Kund:innen unabhängiger in der Kaufentscheidung und auch kleinere Hersteller haben wieder eine bessere Chance.

Einer von ihnen ist Nanoleaf. Das kanadische Unternehmen machte lange mit bunt-leuchtenden Wandpanelen auf sich aufmerksam, die vor allem in Gaming-Kreisen populär waren. Nun setzt der Hersteller mit seiner Essentials-Sparte voll auf Thread: Als einer der ersten bietet er E27-fähige Glühbirnen (etwa 20 Euro) und zwei Meter lange Leuchtstreifen an (50 Euro), die sich in jeder beliebigen Farbe schalten lassen. Bei Bedarf kann man sie auch adaptiv an den Tageslichtverlauf anpassen, die Daten zieht es sich dafür direkt vom Smartphone. Die Einrichtung ist simpel und in wenigen Minuten erledigt. Man benötigt nicht mehr als ein Smartphone und die kostenlose App. Besitzt man einen HomePod Mini als Thread-Zentrale, kann man die Lampen auch via Siri steuern.

Noch breiter ist die Auswahl beim Münchner Smart-Home-Spezialist Eve Eystems. Das Unternehmen setzt bereits seit Jahren erfolgreich auf Apples HomeKit-Plattform, wodurch es zum internationalen Player wurde. Nun wird das Portfolio im großen Stil Thread-fähig gemacht: Mittlerweile wird der Standard unter anderem von den firmeneigenen Tür- und Fenstersensoren unterstützt, aber auch in Lichtschaltern, smarten Steckdosen (Eve Energy), einer Bewässerungssteuerung für den Garten (Eve Aqua) oder im Heizkörperthermostat (Eve Thermo). Per Update wird die Funktion in weitere Geräte gebracht. In unserem Test arbeiteten Lampen von Nanoleaf unkompliziert mit Sensoren von Eve zusammen. Schöne neue Smart-Home-Welt.

Hue bleibt erstmal außen vor

In den kommenden Monaten dürften viele weitere Hersteller auf den Zug aufspringen. Gardena und Bosch haben etwa erklärt, ebenfalls dazuzustoßen. Andere Unternehmen wollen sich die Entwicklung jedoch erst einmal von der Seitenlinie aus ansehen - etwa Signify, die Firma hinter Philips Hue. Hier soll nur die Bridge Threadfähig werden, erklärte das Unternehmen, nicht jedoch die einzelnen Leuchtmittel. Einer der zentralen Vorteile von Thread wäre damit zunichte. Sollte sich der Standard in den kommenden Jahren etablieren, könnte das zum Wettbewerbsnachteil werden.

Lesen Sie auch:

Was Hollywood einst für Science-Fiction hielt, ist mit dem neuen iPad nun möglich

Neues Material aus verrottetem Obst revolutioniert Solartechnik

Starlink-Satelliten: Wie Elon Musk unseren Nachthimmel zerstört


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker