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Surface Duo "Eine wunderschöne Tragödie": Microsofts Klapp-Smartphone wird von der Fachpresse verrissen

Das neue faltbare Smartphone Surface Duo von Microsoft
Das neue faltbare Smartphone Surface Duo von Microsoft
© kyodo / DPA
Das Surface Duo ist Microsofts große Hoffnung, im Smartphone-Markt wieder Fuß zu fassen. Mit einem innovativen Klapp-Bildschirm will der Konzern Akzente setzen. Doch das ist in der ersten Generation noch nicht gelungen, wie die ersten Tests aus den USA zeigen.

Es war eine der größten Überraschungen der Tech-Welt des vergangenen Jahres: Microsoft kehrt zurück ins Smartphone-Business. Im Herbst 2019 stellte der Konzern das Surface Duo vor, ein faltbares Smartphone mit zwei 5,6-Zoll-Bildschirmen. Nicht nur der Formfaktor sorgte für Staunen, sondern auch die Software: Statt Windows läuft auf dem Gerät Android. Dieser Schritt wäre noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen.

Nun, fast ein Jahr später, ist das Gerät erhältlich - zunächst allerdings nur in den USA. Wann das Gerät nach Deutschland kommt, ist nicht bekannt. Einige US-Medien konnten das Surface Duo bereits ausführlich testen. Das Feedback fällt jedoch gemischt aus.

Surface Duo punktet mit gutem Akku

Viel Lob gibt es für die Hardware. Das Gehäuse fühlt sich den Testern zufolge edel an, das Scharnier - wohl das kritischste Bauteil eines Klapp-Telefons - mache ebenfalls einen zuverlässigen Eindruck. Der An­satz von Microsoft sei allerdings anders als jener von Samsung und Co., wie das Technikportal "Engadget" betont. Denn Microsoft ar­bei­tet nicht mit einem biegbaren Bildschirm, sondern einfach mit zwei verbundenen Displays. Ein Konzept, das aufzugehen scheint. Auch nach Tagen habe man noch Lust, das Telefon auf- und zuzuklappen, schreiben viele Tester.

Corbin Davenport von "Android Police" lobt die Qualität der AMOLED-Bildschirme, diese seien schlicht "großartig". Ein Makel sei jedoch, dass der unterstützte Surface Pen für den Preis von 1400 US-Dollar nicht beiliegt. Begeistert sind die Tester von der Akkulaufzeit, vor allem wenn man bedenkt, dass die beiden Batterie-Hälften des Surface Duo zusammen gerade einmal eine Kapazität von 3577 Milliamperestunden haben, betont "The Verge"-Tester Dieter Bohn.

Zur Kamera des Surface Duo hat Bohn allerdings ebenfalls eine klare Meinung: Er bezeichnet sie als "schrecklich" und "Müll". Diese könne nur das Ergebnis - Bohn nennt es "Opfer" - eines nicht nachvollziehbaren Strebens seitens Microsofts nach immer dünneren Geräten sein. "Diese Kamera würde ich bei einem 300-Dollar-Gerät bemängeln. Das Surface Duo kostet jedoch 1400 US-Dollar." Auch die Lautsprecher scheinen eher unterer Durchschnitt zu sein.

Software-Fehler trüben ersten Eindruck

Über eine schlechte Kamera könnten viele vermutlich noch hinwegsehen. Doch die eigentliche Baustelle des Surface Duo ist die unausgereifte Software, da sind sich unisono alle Tester einig. Diese sei "frickelig" und voller Fehler, so "Engadget"-Redakteurin Cherlynn Low: "Ich habe nicht genug Zeit oder Platz, um sie alle in dieser Rezension aufzulisten".

Daniel Rubino von "Windows Central" ist ebenfalls nicht vollends überzeugt und rät des­halb: "Wenn Sie sich für den Kauf des Sur­face Duo interessieren, ist mein Rat un­kom­pli­ziert: Warten Sie einige Monate, um zu se­hen, wie sich die Software verbessert."

Am Ende reicht es in den meisten Tests nur fürs Mittelfeld. Bei Engadget gibt es 71 von 100 möglichen Punkten, "The Verge" vergibt mit sechs von zehn Punkten ein noch schlechteres Rating. "Verge"-Autor Dieter Bohn meint in seinem Fazit: "Das Surface Duo ist nicht wirklich fertig. Es gibt viele gute Ideen, aber die Ausführung ist stellenweise schlecht, und viele Leute werden nicht kapieren, was Microsoft damit will."

Ähnlich drückt es Daniel Rubino von "Windows Central" in der Überschrift aus: "Ein Dual-Screen-Telefon von morgen ... das heute noch nicht ganz fertig ist." Und Tom's Guide bezeichnet das Surface Duo beinahe poetisch als "eine wunderschöne Tragödie".

Quellen:

"Tom's Guide", "Cnet", "Android Police", "Windows Central", "The Verge", "Engadget"

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