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Australische Agentur: Mittwochs haben alle frei: Wie eine Firma mit der Vier-Tage-Woche den Gewinn verdreifachte

Beim australischen Unternehmen Versa ist mittwochs frei, keiner der Kollegen arbeitet an diesem Tag. Das hat den Arbeitsalltag verändert: Die Mitarbeiter müssen deutlich organisierter sein. Aber es macht sie auch glücklicher.

Relaxen am Strand

Das Team der Digitalagentur Versa aus Australien hat immer mittwochs frei.

Getty Images

Mittwochs ist Tennistag bei Tiffany Schrauwen. Die Projekt-Managerin aus Melbourne steht morgens um neun Uhr auf dem Platz, um ihre Rückhand zu verbessern, berichtet "BBC". Dafür braucht sie keinen Urlaub verschwenden oder sich gar krank zu schreiben. Denn ihr Arbeitgeber, die Digital-Marketingagentur Versa ist mittwochs geschlossen. Die Firma spendiert den Mitarbeitern mitten in der Woche einen freien Tag. Bei vollem Gehalt.

Die Geschichten von Firmen, die ihr Arbeitspensum in vier statt der üblichen fünf Tage übertragen, gibt es weltweit. Die Idee dahinter ist immer die selbe: Mehr Freizeit und somit mehr Erholung für die Angestellten. Die verbringen zwar insgesamt weniger Zeit im Unternehmen, sind dafür aber produktiver, so die Theorie. 

Kann die Arbeitszeitverkürzung funktionieren?

Als Tiffany Schrauwen mit dem Plänen der Geschäftsführung konfrontiert wurde, war sie zunächst vorsichtig. Denn sie machte sich Sorgen, wie das funktionieren soll, schließlich sei sie als Projektmanagerin die Hauptansprechpartnerin für Mitarbeiter und Kunden. Versäumte Termine, Stress bei Angestellten und Frust bei Kunden - all das würde sie treffen.

Doch die Mitarbeiter stürzten sich nicht blindlings in das Experiment der Vier-Tage-Woche, sondern organisierten ihre Arbeitsabläufe schon vorab neu. Besprechungen und Meetings sind effizienter, unnötiges Geschwatze auf den Gängen eine Seltenheit. "Jeder möchte, dass es funktioniert, weil wir die Flexibilität lieben", sagt Schrauwen zur "BBC". "Wenn ich mittwochs frei haben will, bereite ich meine Woche besser vor." 

Das Unternehmen startete die neue Arbeitszeitregel im Juli 2018. Seit dem Start ist der Umsatz um 46 Prozent gestiegen, der Gewinn hat sich verdreifacht, sagt Kath Blackham, Gründerin und Geschäftsführerin der Firma zur "BBC". Sie glaubt, dass sie die Umsätze deshalb steigern konnten, weil die Mitarbeiter großartige Arbeit leisten. Die junge Mutter musste zu Beginn ihr Führungsteam erst von dem Konstrukt überzeugen und versprechen, dass man zur 5-Tage-Woche zurückkehren würde, wenn das Experiment fehlschlagen würde.

"Ich wollte beweisen, dass in einer der unwahrscheinlichsten Branchen - der Dienstleistungsbranche, in der junge Menschen bekannt dafür sind, sehr lange zu arbeiten - etwas Innovatives funktionieren kann", so Blackham. 

Warum der Mittwoch zum freien Tage wurde

Doch warum der Mittwoch? Warum nicht ein langes Wochenende schaffen? Blackham wollte die Woche in zwei Mini-Zeitabschnitte teilen. Denn ihr fiel auf, dass ihre Mitarbeiter nach den Wochenenden deutlich energiegeladener arbeiteten. Nun gibt es faktisch zwei "Mittwoche" durch die Unterteilung der Woche. Dass sie den Tag festlegte, an dem die Mitarbeiter zu Hause bleiben können, hatte auch praktische Gründe. Denn Kunden, aber auch Kollegen, würden schnell den Durchblick verlieren, wenn Mitarbeiter ihren Tag selbst wählen könnten.

Auch die Forschung glaubt, dass der freie Mittwoch der geeignetste Tag in der Woche ist - zumindest gaben die von Professor Jarrod Haar von der Auckland University of Technology in Neuseeland befragten Mitarbeiter an, dass sie diesen Wochentag als freien Tag am meisten genossen hätten. Auch ein neuseeländisches Immobilienunternehmen machte im vergangenen Jahr Schlagzeilen, als es zur Vier-Tage-Woche wechselte. Dort wurde der Krankenstand nahezu abgeschafft, die Mitarbeiter fühlten sich wohler und waren produktiver. Allerdings verlor die Firma auch einige Angestellte, die mit der neuen Flexibilität und der damit verdichteten Arbeitszeit nicht zurecht kamen. 

Doch nicht alle Firmen, die das Experiment wagen, halten auch daran fest. So kehrten einige US-Start-ups wieder zur alten Wochenarbeitszeit zurück, da die Mitarbeiter gestresster und die Firmen weniger wettbewerbsfähig waren. Als die beiden Versa-Damen mit der "BBC" sprachen, kamen sie gerade aus einem langen Osterwochenende, das sie für die Arbeit genutzt hatten, um dringende Projekte fertig zu machen. Bei der 4-Tage-Woche sei eben Flexibilität gefragt. 

kg
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