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Smarter arbeiten 90.000 Dollar fürs Däumchendrehen: Mann automatisiert seinen Job – und seit einem Jahr hat es niemand gemerkt

Das Homeoffice ändert viele Gewohnheiten (Symbolbild)
Das Homeoffice ändert viele Gewohnheiten (Symbolbild)
© Jun / Getty Images
Wenn eine Arbeitskraft durch Automatisierung ersetzt wird, passiert das in der Regel, weil Firmen Kosten sparen wollen. Ein Angestellter in den USA hat den Spieß nun umgedreht. Und legt lieber die Füsse hoch, statt selbst zu arbeiten.

Die Digitalisierung ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bietet sie vielen Arbeitnehmern Chancen, etwa das Arbeiten von Zuhause und flexiblere Bürozeiten. Andererseits kostet die Automatisierung durch Computer oder Roboter auch zahlreiche Mitarbeiter ihren Job. Ein Angestellter in den USA hat nun die Vorteile beider Entwicklungen für sich zusammengebracht - und ohne Wissen seines Arbeitgebers seinen eigenen Job vollautomatisiert.

"Ich arbeite in einer mittelgroßen Anwaltskanzlei und wurde als IT-Spezialist angestellt, um die digitalen Beweise für Verhandlungen zu verwalten", berichtet die Person bei Reddit. Statt eines echten Namens hat sie sich nur "Throwaway59724" genannt, eine auf der Seite üblicher Praxis, um nicht erkannt zu werden. Der Grund dafür leuchtet schnell ein. Denn statt den Job zu machen, für den er bezahlt wird, spielt er "lieber Videospiele und sowas".

Neue Chance durch Covid

Schon kurz nach der Anstellung habe er bemerkt, dass sich mit seinem Arbeitspensum kein ganzer Arbeitstag füllen lasse, berichtet der Angestellte. Er sollte einen Cloud-Server betreuen, auf dem die Anwälte der Kanzlei ihre Tausenden Beweismittel und Dokumente für Verfahren abrufen können. Vorher musste das mühsam von anderen nebenbei erledigt werden, weswegen dann seine Stelle geschaffen wurde. "Das klang gut. Aber mir wurde schnell klar, dass das niemals ein Acht-Stunden-Job ist." Schon früh habe er deswegen während der Arbeit im Büro herumgebummelt, um die Zeit herumzukriegen. "Dann kam Covid." Und mit dem Homeoffice die Möglichkeit, die Arbeit ganz einzustellen.

"Ich wurde gefragt, ob ich von Zuhause arbeiten kann", erklärt er den Wandel. "Dann fing der Spaß richtig an." Er habe einen Arbeitsrechner mit einer Direktverbindung aufgesetzt. Und begonnen, alles komplett zu automatisieren. "Innerhalb einer Woche gelang es mir, ein Skript zu entwickeln und zum Laufen zu kriegen, das meinen kompletten Job erledigte." Es schaue automatisiert, ob neue Dateien ankommen, und lade sie hoch. Seine einzige Arbeit des Tages sei, am Ende zu prüfen, ob alles geklappt habe. "Ich sitze vielleicht 10 Minuten am Tag am Schreibtisch."

Der Aufwand dafür hielt sich erstaunlich in Grenzen. Mit zwei Google-Suchen habe er herausgefunden, wie das entsprechende Skript grundsätzlich funktionieren sollte, der Hauptteil der Arbeit bestand darin, es auf die Eigenheiten des Firmensystems anzupassen. Das sei im Detail durchaus kompliziert gewesen - und sei auch der Hauptgrund, warum er seine Automatisierung nicht für andere zur Verfügung stellen könne. 

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Kein schlechtes Gewissen

Ein schlechtes Gewissen habe er nicht - trotz der 90.000 Dollar, die er im Jahr kassiert. "Am Anfang fühlte ich mich etwas schuldig, dass ich die Kanzlei abzocke. Aber dann überzeugte ich mich, dass es schon in Ordnung sei. So lange jeder bekommt was er möchte, entsteht ja kein Schaden", erklärt er seinen Umgang mit den Gewissensbissen. Auch den Vorwurf, er würde sein Leben verschwenden, kann er nicht nachvollziehen. "Ich habe eine Leidenschaft, auf die ich mich tagsüber konzentrieren kann." Weil es nichts zum Thema beitrage und er darüber vielleicht identifizierbar sein könnte, wolle er darauf aber nicht eingehen.

Dass sein Arbeitgeber ihn wegen seiner Aktion feuern kann, fürchtet er nicht. Er lasse die Automatisierung auf Hardware laufen, die er selbst gekauft habe, sein Arbeitsvertrag sehe keine Übertragung von Rechten an seiner Arbeit vor. "Wenn sie mich rauswerfen wollen, nehme ich das Skript eben mit", erläutert er. "Mit mir verlieren sie auch die Arbeit, die ich erledige. Ich bin mein eigener Arbeitsschutz." Solange alles funktioniere, würde ohnehin niemand Verdacht schöpfen. Schließlich arbeite er schon seit über einem Jahr nicht mehr.

Bei der Reddit-Leserschaft sorgt der Post zwar bei einigen für Skepsis, die meisten feiern den Poster aber für seine clevere Art, seine Arbeit zu erledigen. Der Top-Kommentar unterstützt ihn entsprechend. "Sieh dein Gehalt einfach als Abo-Gebühr, das für dein Automatisierungsprogramm gezahlt wird. Große Firmen lieben doch schließlich Abo-Dienste."

Quelle:Reddit

mma

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