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Zu Hause arbeiten: Achtung, für Frauen kann das Home-Office zur Haushaltsfalle werden

Das Home-Office soll Arbeits- und Freizeit besser miteinander verzahnen. Doch eine Studie zeigt: Die starren Rollenbilder können die Heimarbeit für Frauen schnell zur Haushaltsfalle werden lassen - während Männer an ihrer Karriere arbeiten.

Das Homeoffice kann für Frauen zur Haushaltsfalle werden.

Das Homeoffice kann für Frauen zur Haushaltsfalle werden.

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Der starre Neun-Stunden-Arbeitstag hat ausgedient. Das Arbeiten im Home-Office soll Arbeits- und Freizeit besser vereinbar machen. Statt im Berufsverkehr festzustecken, bleibt mehr Zeit für Kinder, Hobbys oder Haushalt. So die Theorie. Denn das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung warnt: Heimarbeit mündet nicht automatisch in mehr Freizeit. Vor allem Frauen, die im Home-Office oder zu selbstgewählten Stunden arbeiten, kümmern sich bis zu drei Stunden wöchentlich mehr um ihre Kinder als Frauen, die einen unflexiblen Arbeitstag haben. Und: darüber hinaus arbeiten die Frauen im Home-Office auch noch eine Stunde in der Woche mehr. 

Grundlage der Auswertung des WSI ist das Sozio-oekonomische Panel, welches in regelmäßigen Abständen rund 30.000 Menschen befragt. Für die Untersuchungen wurden nur Frauen und Männer einbezogen, in deren Haushalt mindestens ein minderjähriges Kind lebt. "Einen Freizeitgewinn mit flexiblen Arbeitsarrangements gibt es weder für Mütter noch für Väter“, schreibt Studienautorin Yvonne Lott ihrer Zusammenfassung. Sie hat sich verschiedene Arbeitsmodelle angesehen: Gleitzeit, selbstgewählte Stunden am Tag und Home-Office.

Home-Office führt bei Frauen zur Doppelbelastung

Frauen scheinen gerade bei dem Home-Office-Modell in eine Doppelbelastung zu rutschen. Sie kümmern sich um die Kinder und arbeiten - und weil das nicht alles gleichzeitig geht, arbeiten sie am Ende mehr. Und kümmern sich eben auch mehr um die Kinder. Zulasten der eigenen Ausgleichszeit.

Bei Männern wirken sich die Arbeitszeitmodell anders aus. Väter, die in Gleitzeit oder selbst gewählten Arbeitsstunden arbeiten, kümmern sich sogar noch weniger um die Kinder als Daddys in einem starren Arbeitszeitmodell. Und Home-Office? Hat laut der WSI-Untersuchungen keinen Einfluss auf die Familienzeit. Das flexible Arbeiten hat für Väter offenbar nur einen Effekt: Sie machen mehr Überstunden. Während Frauen also das Plus an Zeit in Kinder und Haushalt stecken, arbeiten Väter an ihrer Karriere. "Flexibles Arbeiten geht insgesamt eher zu Lasten der Beschäftigten, und ganz besonders gilt das für Mütter", schreibt Studienautorin Lott.

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Alte Rollenbilder prägen uns bis heute

Ihre Erklärung: Unsere tradierten Rollenmodelle. Der Vater als Ernährer der Familie lebt für seine Arbeit - so das Klischee. Und bei Frauen kommt erst die Familie, dann die Karriere. "Die traditionellen Geschlechterbilder, die in Gesellschaft und Betrieben häufig vorherrschen, unterstützen die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit in Partnerschaften", schreibt Lott. "Männer leisten an Werktagen über die Woche hinweg deutlich unter zehn Stunden Kinderbetreuung, Frauen kommen hingegen auf über 20 Stunden."

Ganz ähnlich läuft es laut Lott in katholisch-konservativen Ländern wie Polen, aber auch in den USA. Ein Blick nach Schweden verdeutlich, dass es auch anders geht: Dort nutzen auch die Männer den Zugewinn an Zeit durch flexibles Arbeiten, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen - und entlasten so auch die Frauen.

Warum Deutschland ein Recht auf Home-Office braucht

Also ist Home-Office doch eher Fluch als Segen? Nein, "es gilt, das vielversprechende Potenzial, das flexibles Arbeiten für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Erholung hat, tatsächlich auch zu nutzen", so Lott. Mehr Regeneration durch flexibles Arbeiten tue dem Staat, den Betrieben und den Mitarbeitern gut, wenn es eine ausgeglichene Verteilung der Aufgaben gibt - und die Home-Office-Regelungen nicht nur zur Leistungssteigerung eingesetzt werden. Dann können sie auch alte Rollenbilder in Betrieben schwächen. Um dies zu schaffen, empfiehlt Lott einige Hebel. So ist sie für die Abschaffung des Ehegatten-Splittings. "Das Ehegattensplitting setzt für Frauen den Fehlanreiz, insbesondere in der Familienphase beruflich zurückzutreten. Bei einer individuellen Besteuerung ist eine Vollzeitarbeit auch für Ehefrauen nach der Familiengründung finanziell attraktiv", so Lott.

Auch müssten die Partnermonate in der Elternzeit verlängert werden. Sie fordert sechs statt der bisherigen zwei Monate. Das würde auch die Vater-Kind-Beziehung stärken und langfristig Väter stärker in die Kinderbetreuung einbinden.

Und auch das Recht auf Home-Office kann helfen. in vielen Betrieben ist dies bislang ein Belohnung für besonders produktive Mitarbeiter oder für Führungskräfte. Doch so steht das Home-Office immer in einem Spannungsfeld aus Leistung und Belohnung. Das Recht auf Home-Office durchbricht die alte Präsenzordnung und entkoppelt die Heimarbeit von einer Gegenleistung durch den Mitarbeiter.

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