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Mögliche Griechenland-Pleite Eurorettung kommt Deutschland teuer zu stehen


Was bedeuten die Risiken der Euro-Schuldenkrise für den deutschen Steuerzahler? Das ifo-Institut macht eine umfängliche Rechnung auf und kommt auf 465 Milliarden Euro Haftungssumme.

Im schlimmsten Euro-Krisenfall wäre Deutschland nach unterschiedlichen Experten-Berechnungen mit 400 beziehungsweise 465 Milliarden Euro im Risiko. "Die Euro-Krise wird für die deutschen Steuerzahler potenziell immer teurer", erklärte der Chef des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" müsste Deutschland im äußersten Extremfall mit Garantien von bis zu 400 Milliarden Euro für den erweiterten EFSF einspringen.

Das ifo-Institut legt bei seiner Berechnung nicht nur Risiken aus den aktuellen Hilfsprogrammen für wankende Euro-Staaten zugrunde. Zusätzlich berücksichtigen die Münchner Ökonomen die laufenden Staatsanleihen-Ankäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB). Weiterhin zählen sie Verbindlichkeiten der Krisenländer hinzu, die innerhalb des Eurozahlungssystems aufgehäuft wurden.

Die bisherige Bilanz der Rettungsmaßnahmen: Insgesamt werden die Hilfskredite für notleidende Euro-Staaten auf bislang 802 Milliarden Euro beziffert. Diese Summe steige mit den Gipfelbeschlüssen vom 21. Juli auf bis zu 1,67 Billionen Euro. Allein das deutsche Haftungsrisiko betrage 465 Milliarden Euro.

Unvorhersehbare Folgen einer Staatspleite

Neben den laufenden Hilfspaketen für Griechenland, Irland und Portugal berücksichtigt das Institut dabei die vollen Haftungssummen des Rettungsschirms EFSF sowie 143 Milliarden Euro für die von der EZB angekauften Staatsanleihen aus Krisenländern. Die laut ifo-Institut "versteckten Target-Kredite" Griechenland, Italien, Portugal und Spanien machen demnach 327 Milliarden Euro aus.

Sinn erklärte dazu: "Die Märkte beobachten die deutsche Beteiligung an den Rettungspaketen mit zunehmender Nervosität und verlangen immer höhere Versicherungsprämien für deutsche Staatspapiere."

Auch die deutsche Finanzaufsicht warnt vor unvorhersehbaren Folgen einer Staatspleite Griechenlands für die deutschen Banken. "Der Ausfall des griechischen Staates allein würde die deutsche Bankenlandschaft zwar belasten, aber nicht zwingend in ihrer Existenz bedrohen. Sorgen machen uns vor allem die möglichen Folgeeffekte, die wir nicht zuverlässig kalkulieren können. Jede Zahl, die man da nennt, wäre relativ frei gegriffen", sagte der neue Chef der Bankenaufsicht bei der BaFin, Raimund Röseler. Deutsche Banken sind mit weniger als zehn Milliarden Euro in griechischen Staatsanleihen engagiert. Sie könnten aber in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn andere Banken wegen Griechenland in Schieflage geraten sollten.

Märkte müssen entschleunigt werden

Gegen das heftige Auf und Ab an den Finanzmärkten gibt es nach Röselers Ansicht kein schnell wirkendes Mittel. "Mittelfristig müssen die Märkte entschleunigt werden", forderte er. Dazu könne etwa eine Transaktionssteuer beitragen, wenn sie über Deutschland hinaus eingeführt werde. "Sorge bereitet mir, dass sich die Derivate-Märkte von der realen Wirtschaft abgekoppelt haben", sagte Röseler.

Reuters/DPA DPA Reuters

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