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Schuldenkrise Blair fordert die Eurorettung von Deutschland


Der britische Ex-Premier Tony Blair sieht in der aktuellen Eurokrise Parallelen zu den 1930er-Jahren. Seine Forderung: Deutschland müsse endlich der Vergemeinschaftung der Schulden zustimmen.

Der frühere britische Ex-Premierminister Tony Blair hat sich mit einem Gastbeitrag für die "Bild"-Zeitung in die aktuelle Schuldenkrise eingeschaltet. Seine Botschaft an die Deutschen: Berlin muss der Vergemeinschaftung der Schulden zustimmen, sonst ist der Euro nicht zu retten. Diese Krise sei anders als frühere Krisen, schrieb Blair. "Sie ist für uns eine neue Erfahrung, am ehesten noch vergleichbar mit der Situation in den 1930er-Jahren. Sämtliche Alternativen sind unschön. Aber die beste dieser Alternativen für Europa, und insbesondere für Deutschland, besteht darin, den Euro zu retten."

"Konstruktionsfehler deutlich zu sehen"

Die gegenwärtige Krise sei von existenzieller Bedeutung für Europa, erklärte Blair. "Der Konstruktionsfehler beim Euro ist nun deutlich zu sehen." Für Deutschland sei das Dilemma offensichtlich. Den Euro jetzt aufzugeben, "wäre eine Katastrophe, und zwar wirtschaftlich, nicht nur politisch", warnte der Brite.

Um die Währungsunion zu retten, werde Deutschland abverlangt, "Rettungsschirme zu finanzieren, eine eigene Inflation herbeizuführen und für die Schulden jener Länder einzustehen, die die notwendigen Reformen nicht umgesetzt haben". Daher sei es nicht verwunderlich, dass die Menschen in Deutschland dies nur ungern täten, räumte Blair ein.

Auch Juncker warnt vor dem Zerfall

Die bisherigen Rettungsbemühungen seien allseits unzureichend, kritisierte der Labour-Politiker. Was Europa jetzt brauche, sei eine politische Übereinkunft, "in der alle notwendigen Entscheidungen getroffen werden, um den Euro zu festigen". Deutschland müsse "einer Form der Vergemeinschaftung von Schulden zustimmen, wie etwa von den fünf Wirtschaftsweisen vorgeschlagen, und gleichzeitig steuerliche Anreize in Aussicht stellen, die dann auch umgesetzt werden", forderte Blair. Schuldnerländer wiederum müssten Reformen zustimmen und diese über präzise und glaubhafte Programme mit einem genauen Zeitplan umsetzen.

Auch der Vorsitzende der Eurogruppe, der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker, warnte in der deutschen Presse eindringlich vor einem Zerfall der gemeinsamen Währungszone. "Wir sind an einem entscheidenden Punkt angekommen", sagte Juncker der "Süddeutschen Zeitung".

Juncker wandte sichvor allem gegen Populismus, den er im Fall Griechenland als besonders ausgeprägt diagnostiziert: "Wieso eigentlich erlaubt sich Deutschland den Luxus, andauernd Innenpolitik in Sachen Eurofragen zu machen? Warum behandelt Deutschland die Eurozone wie eine Filiale?"

fw/AFP AFP

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