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Moody's-Schelte für Euroländer: Dax zeigt sich nur kurzzeitig beeindruckt

Die Zeiten, in denen die Herabstufung von Euro-Ländern die Börsen in helle Aufruhr versetzt, sind offenbar vorbei: Auf die Herabstufung von sechs Euroländern durch Moody's haben die Anleger in Frankreich nur leicht irritiert reagiert.

Der skeptischere Blick der Ratingagentur Moody's auf zahlreiche Euro-Länder ist den Anlegern am Dienstag nur kurzzeitig auf die Stimmung geschlagen. Der Dax startete 0,5 Prozent im Minus, lag am späten Vormittag dann aber mit einem Aufschlag von 0,1 Prozent auf 6745 Zählern knapp im Plus. Der EuroStoxx pendelte um seinem Vortagesschluss. "Die Ratingagenturen verschrecken nicht mehr zu sehr, irritieren aber immer wieder", sagte ein Händler. Moody's versah neben Frankreich auch die Top-Noten für Großbritannien und Österreich mit einem negativen Ausblick. Die Kreditwürdigkeit von sechs weiteren Euro-Staaten stuft die Ratingagentur inzwischen als geringer ein, darunter die Bonitäten Italiens und Spaniens. Standard & Poor's hatte bereits vor Wochen zu einem Rundumschlag in der Euro-Zone ausgeholt.

Für Unsicherheit sorgte neben der Moody's-Schelte auch die weiterhin ungewisse Zukunft Griechenlands. Die Zeit für die Zustimmung des Bundestags zum nächsten Griechenland-Hilfspaket wird nach den Worten von Parlamentspräsident Norbert Lammert knapp. Er hoffe, dass in den beiden kommenden Wochen alle Bedingungen erfüllt würden, die "eine Zustimmung des Bundestags ohne weitere Befassung ermöglichen", sagte der CDU-Politiker der "Financial Times Deutschland". EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn hatte das von der Pleite bedrohte Land am Montag ultimativ aufgefordert, bis zum Treffen der Finanzminister der Eurogruppe am Mittwoch Klarheit zu schaffen.

Zeit für Griechenland wird knapp

Regierungschef Lucas Papademos muss nun rasch eine Finanzlücke von 325 Millionen Euro in dem Sparpaket schließen, auf das sich das Parlament am Sonntag verständigt hat. "Die Verunsicherung des Marktes bleibt hoch, da es noch einiger Schritte bedarf, um kurzfristig eine ungeordnete Insolvenz zu verhindern", schrieben die Analysten von Barclays Capital in einem Kommentar.

Im Blick hatten die Anleger auch den um 11.00 Uhr (MEZ) erwarteten ZEW-Konjunkturindex. Analysten erwarten für Februar einen Anstieg auf minus zwölf Punkte.

ThyssenKrupp sorgte für Gesprächsstoff. Der Stahlkonzern startete überraschend mit Verlusten in das neue Geschäftsjahr. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel im ersten Quartal ein Fehlbetrag von 357 Millionen Euro an. "Damit wurden die Schätzungen der Analysten deutlich verfehlt. Diese waren von einem positiven Ergebnis ausgegangen", schrieb Helaba-Experte Christian Schmidt. Die Aktien fielen im Dax zeitweise um bis zu 5,7 Prozent auf 20,65 Euro. Auch Salzgitter gaben im Sog der Thyssen-Zahlen nach und notierten im MDax knapp ein Prozent schwächer.

Deutsche Börse punktet mit Sonderdividende

Kursgewinne verbuchte dagegen die Deutsche Börse mit einem Plus von gut 2,5 Prozent. Börsen-Chef Reto Francioni hatte nach der geplatzten Fusion mit der New Yorker Nyse am Montagabend eine Sonderdividende und ein Aktienrückkaufprogramm angekündigt. Das dürfte die Anleger versöhnlich stimmen, sagte ein Händler.

Im TecDax machten Carl Zeiss Meditec mit ihren Quartalszahlen von sich Reden. Die Aktien des Medizintechnikspezialisten kletterten im TecDax um bis zu 7,9 Prozent auf 17,68 Euro - den höchsten Stand seit knapp fünf Jahren. "Der Umsatz ist sehr stark, und liegt über unseren und den Markterwartungen. Auch das EBIT ist über den Erwartungen aufgrund eines sehr starken Ergebnisses in der Mikrochirurgie", schrieb DZ-Bank-Analyst Michael Bissinger in einem Kommentar.

jwi/Reuters / Reuters