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Schuldenkrise in Europa: Moody's: Frankreich könnte Top-Rating verlieren

Jüngst hatte die Ratingagentur Standard & Poor's mit einer angeblich versehentlichen Herabstufung Frankreichs die Börsen in Aufregung versetzt. Nun nimmt Konkurrent Moody's das zweitgrößte Euroland ins Visier. Frankreich könnte seinen "AAA"-Status verlieren.

Die Schuldenkrise frisst sich immer tiefer ins Herz der Euro-Zone. Nach Italien und Spanien gerät nun Frankreich immer tiefer in den Abwärtsstrudel. Das zweitgrößte Euroland könnte sein Top-Rating AAA verlieren, falls die Refinanzierungskosten dauerhaft hoch bleiben und wegen der Konjunkturflaute den Haushalt belasten, warnte die Ratingagentur Moody's am Montag. "Die Krise trifft den Kern der Euro-Zone, wir sollten uns darüber keine Illusionen machen", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel. EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark bezeichnete dies als "neues Phänomen". Europaweit gingen die Aktienmärkte in die Knie, Frankreichs CAC 40 lag rund 2,5 Prozent im Minus, auch in den USA gaben alle Indizes nach. Der Dax fiel im Hauptgeschäft um 3,35 Prozent auf 5606 Punkte.

Das von der französischen Regierung erwartete Wachstum von einem Prozent 2012 erschwere den angepeilten Schuldenabbau. Zudem werde das Sparpaket von 65 Milliarden Euro über die nächsten fünf Jahre das Wachstum nicht bremsen. "Anhaltend hohe Kosten für die Kreditaufnahme würden die fiskalischen Herausforderungen der französischen Regierung vergrößern, während sich der Wachstumsausblick verschlechtert, was negative Kreditauswirkungen hätte", schrieb Moody's-Experte Alexander Kockerbeck. Er verwies darauf, dass die Renditeaufschläge zehnjähriger französischer Anleihen vorige Woche erstmals seit Bestehen der Währungsunion um zwei Prozentpunkte über deutschen Bonds lagen. Damit zahle Frankreich für langfristige Finanzierungen Anlegern fast das Doppelte wie Deutschland, erklärte Moody's. Finanzminister Francois Baroin bezeichnete die Finanzierungskosten aber als nach wie vor "sehr günstig".

Standard & Poor's nahmen Abwertung vorweg

Der Moody's Konkurrent Standard & Poor's hatte jüngst - nach eigenen Angaben - versehentlich Frankreichs Top-Rating "AAA" herabgestuft. Dies hatte für heftige Turbulenzen an den Finanzmärkten gesorgt. Denn für den Kampf der Euroländern gegen die Krise wäre es ein heftiger Rückschlag: Sollte Frankreich sein "AAA"-Rating verlieren, wäre auch das Top-Rating des Euro-Rettungsschirms EFSF gefährdet, betonte Juncker. Für Finanzmarktprofis kommt der Warnschuss von Moody's aber nicht überraschend. "Dass Frankreich substanziell etwas gegen die Haushaltsprobleme getan hat, ist bisher nicht zu erkennen", kritisierte HSBC-Volkswirt Rainer Sartoris.

kng/Reuters / Reuters