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Musikindustrie: Ganz neue Töne

Nach Jahren der Depression ist die Musikindustrie endlich erwacht und stemmt sich gegen den Absturz: Der Kopierschutz fällt, Abodienste sprießen, die Plattenkonzerne mischen bei Konzerten und Werbung mit. Die Folge: Keiner kann sich mehr sicher sein - nicht mal Marktführer Apple.

Von Arndt Ohler

Alles was man braucht, um sich Musik aus dem Internet zu laden: Einen iPod und einen Computer

Alles was man braucht, um sich Musik aus dem Internet zu laden: Einen iPod und einen Computer

Keine Frage: Da hat sich mächtig Wut gestaut. "Die Verteilung zwischen Apple und den Produzenten ist unanständig", schimpfte Jean-Bernard Lévy vor wenigen Wochen. "Unsere Verträge räumen Apple einen zu großen Anteil ein." Levy ist Chef des Mischkonzerns Vivendi, Besitzer des weltgrößten Musikkonzerns Universal Music. Apple betreibt die mächtigste Handelsplattform für Musikdateien im Internet: iTunes.

Der Wutausbruch Lévys hat die Branche erstaunt. Noch vor Kurzem hätte sich das kein Musikmanager getraut. Apple-Chef Steve Jobs galt als Heilsbringer der gebeutelten Industrie, konnte den Konzernen fast beliebig die Konditionen diktieren. Auf die Umsätze durch iTunes wollte niemand verzichten. Mit mehr als drei Milliarden verkauften Liedern ist die Plattform inzwischen zum drittgrößten Musikhändler in den USA aufgestiegen.

Doch nun ändern sich die Zeiten. Für Apple, für die gesamte Musikindustrie: Kein Tag vergeht, an dem nicht neue Kooperationen oder Geschäftsmodelle angekündigt werden. Ob Prince seine Musik einer Zeitung beilegt, Paul McCartney sie über Starbucks vertreibt oder Madonna ihre Plattenfirma verlässt, um sich an einen Konzertveranstalter zu binden - die Branche befindet sich in einem historischen Umbruch. Nichts wird mehr sein, wie es mal war. Und es ist nebenbei die einzige Chance, sich aus dem Würgegriff Apples zu befreien - und die Krise zu beenden.

Altes Geschäftsmodell ist mausetot

Lange hat es nicht so ausgesehen, als schaffe es die Branche, überhaupt den Kampf gegen die Depression aufzunehmen. Gelähmt von den fallenden Absatzkurven sprachen die Musikmanager mehr über mögliche und unmögliche Neuerungen, als diese wirklich anzugehen. Lediglich der Vertrieb wurde auf das Internet übertragen. Neue Geschäftsmodelle waren dagegen nicht in Sicht.

Dabei sind die alten mausetot. Keine Zukunft bieten die alten Medien, etwa die ehrwürdige CD, deren Verkaufszahlen atemberaubend abstürzen - allein im vergangenen halben Jahr um 20 Prozent im wichtigsten Markt, den USA. Welcher Jugendliche kauft heute noch teure Tonträger, wenn er seine Lieblingslieder kostenlos übers Internet tauschen oder illegal auf dem Rechner brennen kann? Hinzu kommt: Die wichtigen Kanäle, über die die Musik beworben wurde, sind längst bedeutungslos geworden. So laufen auf dem ehemaligen Musiksender MTV kaum noch Musikvideos, und Radiosender spielen für junge Menschen keine Rolle mehr.

Entsprechend furchtbar war der Niedergang der schillernden Branche - und er wird noch eine ganze Weile andauern. Die Deutschlandchefs von Universal und Sony BMG BMG erwarten sogar, dass sich in diesem Jahr der Abwärtstrend beschleunigt. "Wir erwarten für den Markt einen Rückgang von sechs Prozent", sagt Universal-Chef Frank Briegmann. Schon 2006 war der hiesige Markt um 2,4 Prozent auf 1,71 Mrd. Euro geschrumpft. Der Verkauf von Liedern über Internetplattformen oder Handys kann den Rückgang nur bremsen.

Nun, da die Krise existenziell ist und die Aktionäre immer lauter meutern, raffen sich die Konzerne dazu auf, mal etwas Neues zu wagen. Niedergeschmettert von seinen Geschäftsergebnissen, begann etwa der Konzern EMI im April damit, die Lieder seiner Künstler ohne Kopierschutz (DRM) anzubieten. Die Titel können so auf jedem Gerät abgespielt und ohne Qualitätsverlust beliebig oft kopiert werden. Ein Tabubruch, galt DRM doch als Rettung vor der Internetpiraterie.

McCartney zum Kaffee und die Spice Girls zwischen Unterwäsche

Für weiteren Rummel sorgte eine Reihe bekannter Musiker. So legte Prince seine neueste CD der Zeitung "Mail on Sunday" bei, um damit für eine Serie von Konzerten in London zu werben. Der ehemalige Beatle Paul McCartney verkauft seine aktuelle CD ausschließlich über die Kaffeehauskette Starbucks. Und die Spice Girls, einst populärste Girlband der Welt, werden ihr neues Best-of-Album für eine gewisse Zeit exklusiv bei der Unterwäschekette Victoria's Secret verkaufen.

Für Nervosität bei den Managern der großen Musikkonzerne wie Warner, Universal, Sony BMG und EMI hat aber vor allem Superstar Madonna gesorgt. Sie verlässt Warner und wechselt für 120 Millionen Dollar zum Konzertveranstalter Live Nation. Der Vertrag sieht vor, dass Live Nation an ihren Konzertumsätzen beteiligt wird. Madonna soll drei Alben für das Unternehmen produzieren, zudem kann Live Nation ihre Namensrechte vermarkten. "Es hat im Musikgeschäft einen Paradigmenwechsel gegeben - und als Künstlerin und Geschäftsfrau muss ich diesen Wechsel mitmachen", sagt Madonna.

Die Manager versuchen, mit eigenen Ideen gegenzuhalten. "Manchmal ist so etwas ein Weckruf, dass man sich noch schneller bewegen muss", sagt Ulrich Järkel bei Sony BMG europaweit für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle zuständig. Der neuste Trend sind Aboangebote.

Kombination aus Abodienst und Abspielgerät

Der wichtigste Vorstoß kommt dabei von Universal mit Partnern wie Sony BMG, das einen Abodienst namens Total Music auflegt. Dabei kaufen Kunden mit einem digitalen Musikspieler oder Handy den Dienst gleich mit. "Es gibt ein riesiges Potenzial bei den Abos", sagt Manager Järkel. "Wir müssen hin zu einfacheren, transparenteren Musik-Flatrates." Geplant ist, dass Kunden zum Beispiel die Wahl haben zwischen zwei baugleichen Musikspielern, wobei der eine teurer ist, dafür aber ein zeitlich befristetes Musik-Abo enthält. Ähnliches soll für Handys möglich sein. Umgerechnet auf einen Monat soll der Preis für das Abonnement bei fünf Dollar liegen.

Solche neuen Geschäftsmodelle könnten mehr werden als nur Rettungsanker. Vor lauter Gejammer hatten viele Manager versäumt, die hohe Nachfrage zu Geld zu machen. Denn Musik ist populär wie nie zuvor: Zahlreiche TV-Formate beschäftigen sich ausschließlich mit Musik, Talentshows werden am laufenden Band produziert. Kinofilme und Werbeclips kommen nicht ohne Ohrwürmer aus. Im Wachstumsmarkt der Videospiele sind ausgefeilte Soundtracks Pflicht, und in den U-Bahnen der Städte sieht man kaum noch Jugendliche ohne die Kopfhörer eines digitalen Musikspielers.

Nun raffen sich die Konzerne auf, statt verschreckt abzuwarten, wenn sich neue Gefahren auftun - etwa mit dem Wegfall des Kopierschutzes DRM, der den Wettbewerb deutlich verschärfen und selbst für den Marktführer iTunes zu einer Bewährungsprobe wird.

Denn auch schlagkräftige Konzerne steigen in den Onlinevertrieb von Musik ein. So bieten das Internetkaufhaus Amazon und die Handelskette Wal-Mart seit einigen Wochen Musik ohne DRM im Internet an, Amazon für den Kampfpreis von 89 Cent je Lied. "Amazon ist der schlafende Gigant des digitalen Musikmarkts", sagt Mark Mulligan, Analyst des Marktforschers Jupiter Research.

Allianz gegen Apple

Apple ist alarmiert. Der Marktführer testet seit einigen Monaten, wie sich der DRM-Verzicht auf die Umsätze auswirkt, seine Preispolitik musste er bereits ändern. In der vergangenen Woche kündigte Steve Jobs an, den Preis für einen Teil des Angebots von 1,29 Dollar je Lied auf 99 Cent zu senken. Damit reagierte er auf die Allianz zwischen Amazon und Universal. So sind bei Amazon bereits Lieder ohne DRM von Künstlern erhältlich, die bei Universal unter Vertrag stehen. Apple bleibt außen vor.

Die Industrie weiß allerdings, dass selbst diese neuen Initiativen sie kaum retten werden, seien es nun Abos, Kooperationen, DRM-Verzicht oder der stark wachsende Einzelverkauf von Liedern übers Internet oder Handys. Und so schauen sich Musikmanager händeringend nach neuen Einkommensquellen außerhalb des digitalen Geschäfts um. Viele Musikunternehmen schließen etwa neuerdings gern mit jungen Künstlern sogenannte 360-Grad-Verträge ab. Gegen einen höheren Vorschuss an die Musiker erwerben die Konzerne einen Anteil an den Zusatzgeschäften des Künstlers - so verdienen sie neben den Verkäufen von CDs und Dateien auch am Merchandising, an Konzerttickets und an Werbegeldern mit.

Im besten Falle investieren die Musikunternehmen auch selbst in diese Geschäftsfelder, beteiligen sich an Firmen, die Konzerte veranstalten oder Fanartikel verkaufen. Oder sie erwerben sie gleich: Universal hat bereits die Firma Sanctuary übernommen, die sich auf Fanartikel, Liveauftritte und Bandmanagement spezialisiert hat. Sony BMG ist an den Veranstaltungsagenturen MTS und Bucardo beteiligt. Ob am Ende die Musikkonzerne mit den neuen Geschäftsmodellen zu alter Stärke zurückfinden, bleibt allerdings fraglich. Längst haben die Hersteller von Videospielen, Konzertagenturen oder Kaffeehausketten erkannt, dass auch sie in der neuen Musikwelt eine Chance haben. So ist der neue Madonna-Partner, Live-Nation-Chef Michael Rapino, bereits wieder auf der Jagd. Weltweit gebe es noch ein Handvoll weiterer Künstler auf dem Niveau von Madonna. Die Rolling Stones oder U2. "Und wir wären gern noch stärker mit denen im Geschäft."

FTD
Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.