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NACH KIRCH: Vor den Fußballclubs liegen stürmische Zeiten

Für die Fußball-Vereine könnten die »Goldenen Zeiten« mit immer höheren Einnahmen aus den Fernseh-Verwertungsrechten für ihre Spiele bald vorbei sein.

In Deutschland könnte eine Pleite der Mediengruppe Kirch die Vereine in finanzielle Bedrängnis bringen. Und in Großbritannien hat der defizitäre Fernsehanbieter ITV Digital bereits versucht, seine Zahlungen an die English Football League zu drücken. Auch in Deutschland drohen Einnahmeverluste. Er könnte sich vorstellen, dass es bei einer neuen Vergabe der Rechte am Pay-TV für die Liga zu einer »kleinen Delle bei den Einnahmen kommen kann«, gab der Präsident von Borussia Dortmund, Gerd Niebaum, bereits zu Protokoll.

Ende der inflationären Spielergehälter?

»Die Fußballrechte haben eine inflationäre Entwicklung gezeigt - genauso wie die Spekulationsblase, welche die Internet-Aktien in die Höhe getrieben hat«, sagt der Chef der Medienberatung Lovelacemedia, Graham Lovelace. Das Aufkommen des Bezahlfernsehens und der erbitterte Wettbewerb unter den neuen TV-Anbietern hatte die Kosten für die TV-Rechte in den 90er Jahren in immer neue Höhen getrieben - und der Wettbewerb unter den Vereinen führte zu Rekordgehältern für die Spieler.

Senderechte werden billiger

Doch die Zuscherzahlen für das Bezahlfernsehen blieben unter den Erwartungen und die Werbeeinnahmen sanken angesichts der konjunkturellen Krise. »Mittelfristig werden die Preise für die Fernsehrechte sinken«, prognostiziert denn auch der Medien-Analyst Bernhard Tabeileh von Merrill Lynch in Frankfurt.

Umdenken auch in anderen Ländern

In Großbritannien hatte sich der Pay-TV-Sender BSkyB die TV-Rechte an der Premier League, der ersten Liga, für über eine Milliarde Pfund gesichert. Sky-Inhaber Rupert Murdoch hatte aber bereits angekündigt, dass eine solche Summe bei neuen Verhandlungen über die Rechte nicht noch einmal fließen wird. Und die 72 Vereine der Ligen unterhalb der Premier League haben schon angekündigt, Teile der Verträge, die Analysten zufolge überteuert sind, mit ITV Digital neu zu verhandeln.

Pay-TV überall verlustreich

In Italien, Frankreich und Spanien kämpfen derweil mehrere große Vereine mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Und Investoren von Pay-TV-Gesellschaften versuchen, die oftmals Verluste schreibenden Firmen zu retten oder zu fusionieren. Die italienischen Wettbewerbsbehörden prüfen etwa Pläne, den Pay-TV-Sender der Vivendi Universal, Telepiu, mit News Corps Stream zusammenzulegen, um Verluste abzubauen, die im Kampf um die italienischen Fußballrechte entstanden waren.

Ab 2003 wird neu verhandelt

In Spanien will die Audiovisual Sports, welche die Rechte für die erste und zweite Liga besitzt, die Ausgaben für den Fußball kürzen, wenn die Verträge im Jahr 2003 neu ausgehandelt werden müssen - und möchte dabei weniger als die Hälfte dessen bieten, was die Vereine fordern.

Kleine Vereine leiden

In Frankreich hatte der Präsident des Vereins Paris St. Germain, Laurent Perpere, bereits gewarnt, steigende Spielergehälter und sinkende Einnahmen könnten den europäischen Fußball in den Konkurs treiben. Perpere hat die Schaffung einer Aufsichtsbehörde angeregt, um das Schlimmste zu verhindern. Zudem droht sich bei sinkenden TV-Einnahmen die Schere zwischen großen und kleinen Vereinen weiter zu öffnen. Je höher der Umsatz eines Vereins, desto weniger ist er von einzelnen Sparten abhängig, so Niebaum. Bei einigen Vereinen machen die TV-Einnahmen aber zwischen 70 und 90 Prozent der Etats aus. »Hier muss etwas getan werden«, warnte der Präsident von Borussia Dortmund.

Emma Thomasson