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Champions-League-Teilnehmer Das Real Madrid von Moldawien: Wer steckt hinter dem FC Sheriff Tiraspol?

Werbeplakat des FC Sheriff in Tiraspol: "Ohne die Vergangenheit gibt es keine Zukunft."
Werbeplakat des FC Sheriff in Tiraspol: "Ohne die Vergangenheit gibt es keine Zukunft."
© Fabian Huber
Am Abend trifft Real Madrid auf den besten Fußballclub Moldawiens. Die Machtverhältnisse sind klar, der Ausgang erwartbar. Eine Cinderella-Story? Mitnichten.
Von Fabian Huber

Wenn an diesem Dienstag Real Madrid in der Champions-League-Gruppenphase auf den FC Sheriff Tiraspol trifft (21 Uhr/live auf DAZN und im stern-Ticker), dürfte die Sache klar sein. Alles andere als ein klarer Sieg der spanischen Milliardentruppe gegen die Elf aus dem Osten Moldawiens wäre eine Sensation. Doch in seinem eigenen Land ist der FC Sheriff selbst so etwas wie Real Madrid.

Im Vergleich dominanter als der FC Bayern in Deutschland

Tiraspol, die Hauptstadt Transnistriens, liegt in jenem 200 Kilometer langen Landstreifen, der sich Anfang der 1990er Jahre von Moldawien abgespalten hat. Hier thront am Stadtrand, mächtig und erhaben, das Stadion des Champions-League-Neulings. Ein hochmoderner Fußballtempel, daneben zwei weitere Arenen, acht Trainingsplätze und eine Jugendakademie. Während die Konkurrenz aus der ersten moldawischen Liga auf besseren Äckern kickt, empfängt der FC Sheriff Tiraspol in einem Komplex, der 200 Millionen Dollar gekostet haben soll.

Seit der Jahrtausendwende ist Tiraspol 19-mal moldawischer Meister geworden. "Sheriff ist von den anderen Vereinen Moldawiens meilenweit entfernt, deutlich weiter als die Bayern vom Rest der Liga in Deutschland. Sie sind komplett dominant", sagt Sascha Düerkop. Er ist der ehemalige Generalsekretär der Conifa, des Fußballverbandes für nicht anerkannte Staaten, Minderheiten und Regionen. Ein Kenner der exotischen Ecken des Ballsports.

Ultrareicher Vereinspräsident kontrolliert die ganze Region

Vereinspräsident des FC Sheriff ist Wiktor Guschan, ein zum Oligarchen aufgestiegener Ex-Polizist, der mit seinem ehemaligen Arbeitskollegen Ilja Kasmaly das Firmen-Konglomerat Sheriff betreibt. Die beiden Ultrareichen treten kaum öffentlich auf, haben Transnistrien aber in der Hand.

Der Sheriff-Konzern verkauft Kleidung in deutschen Aldi-Filialen, exportiert Spirituosen ins Ausland, ist Inhaber einer Mercedes-Vertretung in Tiraspol, hat ein Monopol auf dem Telekommunikationsmarkt, besitzt alle transnistrischen Tankstellen, sämtliche nennenswerten Radio- und TV-Sender, Wohnungsbaugesellschaften, Werbeagenturen, eine Kaviarfabrik, eine Großbäckerei und den einzigen Nachtklub des Landes. Er hat weitreichende Verbindungen in die Politik, den Präsidenten unter seinen Fittichen und eben auch einen eigenen Fußballverein in seinem Portfolio.

"Der Aufstieg des FC Sheriff bis in die Champions League ist alles andere als eine Cinderella-Story", sagt Sascha Düerkop. "Es ist ein Marketingprodukt eines Konzerns aus einem nicht-anerkannten Staat, der für eine schwierige Menschenrechtslage steht."

yks

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