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Sportliche Cornoa-Debatte Mehr Normalität in den Stadien: Fußballclubs rufen Fans zur Impfung auf

Corona-Debatte begleitet die Bundesliga
Die Zahl der Fans im Stadion steigt und fällt mit den Inzidenzen. Fußball-Clubs rufen deshalb zur Impfung auf
© Bernd Thissen / DPA
Der Ball rollt und die Ränge sind wieder gefüllt. Doch mit den steigenden Inzidenzen befürchten die Sportvereine erneut Schließungen. Das wollen sie nicht mehr hinnehmen.

Mit kleinem Pflaster auf dem Arm durften die Fans von Borussia Dortmund neben dem DFB-Pokal posieren. Ein kleiner Anreiz für die Impfung gegen das Coronavirus, für die etliche Clubs der Fußball-Bundesliga in den vergangenen Tagen und Wochen Werbung machten – auch zum Selbstzweck. Die an diesem Freitag mit dem Eröffnungsspiel von Meister FC Bayern bei Borussia Mönchengladbach beginnende Saison wird weiterhin massiv von der Pandemie beeinflusst. Und das Impfen, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, ist der "Schlüssel zu allem".

In der emotionalen wie politischen Debatte über die Gleichbehandlung von Geimpften, Genesenen und Getesteten geht es für den Profifußball um die Auslastung der Stadien. Und damit auch um das Geld der zahlenden Besucher. Der 1. FC Köln will ab Ende August keine negativen Corona-Tests mehr für den Stadionzutritt akzeptieren. Hoffenheims Geschäftsführer Jan Mayer sieht in solchen Überlegungen dagegen eine "Impfpflicht durch die Hintertür".

Am Dienstag erhofften sich die Verantwortlichen klare Aussagen aus der Bund-Länder-Schalte. "Ich erwarte, dass Entscheidungen getroffen werden, die uns mittelfristig eine Perspektive geben", sagte Watzke. "Jetzt ist die Zeit gekommen, mutige Entscheidungen zu treffen, und wo man nicht mehr alles nur damit lösen kann, dass man den Laden abschließt."

Verzweifelter Appell an die Fans: "Lasst euch impfen!"

Mit Sorge schauen die Clubs auf die steigenden Inzidenzen an ihren Standorten. Die Zuschauerzahlen könnten spätestens ab dem zweiten Spieltag wieder reduziert werden. Gladbach erwartet gegen die Bayern 23.000 Fans – finanziell helfen wird den meisten Clubs nur eine deutlich größere Auslastung im Bereich von vor Corona. Eintracht Frankfurt hatte zuletzt klar gemacht, notfalls auch den Klageweg zu bestreiten, um Klarheit in der Zuschauerfrage zu bekommen.

"Wenn ihr wollt, dass wir in absehbarer Zeit so etwas wie Normalität verspüren, wenn ihr wieder ins Stadion wollt, worauf wir sehnlichst warten, dann lasst euch bitte impfen", appellierte Watzke an die BVB-Fans. Der SC Freiburg versprach am Dienstag insgesamt 1100 Freikarten für ein Bundesligaspiel an diejenigen, die sich am Wochenende in der Freiburger Messe erstimpfen lassen. In Deutschland sind inzwischen etwas über 54 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft.

Die Impfquote unter den Profifußballern selbst ist nicht detailliert bekannt. Kurz vor dem Saisonstart sah sich aber die Deutsche Fußball Liga zu einem Rundschreiben mit eindringlicher Impfwerbung veranlasst. "Es steht jedem frei, sich nicht impfen zu lassen – dann muss damit aber auch die Verpflichtung einhergehen, dafür Sorge zu tragen, dass man sich möglichst nicht mit dem Coronavirus infiziert", schrieb DFL-Geschäftsführer Christian Seifert, wie die "Bild"-Zeitung und der "Kicker" zitierten.

Auch Fußballer müssen überzeugt werden

Das System ist fragil. Bei Infektionen innerhalb der Teams drohen Spielabsagen, die im dichten Terminkalender zu weiteren Problemen führen könnten. In der 3. Liga musste der MSV Duisburg wegen Corona-Fällen verspätet starten, in der 2. Liga hatte der SV Darmstadt 98 mit einem wegen einer Quarantäne-Anordnung stark reduzierten Kader zu kämpfen.

"Es sollte im gemeinsamen Interesse liegen, die Leistungsfähigkeit der Clubs als Arbeitgeber nicht zu gefährden und (...) negativem Einfluss auf den sportlichen Wettbewerb im Sinne der Solidargemeinschaft vorzubeugen", schrieb Seifert. Er bat darum, "weiterhin den intensiven Dialog insbesondere mit Ihren Spielern zu suchen, ob und wie mit den pandemiebedingten Herausforderungen umzugehen ist".

Etliche Spieler hatten zuletzt für die Corona-Impfung geworben. "Für dich. Für mich. Für alle. Tu's auch für deine Mitmenschen", schrieb Nationalspieler Leroy Sané vom FC Bayern beispielsweise bei Twitter. Aus der Bundesliga hatten zuletzt der VfB Stuttgart und der BVB weitere Corona-Fälle vermeldet. Die erste Runde im DFB-Pokal überstanden beide Clubs mühelos.

"Wir sind eigentlich fast komplett durchgeimpft", sagte zuletzt Hertha-Sportchef Fredi Bobic bei Sky. "Es gibt einige Spieler – nicht viele – die sich noch nicht haben impfen lassen. Die müssen weiterhin jeden Tag einen Test machen. Trotzdem versuchen wir sie mit Argumenten zu überzeugen." Auch der Kölner Geschäftsführer Alexander Wehrle, der sehr für das Impfen eintritt, machte deutlich: "Unser Kader ist praktisch durchgeimpft, daher sind wir recht entspannt." Der Augsburger Daniel Caligiuri war Ende Juli trotz vollständigen Impfschutzes positiv getestet worden.

cl / Jan Mies DPA

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