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Neues Verbraucherportal Lebensmittelwarnung.de: Glassplitter in der Wurst

Das neue Portal Lebensmittelwarnung.de soll die Verbraucher endlich umfassend über Skandale und Rückrufe bei Lebensmitteln informieren. Die ersten Fälle sind unappetitlich genug.

Von Peter Neitzsch

Dioxin in Eiern, Salmonellen im Fleisch und Bakterien im Frischkäse - künftig sollen solche Lebensmittelskandale sofort öffentlich gemacht werden. Die Informationen über verunreinigte Lebensmittel sollen auf der zentralen Internetseite Lebensmittelwarnung.de öffentlich zugänglich sein. Verbraucher können sich auf der Website über Skandale und Rückrufe bei Lebensmitteln informieren. Auch Warnungen vor mit Schadstoffen belasteten Lebensmitteln werden dort veröffentlicht.

Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU), die das Portal am Freitag offiziell freischaltete, erklärte, so würden die Verbraucher schneller und umfassender über Gesundheitsgefahren bei Lebensmitteln informiert. Die Website soll Warnungen von Behörden und Firmen bündeln, über die bisher nur regional informiert wurde. Betreut wird Lebensmittelwarnung.de durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Verbraucherschützer finden das neue Portal gut: "Das ist ein Stück mehr Transparenz für die Konsumenten. Das ist notwendig und längst überfällig", sagt Armin Valet, Lebensmittelexperte der Verbraucherzentrale Hamburg zu stern.de. Der große Vorteil des neuen Portals sei die Klarheit, so Valet. "Vor Produkten, die ein Gesundheitsrisiko darstellen, musste bereits vorher gewarnt werden. Aber jetzt ist das für jedermann zugänglich."

Entscheidend ist für Valet, ob die neue Seite auch den Praxistest besteht und Informationen ohne Zeitverlust eingestellt werden. So müssten Valet zufolge auch Verstöße gegen lebensmittelrechtliche Vorschriften eingestellt werden. "Wir sind absolut für Öffentlichkeit und klare Information." Stille Rückrufe, wie es sie in der Vergangenheit mehrfach gegeben habe, seien nicht im Sinne der Verbraucher.

Vor allem Fleisch- und Wurstprodukte sind betroffen

Erste Lebensmittelwarnungen sind bereits online und die haben es in sich: Weil sich Salmonellen in der "Edel-Salami" des Herstellers Windau fanden, musste die Supermarktkette Edeka diese Anfang Oktober aus den Regalen nehmen. In der Wurstkonserve "Oma Hilde" der Reichenbacher Wurstfabrik wurden Ende September kleine Glasstückchen entdeckt. Glassplitter fanden sich auch im Mineralwasser der Firma Urbacher Mineralquellen.

Ein weiteres Beispiel: Mit Frischkäse gefüllte Minipaprikas aus dem Hause Momeni Feinkost waren mit krankheitserregenden Bakterien verunreinigt. Und die Liste wird weiter wachsen: Das Bundesamt für Verbraucherschutz rechnet mit zwei bis fünf neuen Warnungen pro Monat. Bislang veröffentlichten die zuständigen Behörden solche Informationen nur zögerlich und auf freiwilliger Basis. Ab 2012 soll das zur Pflicht werden - unter anderem eine Konsequenz aus dem Dioxinskandal zu Jahresbeginn.

Bedeutet das, dass Verbraucher diese Produkte nun künftig meiden sollen? "Auf jeden Fall", sagt Valet von der Verbraucherzentrale. Die aufgeführten Fälle würden ein echtes Gesundheitsrisiko darstellen. Allerdings könne es auch sein, dass nur eine einzelne Charge betroffen wäre. "Dann ist der Hersteller in der Pflicht zu zeigen, dass seine Produkte ansonsten unbedenklich sind."

Von Peter Neitzsch (mit Agenturen)