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Omega-Chef im Interview: Das rätselhafte Verschwinden der ersten Uhr auf dem Mond

Wer braucht noch Armbanduhren? Omega-Chef Stephen Urquhart gibt im Gespräch mit dem stern offen zu: niemand. Begehrt ist dagegen die erste Uhr auf dem Mond. Doch sie ist leider verschwunden.

Buzz Aldrin vor seinem ersten Schritt auf dem Mond. Er trug nahm auch die erste Uhr mit auf den Trabanten

Buzz Aldrin vor seinem ersten Schritt auf dem Mond. Er trug nahm auch die erste Uhr mit auf den Trabanten

Herr Urquhart, Sie waren heute bei der Nasa in Houston. Sie haben Astronauten von Apollo 13 getroffen. Konnten Sie das Rätsel der Moonwatch lösen?
Es wäre eine Sensation, wenn diese Uhr wieder auftauchen würde.

Uhrensammler kennen die Geschichte. Bei der ersten Mondlandung ging die Uhr in der Landefähre kaputt. Neil Armstrong ließ seine an Bord. Deshalb ist die Uhr von Buzz Aldrin, die erste auf dem Mond, die Moonwatch. Und diese Uhr, eine Omega Speedmaster, ist auf dem Weg ins Weltraummuseum in Washington verschwunden. Wer hat sie?
Es kursieren so viele Gerüchte. Da muss ich vorsichtig sein mit meiner Antwort. Erst hieß es, die Moonwatch wurde gestohlen. Dann kam der Hinweis, sie sei auf dem Postweg verloren gegangen. Es ist ein Rätsel.

Wie viel würde die Uhr kosten, wenn sie wieder auftauchen würde?


Sie ist von unschätzbarem Wert. Vor allem ihre historische Bedeutung ist immens. Diese Uhr verkörpert Menschheitsgeschichte. Stellen Sie sich vor, irgendwo auf der Welt tickt diese Uhr heute noch. Sie lebt.

Bei einem Sammler im Keller?
Alles ist möglich. Aber ich will nicht weiter spekulieren.

Omega rüstet bis heute die Nasa-Missionen mit Armbanduhren aus. Wie viel musste ihre Firma dafür bezahlen?


Die Nasa hat Uhren auf dem Markt gekauft, getestet und unsere hat gewonnen.

Ein unschätzbarer Wert für ihre Marketingabteilung.


Stimmt. Andere müssen Geschichten um ihre Uhren herum erfinden, wir haben eine echte Story.

Aber immer weniger Frauen und Männer tragen noch Armbanduhren. Im Flugzeug auf dem Weg nach Houston hatte nur etwa jeder zweite Passagier einen Zeitmesser am Handgelenk.
Niemand braucht heute mehr eine Armbanduhr. Das ist sicher. Genaue Zeitangaben haben Sie heute auf ihrem Mobiltelefon, im Auto. Einfach überall.

Sagt der Omega-Chef!


Ja, wir verkaufen ein Produkt, das niemand wirklich braucht und das ein Monatsgehalt oder mehr kostet.

Dann ist der Untergang also nah?


Im Gegenteil. Der Markt für Luxusuhren boomt. Es gibt ein großes Bedürfnis nach diesen Produkten.

Wie erklären Sie das?
Es sind Schmuckstücke, man kann sie anfassen, seinen Freunden oder Kollegen zeigen. Das gilt für Männer und Frauen. Die gesamte Uhrenindustrie erlebt seit etwa zehn Jahren einen unglaublichen Aufschwung.

Stimmt es, dass sie im Jahr 750.000 Uhren im Wert zwischen ein paar Tausend bis mehrere zehntausend Euro verkaufen?


Ja.

Und stimmt es, dass Omega einen Gewinn pro Jahr von umgerechnet zwei Milliarden Euro macht?


Kein Kommentar.

Vor ein paar Tagen haben Sie mit Nasa-Astronauten, dem Filmstar George Clooney und 300 Gästen in einem Flugzeughangar gefeiert, der zu einer Mondbasis wie aus einem Science-Fiction-Film umgebaut worden war. Sie nehmen viel Geld in die Hand, um das Image der Marke zu pflegen. Lohnt sich das?
Es scheint zu funktionieren.

Warum lächeln Sie?


Sie wissen ja, im Marketing gibt es den Spruch: Die Hälfte der Ausgaben ist Verschwendung, man weiß nur nicht welche Hälfte. Ich glaube, dass die Mondlandung die größte Leistung des Menschen im 20. Jahrhundert war, größer als die Erfindung des Internets. Denken Sie nur: Ein Mensch setzte seinen Fuß auf einen anderen Himmelskörper. Unglaublich. Was es am Ende der Menschheit gebracht hat, ist eine andere Geschichte.

Auch Daniel Craig trägt als James Bond eine ihrer Uhren. Wie viel zahlen Sie ihm dafür?
Die Investition in James Bond funktioniert wie im Lehrbuch. Wenn der neue Bond-Film im November anläuft, steigen die Verkäufe sprunghaft. Zack! Wie ein Zacken auf einer stetig steigenden Linie.

Und sie bezahlen James Bond dafür mit ein paar Uhren für "Family & Friends" und Schweizer Schokolade?


Ehrlich, es sind Peanuts die wir dafür bezahlen. Wirklich Peanuts. Unsere Beziehung zu den Bond-Machern funktioniert nicht über Geld. Wir verstehen uns mit ihnen seit Jahren exzellent.

Die Konkurrenz auf dem Markt für Luxusuhren ist groß. Omega kündigte kürzlich an, Uhren zu bauen, die nicht nur wasserdicht, stoßfest und genau sind, sondern auch sicher vor Magnetismus. Ist Magnetismus ein echtes Problem oder eine Marketingidee?
Magnetismus war für Uhrenmacher schon immer ein Problem. Früher, zum Beispiel auf Elektroloks, wurde ein Käfig aus Draht um die Uhr gebaut, um sie vor dem Magnetfeld der großen Motoren zu schützen. Heute sind Magneten überall sogar in Verschlüssen von Handtaschen und Computern. Ist eine Uhr magnetisiert, geht sie falsch. Erst haben wir ein nicht-magnetisierbares Hemmungssystem gebaut.

Das ist das Herz einer Uhr.


Ja, genau. Und nun wollen wir die gesamte Uhr "nicht-magnetisch" machen. Bis 2020 sind alle unsere Uhren vor Magnetismus sicher. Dann können Sie mit der Uhr am Arm sogar in einen Computertomographen steigen.

Sie haben auch gleich einen neuen Qualitätsstandard dafür erfunden. Das eidgenössische Institut für Messwesen (Metas) prüft die Uhren. Bisher gingen die Luxusuhrenhersteller in der Schweiz mit ihren Produkten zur Schweizer Chronometerkontrolle (COSC).
Wir lassen bei beiden Instituten prüfen.

In Wahrheit haben Sie ihren Konkurrenten damit den Krieg erklärt.


Jeder kann versuchen, eine solche Uhr zu bauen.

Man kann mit einer Uhr, die einem Magneten zu nah kam, auch einfach zum Uhrmacher gehen, der die Uhr ruckzuck entmagnetisieren kann.
Ja, klar. Aber warum der Aufwand, wenn es eine Lösung für das Problem gibt.

Ein ganz neuer Konkurrent drängt auf ihren Markt: Die Apple Watch kommt. Auch Apple verkauft Image und Prestige. Ein gefährlicher Gegner für Sie?


Meinen Sie wirklich? Ich bin mit meiner Einschätzung dazu sehr vorsichtig. In ein paar Jahren soll keiner sagen, guck mal, da hat sich der seltsame Omega-Mann aber schwer geirrt. Ich glaube, es gibt Kunden für diese Uhr. Aber sie wird nicht aus Prestigegründen gekauft.

Es gibt die Apple Watch in Gold für 15.000 Euro.
(Urquhart zieht sein iPhone aus dem Jackett) Sehen Sie, persönlich glaube ich, dies hier ist ein Gebrauchsgegenstand, den ich jeden Tag zigfach nutze. Es ist ein Werkzeug. Ich zeige es nicht herum. Niemand interessiert das. Es muss funktionieren und irgendwann wird es gegen ein Nachfolgegerät ausgetauscht. Aber am Ende entscheidet der Kunde. Ich bin gespannt.

Die Nasa will zwischen 2020 und 2030 eine Mission zum Mars starten. Arbeiten Sie schon an einer Mars-Uhr?


Wir führen erste Gespräche mit der Nasa darüber.

Ist die Landung auf dem Mars ein neuer Menschheitstraum?
Ich bin mir nicht sicher. Es ist eine neue Grenze, die die Menschheit überwinden will. Vielleicht gelingt es den Amerikanern. Vielleicht sind aber auch die Chinesen schneller, um der ganzen Welt zu zeigen, wie stark sie geworden sind.

Ein neues Rennen, wie einst USA gegen die Sowjetunion?


Es geht darum zu zeigen, wer die neuen Herren der Welt sein werden.

Interview: Norbert Höfler, Houston